Karin Götz, Inhaberin des Geschäfts „milio design“ empfängt wieder Kundschaft. Und das ganz ohne Termin oder negativen Corona-Test. © Tabea Prünte
Überraschende Entwicklung

Ohne Test und Termin: Kreuzviertel-Modegeschäft darf wieder öffnen – warum das?

Geschäfte in Dortmund sind geschlossen, die Hoffnung auf Kunden in Präsenz scheint für viele in weiter Ferne. Doch nicht für alle: Ein Modegeschäft empfängt wieder Kundschaft – wie ist das möglich?

Die Schaufenster erleuchtet, die Tür ist weit geöffnet und der Eintritt ganz ohne Termin und negativen Corona-Test möglich. Nein, hier geht es weder um einen Supermarkt, eine Drogerie oder einen Blumenladen. Im Dortmunder Kreuzviertel kann ein Modegeschäft ganz legal wieder Kundschaft empfangen.

Denn das Geschäft „milio design“ fällt im Rahmen der Corona-Regeln in die Kategorie der nicht körpernahen Dienstleistungen. Und Betriebe dieser Art dürfen ohne die sonst geltenden Einschränkungen öffnen.

Zwar sind weiterhin verschiedene Hygienemaßnahmen zu beachten, wie Abstandhalten und Masketragen, doch dürfen Kundinnen und Kunden das Geschäft wieder ohne negativen Corona-Test und sogar ohne vorherigen Termin betreten. Für die Inhaberin Karin Götz kam diese Entwicklung überraschend. Sie sah sich bisher als Teil des Einzelhandels, der Lockdown-bedingt schließen muss.

Inhaberin war sich der Möglichkeit vorher nicht bewusst

Ausgenommen von der Schließung im Rahmen des Lockdowns sind in diesem Bereich unter anderem Babyfachmärkte. Und so hat die Geschäftsinhaberin, die hauptsächlich Baby- und Kleinkind-Artikel anbietet, zunächst auf diesem Weg versucht herauszufinden, ob sie denn nun öffnen dürfe oder nicht.

Mit dieser Anfrage habe sich Götz an die Stadt Dortmund gewandt. Doch der Versuch, deklariert als Babyfachmarkt öffnen zu dürfen, scheiterte.

Doch dann die Wendung: Ausschlaggebend für die neue Öffnungs-Möglichkeit war schließlich der Faktor, dass Götz ihre Produkte beinahe ausschließlich selbst herstellt. Dadurch falle sie in die Kategorie der Handwerksbetriebe beziehungsweise nicht körpernahen Dienstleistungen.

In einer Übersicht der geltenden Corona-Regeln der Stadt Dortmund werden in dieser Kategorie ansonsten Schlüsseldienste oder Schuhmacher als Beispiele gelistet. Dass Karin Götz mit ihrem Geschäftsmodell auch darunter falle, war ihr zuvor nicht bewusst.

Zuvor war das Geschäft lange geschlossen

„Das ist eine Ermessenssache und ich habe das erst durch eine Anfrage beim Ordnungsamt erfahren“, sagt sie. Für Geschäftstreibende sei es seit mehr als einem Jahr nicht leicht. Bevor sie von dieser neuen Möglichkeit wusste, hatte sie seit Mitte Dezember beinahe durchgängig, bis auf drei Wochen, geschlossen und den Verkauf allein über ihren Online-Shop oder das „Click & Collect“-Prinzip angeboten.

„Im Grunde hätte ich schon viel länger öffnen dürfen“, meint Götz nun mit Bezug auf den neu gewonnenen Kenntnisstand. Ihrer Meinung nach seien die Bestimmungen des Infektionsschutzgesetzes nicht ausführlich genug formuliert. „Das macht es für Laien wahnsinnig schwer. Die Frage ‚gilt das jetzt für mich oder nicht‘ – das verunsichert einfach.“

Vorteile gegenüber Click & Collect

In dem Moment steht eine Kundin in der Tür, sie möchte ihre Vorbestellung abholen und fragt vorsichtig, ob sie tatsächlich hereinkommen dürfe – und schließlich erwirbt sie noch ein Teil zusätzlich zu ihrer vorherigen Bestellung. „Das ist der klare Vorteil daran, öffnen zu dürfen“, sagt Götz anschließend.

Seit Anfang der Woche (KW 18) empfängt sie nun wieder Kundschaft in Präsenz und innerhalb der Zeit seien sechs Kunden vor Ort gewesen, sagt sie am Donnerstag (6.5.).

„Die meisten sind doch sehr ungläubig, haben sich aber sehr gefreut, einfach mal wieder den Laden betreten zu können“, sagt Götz. Für sie überwiegen die Vorteile der neu erkannten Öffnungs-Möglichkeit gegenüber Click & Collect. „Der Umsatz wird dadurch nicht durch die Decke gehen“, gesteht sie sich ein. „Aber es sind ja kleine Schritte, die ein bisschen Hoffnung geben.“

Über die Autorin
Freie Mitarbeiterin
1998 im Rheinland geboren und seit ein paar Jahren zum Studieren im Ruhrgebiet Zuhause. Verschiedene Menschen und ihre Geschichten - das möchte ich erleben und darüber berichten.
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Tabea Prünte
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