Nahe der Möllerbrücke ist das erste Teilstück des Radschnellwegs schon befahrbar. Im weiteren Verlauf macht jedoch ein Nadelöhr Probleme. © Oliver Volmerich
RS1

Radschnellweg Ruhr durch Dortmund: Ein Nadelöhr sorgt für Probleme

Das erste Teilstück des Radschnellwegs in Dortmund entsteht gerade. Noch unklar ist, wie und wann es danach weitergeht. Denn der Weg stellt die Verkehrsplaner vor besondere Herausforderungen.

Auf der Sonnenstraße nahe der Möllerbrücke leuchtet das grüne Radschnellweg-Logo schon auf dem Asphalt. Mit einer Fahrradstraße entsteht aktuell im Kreuzviertel das erste Teilstück des Radschnellwegs Ruhr (RS1) in Dortmund. Ein kleiner Teil ist schon befahrbar, im Herbst soll der komplette erste Bauabschnitt, der von der Wittekindstraße bis zur Sonnenstraße führt, fertig sein.

Die Sonnenstraße wird dabei auch über die Hohe Straße hinaus zur Fahrradstraße, in der Radfahrerinnen und Radfahrer Vorrang vor dem Autoverkehr haben. Danach wird es für die Verkehrsplaner allerdings kompliziert. Denn es gilt, mit Ruhrallee und Märkische Straße zwei verkehrsreiche Hauptverkehrsstraßen zu überqueren – kreuzungsfrei.

Im Kreuzviertel ist der erste Abschnitt des Radschnellwegs Ruhr im Bau. © Oliver Volmerich © Oliver Volmerich

Die grobe Richtung steht eigentlich fest: Von der Sonnenstraße aus soll der RS1 eng entlang der S-Bahn-Linie 4 weiter in Richtung Osten geführt werden – auf einer eigenständigen Trasse. Sie soll dann auch den Qualitätsansprüchen des RS1 mit mindestens vier Metern Breite für die Fahrbahn entsprechen.

Doch das ist nicht ganz einfach umzusetzen, wie Planungsamtsleiter Stefan Thabe deutlich macht. Bisher sieht das Konzept vor, dass der Radschnellweg entlang des S-Bahnhofs Stadthaus wie auf einer Galerie oberhalb der bestehenden Straßen geführt wird und so Ruhrallee und Märkische Straße überquert. Ob das im Anschluss an die bestehenden Brücken technisch funktioniert, ist allerdings offen.

Parallel zur S-Bahn-Brücke soll der RS1 die Ruhrallee überqueren. © Oliver Volmerich © Oliver Volmerich

Dazu kommt ein echtes Nadelöhr. Zwischen S-Bahn und der Bebauung an der Ostseite der Märkischen Straße ist nur wenig Platz – zu wenig, um einen mehr als vier Meter breiten Radweg anzulegen, fürchtet Thabe. Nimmt man hier dann eine Engstelle in Kauf, die von den Qualitätsstandards des RS1 abweicht? Das ist eine von vielen Fragen, die die Verkehrsplaner noch klären müssen.

Das Nadelöhr für die Verkehrsplaner: An der Märkischen Straße ist zwischen S-Bahn und Bebauung nur wenig Platz. © Oliver Volmerich © Oliver Volmerich

Und das braucht Zeit. Bis Ende dieses Jahres soll ein Ingenieur-Auftrag für die Vorentwurfsplanung an ein externes Büro vergeben werden, kündigt der Planungsamts-Chef an. Er bezieht sich auf den kompletten Abschnitt vom Ende der Sonnenstraße bis S-Bahn-Halt Körne – eine Strecke von gut 3,5 Kilometern. Ein dicker Brocken also.

So sahen die ersten Überlegungen für eine RS1-Galerie neben dem S-Bahnhof Stadthaus aus. © Stadt Dortmund © Stadt Dortmund

Anfang 2023 könnte die Vorentwurfsplanung stehen, hofft Thabe. Sie wäre Grundlage für die weiteren politischen Beschlüsse und für die Gespräche mit der Bahn, von der man entlang der S-Bahn-Trasse dann Grundstücke für den RS1 benötigt. Auch das dürfte nicht unkompliziert werden.

Mehrere Planungsschritte nötig

Erst danach könnten Entwurfs- und Ausbauplanung starten – letztere nach Thabes Schätzung nicht vor 2025. Mit einem Baubeginn für diesen Abschnitt des RS1 durch die östliche Innenstadt wäre damit nicht vor 2027 oder 2028 zu rechnen.

Die Aufzählung zeigt, dass der Bau des RS1 durch Dortmund entgegen anfänglicher Hoffnungen viel Zeit braucht. Als Zehn-Jahres-Projekt bezeichnet Thabe das gesamte Vorhaben. „Wir bauen eine breite Fahrrad-Autobahn durch eine bestehende Stadt“, beschreibt der Planungsamtsleiter die besondere Herausforderung. Und das erfordert Zeit und Kompromisse.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Oliver Volmerich, Jahrgang 1966, Ur-Dortmunder, Bergmannssohn, Diplom-Journalist, Buchautor und seit 1994 Redakteur in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten. Hier kümmert er sich vor allem um Kommunalpolitik, Stadtplanung, Stadtgeschichte und vieles andere, was die Stadt bewegt.
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Oliver Volmerich

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