In den ersten Stunden des Jahres 2019 wurden Polizisten mit Raketen beschossen. Doch das ist kein Einzelfall an der Möllerbrücke. © Alex Talash / Leonie Sauerland
Silvester

Party-Chaos an der Möllerbrücke: „Hier herrschten Kriegszustände“

Die Möllerbrücke ist seit Jahren ein Party-Hotspot, an dem Silvester-Feiern häufig ausarten. Zuletzt in der Silvesternacht 2018/2019. Eine Anwohnerin ist so verärgert, dass sie nach über 30 Jahren nun wegziehen will.

Bei diesem Artikel handelte es sich um einen Rückblick im Vorfeld von Silvester 2020/2021. Wie die Lage in dieser Nacht war, können Sie hier lesen.

„Wenn vor deiner Haustür eine Massenschlägerei losgeht, dann ist man einfach entsetzt und ängstlich“, sagt Renate Bischoff. Die 72-Jährige wohnt in der Lindemannstraße, direkt angrenzend zur Möllerbrücke – also an einem Ort, der sich in den vergangenen Jahren zum Party-Hotspot für Dortmunder entwickelte. Sie berichtet über ihre Erfahrungen aus lauten Sommer- und Silvesternächten.

„Da war ein riesen Polizeiaufgebot vor unserer Haustür“, erzählt Bischoff unserem Reporter. „Vom Balkon aus konnten wir sehen, wie sich zwei große Gruppen bildeten, die sich kloppen wollten.“

Sie beschreibt die Geschehnisse der Silvesternacht von 2018 auf 2019. Damals wurden Polizeibeamte mit Raketen beschossen. „Hier herrschten Kriegszustände“, sagt sie.

Urinieren vor Bischoffs Balkon

In Renate Bischoffs Haus wohnen ihre Tochter Katarina, deren Ehemann sowie deren zwei Kinder. Mit ihren zwei Balkons – einer in Richtung Möllerbrücke, einer hin zum Sonnenplatz – hat die Familie eine gute Aussicht auf das Party-Chaos. Eine zu gute, wie die 72-Jährige meint: „Da schaue ich den Balkon runter und sehe, wie da jemand uriniert.“

Sie wohnt seit über 30 Jahren an der Möllerbrücke. Schon immer sei dort viel gefeiert worden, doch nie so exzessiv wie in den vergangenen fünf Jahren. Früher sei Bischoff an Silvester zum Anstoßen gerne runter an die Straße gegangen. „Das ist mir und meiner Familie aber viel zu gefährlich“, sagt sie, und bleibt deswegen seit drei Jahren drinnen.

Doch selbst, wenn die Familie im Haus bleibt, habe sie keine Ruhe vor den Feiernden. Bischoff: „Die haben ihre Böller auch an unsere Fenster geknallt. Wir haben die Spuren von der Hauswand manchmal gar nicht mehr abbekommen. Einmal wurde auch die Scheibe der Wohnungstür kaputt geschlagen.“

Wegen Böllerverbot dieses Jahr Ruhe?

In diesem Jahr dürfte es ruhiger werden an der Möllerbrücke. Die Kontaktbeschränkungen gelten auch an Silvester: Treffen von fünf Personen aus zwei Haushalten sind erlaubt, mehr nicht.

Außerdem hat die Verwaltung den Bereich um die Möllerbrücke zur Böllerverbotszone erklärt – zur Freude von Renate Bischoff: „Wir haben alle ‚juhu‘ geschrien, als wir vom Böllerverbot gehört haben.“

Wenn es nur eine laute Nacht im Jahr wäre, dann könne Bischoff das Silvester-Chaos verkraften. Aber: „Die feiern hier das ganze Jahr. Im Sommer ist es von Donnerstag bis Sonntag immer laut, und dann auch immer bis tief in die Nacht.“ Dafür gibt es sogar schon einen eigenen Begriff: „Möllern“, also treffen an der Möllerbrücke, um gemeinsam zu feiern.

Eines Nachts habe sie schon selbst aus dem Fenster gerufen und darum gebeten, die Musik leiser zu machen oder sich einen anderen Partyort zu suchen. Keine Reaktion. „Ich kann oft meinen eigenen Fernseher nicht verstehen, wenn die Leute draußen feiern“, so Bischoff. Deswegen habe sie sich schon häufiger über Regen im Sommer gefreut, denn: „dann wird nicht ‚gemöllert‘.“

„Hier ist einfach keine Wohnqualität mehr“

Eine richtige Erklärung, warum die Möllerbrücke so ein Magnet für Feiernde ist, hat Bischoff nicht: „Vielleicht wurden Partys im Westpark häufiger aufgelöst und dann sind die Leute zur Möllerbrücke gewechselt.“

Dort habe die Polizei wenig Einfluss. Die Musik werde wieder aufgedreht, wenn sich die Beamten umgedreht haben.

Sie ist von den anhaltenden Feiern so verärgert, dass sie nun einen harten Entschluss gefasst hat: „Ich werde hier weggziehen. Noch heute habe ich einen Termin, um mir eine neue Wohnung anzuschauen“, sagte sie unserem Reporter am Dienstag (29.12.).

Und sie sei nicht die erste, die wegen der Möller-Stimmung wegziehen will: „Schon viele Nachbarn haben die Wohnung gewechselt. Hier ist einfach keine Wohnqualität mehr.“

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
2000 in Heinsberg geboren, seit 2020 als freier Mitarbeiter bei den Ruhr Nachrichten. Ich studiere Journalistik und Politikwissenschaft in Dortmund. Mit 16 Jahren habe ich meine ersten Erfahrungen im Lokaljournalismus gemacht - und dort fühle ich mich zuhause.
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Nick Kaspers

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