Jan Finzi vom VSE und die Frauenärztinnen Fatma Michels und Gisela Wittek-Schabronath wollen, dass auch junge Dortmunder, die von Wohnungslosigkeit bedroht sind, gegen Corona geimpft werden. © Lydia Heuser
Impfungen in der Nordstadt

Impfungen in der Nordstadt – Wenn junge Männer Angst vor Spritzen haben

Frauenärztinnen impfen als mobile Teams in Dortmund Menschen mit Johnson & Johnson. In der Nordstadt impften sie junge Dortmunder. Ein Besuch im provisorischen Impfzentrum.

Mehr als jeder dritte Dortmunder ist schon einmal gegen Corona geimpft. Durch mobile Impfteams kommen nun auch die Menschen an die Reihe, die in prekären Verhältnissen leben.

Gynäkologin Fatma Michels ist seit Donnerstag (13. Mai) mit Kolleginnen neben ihrer regulären Tätigkeit als niedergelassene Ärztin im Einsatz, um die Menschen gegen Corona zu schützen, die sonst vergessen werden würden.

Besuch im provisorischen Impfzentrum in der Nordstadt

Am Freitagmorgen (14. Mai) ist sie in der Nordstadt unterwegs. In einer ehemaligen Praxis, die eine Zeitlang vom Verbund sozialtherapeutischer Einrichtungen (VSE) für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge genutzt wurde, haben die Initiatoren ein provisorisches Impfzentrum eingerichtet.

Vier Ärztinnen, inklusive einer Notärztin, verimpfen das Vakzin von Johnson & Johnson, das die Stadt den mobilen Teams für solche Einsätze zur Verfügung stellt. „Der Vorteil des Impfstoffs ist, dass er nur einmal verimpft werden muss“, sagt Fatma Michels.

Am Freitag impfen die Ärztinnen vor allem junge Dortmunderinnen und Dortmunder, die zwischen 21 und 27 Jahre alt sind und durch den VSE betreut werden. „Die jungen Erwachsenen leben über das gesamte Stadtgebiet verteilt. Wir kümmern uns um sie, weil sie von Wohnungslosigkeit bedroht sind“, erklärt Jan Finzi vom VSE.

Die Chance, sich mit einer Impfung gegen Corona schützen zu können, sei auf „große Resonanz“ gestoßen, sagt Fatma Michels.

Angst vor der Spritze

Der 23-jährige Alexander Emrich hat jedoch eine andere Sorge. Er sagt: „Ich mag Spritzen nicht ganz so gerne.“ Trotzdem wollte er das Angebot nutzen. Jetzt, kurz nach der Impfung, steht er im Innenhof mit einer Handvoll weiterer Geimpfter. „Es hat ein bisschen weh getan“, gesteht er.

Daniel Kalus (20) spricht gar von einer „Spritzenphobie“, die er habe. „In den Muskel war es aber angenehmer als eine Nadel, die in die Vene geht.“ Er habe sich seinen Eltern zuliebe impfen lassen.

Der Respekt vor der Spritze, den die zwei jungen Männer beschreiben, beschäftigt auch die wartenden Impflinge im Gebäude. „Da müssen wir dann ein bisschen mehr Händchen halten“, sagt Fatma Michels.

Vor der Impfung führen die Ärztinnen mit jedem, der sich impfen lassen will, ein Aufklärungsgespräch, was viele schon beruhigt.

Caroline Ivekovic ist eine der Frauenärztinnen, die die jungen Erwachsenen über die Impfung aufklärt und mit ihnen bespricht, ob sie eventuell nicht geimpft werden sollten. „Ich hatte hier heute keine Impfausschlüsse. Man muss ein bisschen vorsichtig sein bei Impflingen, die schwerwiegende Allergien in der Vorgeschichte haben“, sagt sie.

Einen Fall dieser Art habe sie heute gehabt. „Den mussten wir dann einfach ein bisschen länger beobachten.“ Von einer Impfung ausgeschlossen, werden Impfwillige, die schon mal eine Thrombose hatten, sagt Fatma Michels.

Die Ärztinnen impften noch an anderen Stellen

Über 60 Menschen impfen die Ärztinnen an diesem Freitagvormittag. Tags darauf geht es ins wenige hundert Meter entfernte Wichernhaus.

Am Samstag (15. Mai) wurden 232 wohnungslose Dortmunder im Wichernhaus gegen Corona geimpft.
Am Samstag (15. Mai) wurden 232 wohnungslose Dortmunder im Wichernhaus gegen Corona geimpft. © Diakonisches Werk Dortmund und Lünen © Diakonisches Werk Dortmund und Lünen

Laut Pressestelle des Einrichtungsträgers, dem Diakonischen Werk Dortmund, wurden an dem Samstag (15. Mai) 232 wohnungslose Menschen geimpft. Am Donnerstag (13. Mai) impfte Fatma Michels mit ihren Kolleginnen 111 Frauen in der Frauenübernachtungsstelle in Hörde. Neben wohnungslosen Frauen kamen auch Frauen der Mitternachtsmission, des Frauenhauses und Klientinnen der EU-Anlaufstelle Willkommen Europa.

Über die Autorin
Volontärin
Geboren und aufgewachsen im Bergischen Land, fürs Studium ins Rheinland gezogen und schließlich das Ruhrgebiet lieben gelernt. Meine ersten journalistischen Schritte ging ich beim Remscheider General-Anzeiger als junge Studentin. Meine Wahlheimat Ruhrgebiet habe ich als freie Mitarbeiterin der WAZ schätzen gelernt. Das Ruhrgebiet erkunde ich am liebsten mit dem Rennrad oder als Reporterin.
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