Obwohl er in Coronazeiten so manchen Rückschlag hinnehmen musste, gibt sich Dirk Geisler optimistisch. © Michael Schuh
Corona

Gastronomie im Endlos-Lockdown: „Ich kann das nachvollziehen“, sagt der Wirt

Dirk Geisler, Wirt des „Sissikingkong“, steckte viel Arbeit in den neuen Standort im Kreuzviertel. Nur neun Tage hatte er offen - dann kam der Lockdown. Aber Geisler bleibt optimistisch.

Nein, zu jenen, die angesichts der Coronakrise in erster Linie meckern, gehört Dirk Geisler nun wahrlich nicht. Und dabei hätte er gute Gründe dafür.

Am 23. Oktober 2020 eröffnete der Wirt nach umfangreichen Renovierungsarbeiten das neue „Sissikingkong“ an der Essener Straße im Kreuzviertel. Ganze neun Tage später wurde das Lokal wieder geschlossen – und blieb es bis heute.

Verständnis für Schließung

„Ich kann das nachvollziehen“, sagt der Mann, der 20 Jahre lang die erste Version des Sissikingkong an der Landwehrstraße betrieb, über den momentanen Lockdown. „Und ich vertraue denen, die die Entscheidungen treffen. Denn sie würden die Restaurants ja nicht schließen, wenn es nicht nötig wäre.“

Eine feste Größe im Kreuzviertel: Das Backsteingebäude an der Essener Straße beheimatet seit vielen Jahren eine Gaststätte. © Michael Schuh © Michael Schuh

Man könnte es wohl nachvollziehen, wenn Geisler etwas weniger versöhnliche Worte über die derzeitige Situation der Gastronomie wählen würde. Denn obwohl er jede Menge Engagement, Arbeit und Geld in das Restaurant gesteckt hat, zahlt sich das bislang kaum aus. Corona macht‘s möglich.

Neuauflage im Kreuzviertel

Nachdem der Wirt den Vertrag für das Kult-Lokal Sissikingkong in der Nordstadt Ende 2019 gekündigt hatte, stand im Frühjahr fest, dass es im Kreuzviertel eine Neuauflage geben würde. In den Räumen des Kreuzhofes, einer über Jahrzehnte eher bodenständigen Kneipe, sollte etwas Besonderes entstehen: Restaurant und Bar im stylischen Ambiente; sämtliche Gerichte hausgemacht.

Also baute der erfahrene Wirt den ganzen Sommer über um, ersetzte Eiche rustikal durch Designer-Möbel – und schien damit den Geschmack des Publikums getroffen zu haben. „Im Oktober war es voll bei uns“, sagt Geisler, „die Leute wollten alle noch mal vor die Tür und bei uns reinschauen.“

Lukratives Wintergeschäft lockte

Der Ortswechsel schien sich gelohnt zu haben, zumal das lukrative Wintergeschäft vor der Tür stand. Doch daraus wurde nichts: Nach nur neun Tagen musste das Sissikingkong wie alle anderen Gastronomiebetriebe wieder dicht machen. Und eine Wiedereröffnung ist nicht in Sicht.

Kegelbahnen bislang ungenutzt

Die beiden Kegelbahnen, die seit jeher zu dem Lokal gehören, durften bislang übrigens nicht ein einziges Mal benutzt werden – das verbot die Corona-Schutzverordnung schon im Oktober. Umso ärgerlicher, denn die Nachfrage sei groß gewesen, erläutert der Wirt: „Die alten Vereine wollten ebenso kegeln wie viele junge Leute. Wir wären bis Dezember ausgebucht gewesen.“

Aus der klassischen Gaststätte Kreuzhof wurde das deutlich stylischere „Sissikingkong“. Nur darf Wirt Dirk Geisler dort seit Anfang November 2020 keine Gäste mehr begrüßen.
Aus der klassischen Gaststätte Kreuzhof wurde das deutlich stylischere „Sissikingkong“. Nur darf Wirt Dirk Geisler dort seit Anfang November 2020 keine Gäste mehr begrüßen. © Michael Schuh © Michael Schuh

Doch Geisler ist niemand, der den Kopf in den Sand steckt. Gemeinsam mit seinem Koch probiert er seit der Schließung in der Küche neue Gerichte aus und bietet von Donnerstag bis Sonntag einen Fensterverkauf an. Eine komplette Öffnung könne das aber keineswegs ersetzen: „Das ist eigentlich in erster Linie Werbung. Außerdem hat unser Koch so zumindest eine halbe Stelle.“

Mit E-Bikes spazieren fahren

Auch über einen eigenen Lieferservice hat sich Geisler schon Gedanken gemacht, diese Idee zunächst aber wieder verworfen. „Denn dann müsste ich zwei E-Bikes kaufen und extra Leute dafür einstellen“, sagt er. Eine Investition, die sich kaum lohnen dürfte, wenn die Restaurants in absehbarer Zeit doch wieder öffnen sollten: „Dann könnte ich mit den E-Bikes spazieren fahren.“

Überhaupt wirft die Ungewissheit in dieser Phase viele Fragen auf. Lohnt es sich, weitere Alternativen zum herkömmlichen Geschäft anzubieten? Findet man nach einer plötzlichen Wiedereröffnung innerhalb kurzer Zeit ausreichend Personal? Muss die finanzielle Unterstützung, die Wirte erhalten haben, komplett zurückgezahlt werden?

Viele Fragen bleiben offen

Dirk Geisler zuckt die Schultern. Wie viele Gastronomen kann auch er diese Fragen nicht beantworten. Doch trotz aller Widrigkeiten ist er Optimist geblieben: „Ich gehe davon aus, dass wir Ostern wieder öffnen können.“ Einen erfahrenen Wirt kann so schnell nichts erschüttern.

Viel Solidarität erfahren

  • Trotz der schwierigen Lage hat Dirk Geisler am neuen Standort auch viele positive Erfahrungen gemacht. „Unser Vermieter, die Heilig-Kreuz-Gemeinde, hat uns sehr geholfen. Die Menschen waren unheimlich nett.“
  • Zudem hätten Institutionen wie der Dortmunder Kunstverein und DORTMUNDahoi das Sissikingkong und andere gastronomische Betriebe mit solidarischen Aktionen unterstützt.
  • Wenn Restaurants und Kneipen wieder öffnen dürfen, bietet das Sissikingkong 70 Gästen Platz – die Kegelbahnen nicht eingeschlossen. Zudem werden bei gutem Wetter auch im Außenbereich Tische aufgestellt.
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