Die Sandsteinpylone sind ein charakterisches Merkmal der Möllerbrücke. © Beushausen
Verkehr in Dortmund

Möllerbrücke vor Neugestaltung: Platz für Autos soll sich massiv verkleinern

Der Sonnenplatz und die Möllerbrücke sollen ein neues Erscheinungsbild bekommen. Das hat auch Folgen für den Verkehr: Die Verwaltung hat sich bereits Gedanken gemacht und erste Pläne entworfen.

Der Sonnenplatz im Dortmunder Kreuzviertel schreit nach einer Aufwertung: Tagsüber wenig belebt, wird der Platz mit seinem Trinkbrunnen und dem Sonnenmosaik abends zum Treffpunkt für Trinkgelage und die Party-Szene – genau wie die Möllerbrücke.

Die Anwohner beklagen sich seit Langem über Lärm und Müll. Erst in der Nacht zu Donnerstag (3.6.) löste die Polizei an der Möllerbrücke nach Randale- und Körperverletzungs-Vorfällen eine Party auf.

Die Anwohner haben auf Wunsch der Stadt eigene Vorschläge für das neue Gesicht des Sonnenplatzes gemacht, der künftig vom Radschnellweg Ruhr (RS1) flankiert werden soll. Die Brandbreite der Vorschläge ist naturgemäß groß: An erster Stelle steht der Wunsch nach mehr Grün, beispielsweise durch gemeinschaftliches Gärtnern wie sogenanntes Urban-Gardening.

Zudem möchten die Bürger mehr Sitzgelegenheiten – etwa mit Picknicktischen und Bänken. Außengastronomie und Food-Trucks, so eine Idee, könnten den Sonnenplatz zusätzlich beleben.

Ebenfalls auf der Ideenliste: ein regelmäßiger Markt mit regionalen und biologisch angebauten Produkten. Andere wiederum regen an, den Sonnenplatz mit Spiel- und Sportgeräten (u.a. Tischtennisplatten) auszustatten.

Zwölf Büros gehen in einen Gestaltungs-Wettbewerb

Welche Ideen sich am Ende durchsetzen? Das entscheidet sich in einem Planungswettbewerb, an dem nach Willen der Stadt insgesamt zwölf Büros teilnehmen sollen.

Dabei sollen die Vorschläge der Bürger in die Wettbewerbsergebnisse einfließen. Im Dezember 2021, so der Zeitplan, werden die Sieger ermittelt – und die Arbeiten der Büros im ersten Quartal 2022 öffentlich gemacht.

Die Bezirksvertreter der westlichen Innenstadt haben die Vorlage der Verwaltung in ihrer Sitzung am Mittwoch (2.6.) abgenickt. Dabei nahmen die Vor-Ort-Politiker zur Kenntnis, dass die Verwaltung im kommenden Wettbewerbsverfahren von den Büros auch schon mal Vorschläge zur Gestaltung der Möllerbrücke sehen möchte.

Das mit Ornamenten verzierte, schmieedeiserne Geländer der Möllerbrücke steht unter Denkmalschutz.
Das mit Ornamenten verzierte, schmieedeiserne Geländer der Möllerbrücke steht unter Denkmalschutz. © Beushausen © Beushausen

Der Knackpunkt dabei: Die Verwaltung hat für den künftigen Verkehrsfluss auf der rund 30 Meter langen Möllerbrücke eine Vorplanung erstellt, die sie den Büros als Leitplanken mit auf den Weg gibt. Die Bezirksvertreter ahnen, dass Diskussionen auf sie zukommen könnten.

Bezirksvertreter wollen Verkehrskonzept gesondert betrachten

Ihre klare Botschaft an die Planungsverwaltung: Man habe zwar die Vorlage beschlossen – nicht aber den Vorschlag der Stadtplaner für den künftigen Verkehrsfluss auf der Möllerbrücke.

Er gilt den Bezirksvertretern bislang eher als Ideensammlung. „Wir erwarten, dass uns die exakte Mobilitätsplanung gesondert vorgelegt wird“, heißt es.

Tatsächlich möchten die Stadtplaner im Zuge der Neugestaltung des Sonnenplatzes auch die Möllerbrücke aufwerten. 1903 als Eisenbahnbrücke errichtet und in den 1980er Jahren erneuert, ist sie abends im Sommer zur beliebten Feier- und Abhängzone für Jüngere geworden – mit den entsprechenden Hinterlassenschaften.

