Der Friseursalon Kopfarbeit an der Chemnitzer Straße war eine Woche lang versiegelt. © Björn Althoff
Corona-Lockdown

Nach Polizei-Einsatz: Ordnungsamt entsiegelt Friseursalon

Eine Woche nach einem Einsatz mit Polizei und Ordnungsamt hat die Stadt Dortmund am Mittwoch die Versiegelung an einem Friseursalon entfernt. Allerdings mit deutlicher Ansage an die Chefin.

Wie geht es weiter mit dem Friseursalon „Kopfarbeit“ in der südlichen Innenstadt? Nach dem Anruf einer Nachbarin hatte es dort vor wenigen Tagen einen Einsatz von Polizei und Ordnungsamt gegeben.

Der Vorwurf an die Chefin Fatma Kasmann: Im Laden an der Chemnitzer Straße seien Friseurdienstleistungen geschehen. Was laut Corona-Schutzverordnung verboten ist. Ein „Bußgeld in deutlich vierstelliger Höhe“ drohe.

Kasmann verstand das nicht: Sie sei nur mit einer Freundin zusammen im Salon gewesen, um aufzuräumen. Sie habe auch mal auf dem Stuhl gesessen, ja. Haare seien aber nicht geschnitten worden.

Friseurin: Am Telefon zunächst niemanden erreicht

Die Kommunikation zwischen Friseurin und Stadt lief auch an den Tagen danach holprig. Aus dem Ordnungsamt hieß es: „Die Kontaktdaten sind der Betreiberin bekannt.“

Sie wiederum erklärte: „Man hat mir eine Visitenkarte gegeben.“ Unter der Nummer habe sie Ende vergangener Woche mehrfach angerufen, aber vergeblich. Am Montag habe sie dann eine E-Mail geschrieben.

Bei Wiederholung: „Nicht mal eine Pommesbude“

Schließlich, am Dienstag, sei ein Anruf vom Amt gekommen. Mit den konkreten Vorwürfen, Paragraph für Paragraph. Sowie einer Ankündigung einer Belehrung.

Das Positive für Kasmann: Am Mittwochnachmittag wurde die Versiegelung am Laden wieder entfernt. Bis dahin durfte die Chefin den Salon nicht betreten, nicht einmal zum Aufräumen oder Checken der Wasserhähne.

Und die Belehrung? Die dreht sich um den Wiederholungsfall. Sollte man Kasmann erneut erwischen, wie sie während des Lockdowns Friseurdienstleistungen durchführe, drohe der Entzug des Gewerbescheins. „Man hat mir gesagt: Dann dürfen Sie nicht mal mehr eine Pommesbude aufmachen“, berichtet die Friseurin.

Handwerkskammer gab juristische Einschätzung

Was dürfen Friseure überhaupt und was nicht? Dazu hatte sich Kasmann bei der Handwerkskammer informiert. Die dortige Juristin Vivien Gravenstein bestätigt: „Ich habe nach dem Vorfall mit ihr telefoniert.“

Allerdings seien Einzelfälle immer kompliziert: „Wir treffen einheitliche Aussagen gegenüber den Betrieben“, so Gravenstein weiter.“ Man gebe nur das weiter, was in der Corona-Schutzverordnung stehe und wie man das interpretiere.

Chefin Fatma Kasmann wird vorgeworfen, illegal Haare geschnitten zu haben.
Chefin Fatma Kasmann wird vorgeworfen, illegal Haare geschnitten zu haben. © Björn Althoff © Björn Althoff

Wer darf wem wo die Haare schneiden?

Unbedenklich sei es sicherlich, wenn ein Friseur zuhause dem Ehepartner oder anderen engen Familienmitgliedern die Haare schneide.

Und bei einem Freund? Mit einem Mitglied eines anderen Haushalts dürfe man sich ja treffen.

Ob es jetzt aber zulässig wäre, dass ein Friseur einem Freund im Laden die Haare schneiden würde, wenn es zuhause ginge? „Das steht so nicht in der Corona-Schutzverordnung“, unterstreicht Gravenstein, „dazu sagen wir deshalb nichts“.

Konkrete Regeln unterscheiden sich von Ort zu Ort

Stattdessen gebe es den Hinweis, sich mit konkreten Fragen direkt ans Ordnungsamt zu wenden, idealerweise vorher. Von Ort zu Ort könnten sich Interpretationen und lokale Verordnungen unterscheiden.

Juristisch bleibt am Ende die Frage: Was ist eine Dienstleistung und was eine Gefälligkeit? Dem Opa im Sommer den Rasen zu mähen, dürfte eindeutig eine Gefälligkeit sein. Etwas, das man privat für jemand anderen erledigt.

Kommt aber ein Landschaftsgärtner und macht das zwei Mal pro Monat, sieht die Sache anders aus. Für alle Fälle dazwischen beginnt das Interpretieren und juristische Einschätzen.

Fatma Kasmann jedenfalls wartet weiter auf den offiziellen Bescheid von der Stadt Dortmund. Sie wolle jetzt erst einmal auch genau lesen, was ihr vorgeworfen wird und was dort zum Bußgeld steht. Sie werde sicherlich mit einem befreundeten Anwalt draufschauen.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Jahrgang 1977 - wie Punkrock. Gebürtiger Sauerländer. Geborener Dortmunder. Unterm Strich also Westfale.
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Björn Althoff

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