Lukas Remane (31) ist einer von 2.591 Nordstadt-Bewohnern, die am Wochenende eine Impfung bekommen haben. © Robin Albers
Nach Sonder-Impfaktion

Impfaktion: 20 Minuten zu früh vor Ort – trotzdem fünf Stunden warten

Über 2500 Menschen wurden bei einer Sonder-Impfaktion in der Nordstadt geimpft - das sind rund fünf Prozent des ganzen Stadtteils. Wie wurde die Aktion im Viertel wahrgenommen? Eine Spurensuche.

Bei einer Sonder-Impfaktion für Anwohner der Dortmunder Nordstadt am vergangenen Wochenende (4. bis 6. Juni) wurden 2.591 Menschen geimpft. Bei knapp 50.000 gemeldeten Einwohnern sind das allein durch die Impfaktion rund 5 Prozent.

Beobachter berichteten nach dem Wochenende, überproportional viele Studenten seien da gewesen. Kann das sein? Wie wurde die Aktion im Viertel wahrgenommen? Eine Spurensuche.

„Ich bin dagegen!“

Dienstagvormittag, 8. Juni, 11 Uhr: Im Keuningpark treffen wir auf eine junge Frau, ungefähr Anfang 20, die mit Kaffee und Zigarette auf einer Bank sitzt. Sie hat von der Impf-Aktion gehört, sich aber nicht impfen lassen. Warum? Das möchte sie nicht näher erläutern.

Ein etwa 30 Jahre alter Mann, der vor einem Kiosk an der Schützenstraße auf einem Stuhl Platz genommen hat, erklärt uns: „Ich habe von der Aktion gehört, da war ja auch ordentlich etwas los – aber ich habe mich nicht impfen lassen. Ich bin dagegen!“

Er habe bei der Freigabe der Impfstoffe „kein gutes Gefühl“, das sei seiner Meinung nach zu früh geschehen, erzählt er uns, bevor er von einem plötzlich auftauchendem Auto eingesammelt wird.

Ein paar Meter weiter sprechen wir mit zwei weiteren Männern, beide Anfang 50. Ihre Namen wollen uns beide nicht mitteilen. Sie haben sich am Wochenende sehr darüber gewundert, wieso so viele junge Leute in einer Schlange an der Münsterstraße standen. Dass es sich dabei um eine Impfaktion gehandelt habe, erfahren sie von unserem Reporter erst im Gespräch.

„Schade, ich hätte mich gerne impfen lassen, denn einen Termin habe ich bis jetzt noch nirgendwo bekommen können“, erzählt uns einer der Männer. Er stehe „seit Ewigkeiten“ auf einer Warteliste bei seiner Ärztin.

Am Wochenende sammelten sich Hunderte Menschen wegen einer Impf-Aktion in der Nordstadt. © Oliver Schaper © Oliver Schaper

Viele der Nordstadt-Bewohnerinnen und -Bewohner, mit denen wir sprechen, haben nichts von der Impfaktion mitbekommen. Zahlreichen anderen war sie wohl bekannt – aber sie haben sich nicht impfen lassen.

Nur „Studis und Sozialarbeiter“?

Ein Anwohner des Hafenviertels glaubt, dass es womöglich schwierig sei, bei unserem Rundgang am Dienstagvormittag überhaupt Geimpfte in der Nordstadt zu finden, da die vermutlich gerade alle arbeiten würden. Seine Beobachtung: Es hätten sich hauptsächlich „Studis und Sozialarbeiter“ impfen lassen. Also in etwa das, was wir auch schon aus anderer Quelle gehört hatten.

Die Dortmunder Sozialdezernentin und Corona-Krisenstabsleiterin Birgit Zoerner bestätigt diese Beobachtung bei einer Pressekonferenz des Verwaltungsvorstandes am Dienstag zumindest zum Teil: Vor allem am Freitag seien es überwiegend „Studis“ gewesen.

Sie und der Oberbürgermeister Thomas Westphal hätten sich am Samstag (5. Juni) selbst ein Bild von der Impfaktion gemacht. Im Sozialen Zentrum seien sie laut Zoerner auf ein „schönes Sprachengewirr“ gestoßen, so bunt gemischt seien die Impfwilligen gewesen.

„Insgesamt haben wir in der Nordstadt auch viele von den Menschen erreichen können, die wir erreichen wollten“, so Zoerner. Der Fokus habe auf Menschen gelegen, die bei den Impfungen eher durchs Raster fallen.

20 Minuten zu früh, trotzdem fünf Stunden warten

Bei der Suche nach Nordstadt-Geimpften wird unser Reporter am Dienstagvormittag aber doch noch fündig: An der Mallinckrodtstraße treffen wir auf Lukas Remane (31).

Von Freunden und durch die Berichterstattung unserer Redaktion habe er von der Möglichkeit gehört, sich als Anwohner mit dem Impfstoff von „Johnson & Johnson“ impfen zu lassen. Er hatte sich am Freitagmorgen (4. Juni) bereits um 7.40 Uhr in die Schlange gestellt, 20 Minuten zu früh, die Impfaktion begann erst um 8 Uhr. Jedoch sei er dann schon „Nummer 260“ gewesen.

„Fünf Stunden musste ich warten, gegen 13 Uhr habe ich dann die Impfung bekommen“, erzählt Remane. „Alles easy“ – die Wartezeit sei kein Problem gewesen, da gutes Wetter gewesen sei. Nebenwirkungen habe er keine, er sei nur ein wenig verschnupft – was aber laut Remane auch an einem Kneipenbesuch am Wochenende gelegen haben könne.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
1990 im Emsland geboren und dort aufgewachsen. Zum Studium nach Dortmund gezogen. Seit 2019 bei den Ruhr Nachrichten. Findet gerade in Zeiten von Fake News intensiv recherchierten Journalismus wichtig. Schreibt am liebsten über Soziales, Politik, Musik, Menschen und ihre Geschichten.
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