Auch die Sandsteinmauern prägen das Gesicht der Möllerbrücke.
Auch die Sandsteinmauern prägen das Gesicht der Möllerbrücke. © Beushausen © Beushausen

Der Begriff „möllern“ ist schon fast Kult – er taucht inzwischen sogar in städtischen Vorlagen auf. Ob die Möllerbrücke auch weiterhin als Partyraum taugt, lassen die Stadtplaner erstmal offen. Ihre Aufmerksamkeit gilt dem Verkehr.

Planer möchten Fahrspuren von fünf auf zwei verringern

Die insgesamt fünf Fahrspuren (inklusive Abbiegespuren) sollen auf je eine Fahrspur pro Richtung verringert werden. Sie soll je 3,25 Meter breit sein.

Damit würde für stadteinwärts Fahrende, die von der Lindemannstraße kommen, die separate Linksabbiegespur in die Rittershausstraße wegfallen. Gleichzeitig soll das Abbiegen aber weiter erlaubt sein, ohne ellenlange Staus zu produzieren.

Die Stadtplaner wollen nur noch eine durchgängige Fahrspur für beide Richtungen.
Die Stadtplaner wollen nur noch eine durchgängige Fahrspur für beide Richtungen. © Beushausen © Beushausen

Die Planer haben auch schon Vorstellungen, wie das funktionieren soll: Die Möllerbrücke soll inmitten des neuen Straßenquerschnitts ein „multifunktionales Band“ bekommen, „auf dem sich der linksabbiegende Verkehr im Kreuzungsbereich sehr gut aufstellen kann“, heißt es in der Vorlage.

Ein weiterer Vorteil sei, dass die Möllerbrücke durch das „Multifunktionsband“ eine besondere Gestaltung erhalte und ihre Besonderheit betone, schreibt die Verwaltung, ohne den Begriff im Einzelnen zu erläutern.

Für Radfahrer soll es auf beiden Seiten der Möllerbrücke drei Meter breite „Bordsteinradwege“ in jeweils zwei Fahrtrichtungen geben. Außerhalb der Möllerbrücke schließen sich Radfahrstreifen an. Die Bushaltestellen auf der Brücke sollen zu 18 Meter langen Buskaps umgebaut werden. Bei Buskaps reicht die Haltestelle bis an den Fahrbahnrand, teilweise noch etwas weiter in die Fahrbahn hinein.

Beim „Möllern“ gehen die Meinungen auseinander

Ob die Mittelinsel als Relikt aus der Straßenbahnzeit verbleibt, ist bis dato unklar. Oberstes Ziel der Stadtplaner ist es, den öffentlichen Raum für den Autoverkehr zu verkleinern – und umgekehrt Fußgängern und Radfahrern mehr Platz zu schaffen.

Das deckt sich mit den Erwartungen der Anwohner, die neben dem Sonnenplatz gleich auch zu Ideen für die Gestaltung der Möllerbrücke befragt wurden.

Die Mittelinsel auf der Möllerbrücke gilt vielen als überdimensioniert; sie könnte künftig kleiner ausfallen oder ganz verschwinden.
Die Mittelinsel auf der Möllerbrücke gilt vielen als überdimensioniert; sie könnte künftig kleiner ausfallen oder ganz verschwinden. © Beushausen © Beushausen

Sie schlagen breitere Gehwege und separate Radwege vor – und regen an, die Autos künftig einspurig fließen zu lassen. Und wie stehen die Anwohner zum „Möllern“? Da sind die Meinungen tief gespalten: Ein Teil der Bürger regt an, die Brücke als zentralen Treff im Viertel in einem bestimmten Rahmen auch weiterhin fürs „Möllern“ zu nutzen.

Andere sind strikt dagegen: Sie möchten, dass Polizei und Ordnungsamt stärker Flagge zeigen und ein striktes Alkohol- und Feierverbot verhängt wird.

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Jahrgang 1961, Dortmunder. Nach dem Jura-Studium an der Bochumer Ruhr-Uni fliegender Wechsel in den Journalismus. Berichtet seit mehr als 20 Jahren über das Geschehen in Dortmunds Politik, Verwaltung und Kommunalwirtschaft.
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