Karin Götz, Inhaberin von milio-Design in Dortmund, beteiligt sich an der Kampagne "Fashion Revolution" von Fairtrade Deutschland, denn auch ihr Geschäft steht für nachhaltige Mode. © Rebecca Wolfer
Einzelhandel in Dortmund

Revolution der kleinen Läden: Händler protestieren mit bunten Schaufenstern

Mit bunten Schaufenstern machen Stadtteil-Geschäfte in Dortmund auf Missstände in der Textil-Branche aufmerksam. Die Aktion „Fashion Revolution“ überschneidet sich mit einem traurigen Jahrestag.

Leuchtend bunte Streifen umrahmen das Fenster, in bunten Farben sind Klebebänder um die Stufen zum Eingang befestigt. „I made your clothes“ – „Ich habe deine Kleidung gemacht“ – steht auf dem Zettel, den Karin Götz in den Händen hält. Und genau darauf möchte die Inhaberin des Modegeschäfts „Milio Design“ in Dortmund derzeit aufmerksam machen: Wer hinter unserer Kleidung steckt, wo sie herkommt und unter welchen Bedingungen sie teilweise hergestellt wird.

Woche steht unter dem Motto „Fashion Revolution“

Karin Götz nimmt an der Kampagne „Fashion Revolution“ teil, die von Montag (19.4.) bis Sonntag (25.4.) weltweit stattfindet. In die Bundesrepublik gebracht hat sie der Verein Fairtrade Deutschland, der den teilnehmenden Geschäften auch die Deko- und Info-Materialien bereitstellt.

„Seit zehn Jahren produziere ich faire Mode selbst, verwende Bio-Stoffe und stehe auch dafür“, sagt Götz. Dementsprechend habe sie sofort zugesagt, Teil der Kampagne sein zu wollen. Sie möchte damit das Ziel der Aktion, auf die Missstände der schnelllebigen Textil-Branche aufmerksam zu machen, unterstützen. Denn in diesem Bereich mangele es am Nachhaltigkeits- und Fairnessgedanken.

„Wenn ich höre, das ist zu teuer, das gibt es woanders günstiger, da stellen sich bei mir die Nackenhaare hoch“, sagt Götz. Sie kritisiert die günstigen Preise einiger gängiger Modeketten, die schlichtweg auf Ausbeutung in den Produktionsländern zurückzuführen sind. „Das finde ich respektlos. Da stehen Menschen hinter, die damit ihren Lebensunterhalt verdienen müssen.“ Doch das werde oftmals nicht bedacht.

Jahrestag des Unglücks in einer Textilfabrik in Bangladesch

Für das Thema müsse also deutlich mehr sensibilisiert werden. Der Meinung ist auch Rebecca Wolfer. Sie vertritt als „Fair Activist“ den Verein Fairtrade Deutschland in Dortmund und möchte auch auf den Jahrestag des schweren Unglücks in der Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch aufmerksam machen. Durch den Einsturz des Fabrikgebäudes am 24. April 2013 starben über 1.000 Menschen, mehr als 2.000 wurden verletzt.

Viele wissen von diesem Unglück gar nicht, erzählt Karin Götz, dabei sei es auch anlässlich dieses Vorfalls wichtig, auf die Arbeitsbedingungen vieler Produktionsstätten weltweit hinzuweisen.

Aktion erhält positives Feedback

“In dieser Zeit ist es eine gute Möglichkeit, auf das Thema aufmerksam zu machen, denn die Menschen sind viel online“, so Götz. „Und in den sozialen Medien reagieren die Leute bisher sehr gut auf das Thema.“ Die Inhaberin bewirbt die Kampagne auch über den geschäftseigenen Instagram-Kanal.

Doch analog findet die Aktion der dekorierten Schaufenster ebenfalls Anklang. „Die Menschen kommen und machen Fotos vor dem Geschäft“, berichtet Götz. „In diesen Zeiten ist es ja doch mal wichtig, aufzufallen“, sagt sie, auch wenn sich der Umsatz dadurch nicht merklich erhöht habe.

Durch Corona finden viele Aktionen virtuell statt

Die Aktion „Fashion Revolution“ ist unabhängig von Geschäftsschließungen und bleibt dementsprechend wie geplant bis Sonntag in Dortmund bestehen. Ohnehin gilt im Milio Design bereits ausschließlich das Konzept „Click & Collect“.

Neben dem Modegeschäft von Karin Götz beteiligen sich auch das Geschäft „Unterhaltung Lieblingsstücke“ im Dortmunder Kreuzviertel sowie die Verbraucherzentrale Dortmund an der Aktion. Zusätzlich zu den bunten Klebebändern wird die Aktion auch durch Informationsmaterial bereichert.

So finden innerhalb des Rahmenprogramms „Fashion Revolution“ außerdem im virtuellen Raum diverse Angebote statt, wie zum Beispiel Online-Talkrunden zu verschiedenen Themen der Modebranche. Weitere Aktionen konkret in Dortmund zu planen sei „momentan schwierig, da keine Veranstaltungen stattfinden dürfen“, sagt Fair Activist Rebecca Wolfer.

Über die Autorin
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1998 im Rheinland geboren und seit ein paar Jahren zum Studieren im Ruhrgebiet Zuhause. Verschiedene Menschen und ihre Geschichten - das möchte ich erleben und darüber berichten.
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Tabea Prünte

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