Auf den Tischen des El Mundo im Kreuzviertel ist so etwas wie eine Tauschbörse für Bücher entstanden. © Nick Kaspers
Bücher zum Mitnehmen

Dortmunds Corona-Trödel im Kreuzviertel läuft von ganz allein

Im Außenbereich des El Mundo ist eine Art Tauschbörse für Bücher und Trödel entstanden. Das kommt im Kreuzviertel an mehreren Stellen vor. Manche Anwohner reagieren skeptisch.

Alle Lichter sind aus, die Rollläden sind heruntergelassen, und trotzdem gibt es etwas, das Passanten anzieht: Vor dem Café El Mundo im Neuen Graben ist eine Art Straßentrödel entstanden. Unter einem großen aufgespannten Schirm liegen allerhand Bücher zum Tauschen und Mitnehmen, obwohl das Café geschlossen ist.

Die sonst so belebte Gastro-Meile Neuer Graben wirkt wie ausgestorben. Alle Restaurants und Kneipen sind geschlossen. Vor manchen Gastro-Betrieben stehen noch die Tische und Stühle, als würden sie nur darauf warten, dass sich Passanten hinsetzen und etwas bestellen – so auch vor dem El Mundo.

Unter einem großen aufgespannten Schirm sind die Bücher vor dem El Mundo wettergeschützt
Unter einem großen aufgespannten Schirm sind die Bücher vor dem El Mundo wettergeschützt. © Nick Kaspers © Nick Kaspers

Straßentrödel sei ganz zufällig entstanden

Anstatt Kunden füllen dort jedoch Bücher und anderer Trödel die Tische. Christian Wolf, der Hausbesitzer und ehemalige Betreiber des El Mundo, sagt gegenüber unserer Redaktion, der Straßentrödel sei zufällig entstanden: „Angefangen hat das Ganze damit, dass der Pächter den Keller ausgemistet und alles draußen hingestellt hat.“

„Das ging weg wie warme Semmel“, meint Wolf. Seit etwa zwei Wochen würden vor der Tür fast nur noch Bücher liegen. Wer die dort hingelegt und die Aktion initiiert hat, weiß er nicht.

Passanten würden selbst auf Abstand achten

„Das Tauschgeschäft ist ein Selbstläufer“, sagt Christian Wolf. Viele Dortmunder würden daran vorbeigehen, stehenbleiben und einmal durchstöbern. Einen Organisator, der aufpasst, dass Abstände eingehalten werden, benötige der Mini-Trödel nicht: „Die Passanten achten da selbst sehr gut drauf“, so Wolf.

Der Außenbereich des El Mundo ist nicht der erste und einzige Ort im Kreuzviertel, an dem eine solche Tauschbörse entstanden ist. „Der erste war unten am Althoffblock, da steht schon seit Jahren Trödel unter dem Torbogen“, so Wolf. Während des Lockdowns seien die Mini-Märkte in Vorgärten und Einfahrten häufiger aufgetreten.

Nicht jeder mag die Trödel-Bereiche

„Mit diesen Straßentrödeln muss man ein bisschen aufpassen“, sagt Martin Schneider unserem Reporter vor Ort. Er wohnt in der angrenzenden Liebigstraße und hat nicht nur gute Erfahrung mit den Mini-Tauschbörsen gemacht.

„Die fangen immer so nett an, aber irgendwann stellen die Leute auch ihren Müll dort ab, und dann kann man es selber wegräumen“, so Schneider. Vor seiner Haustür habe sich auch schon mal ein spontaner Trödel gebildet. Letzten Endes musste er aber zwei Mal Sperrmüll selbst wegfahren, weil auch Abfall abgelegt worden sei.

Schneider meint, das könne auch dem Wirt des El Mundo passieren: „Bald kann der bestimmt alles selber wegschleppen, wenn da auch noch mehr als nur Bücher liegt.“ Hausbesitzer Wolf sagt jedoch: „Solange das kein Müll, sondern nur ein reger Austausch ist, habe ich da natürlich nichts gegen.“

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
2000 in Heinsberg geboren, seit 2020 als freier Mitarbeiter bei den Ruhr Nachrichten. Ich studiere Journalistik und Politikwissenschaft in Dortmund. Mit 16 Jahren habe ich meine ersten Erfahrungen im Lokaljournalismus gemacht - und dort fühle ich mich zuhause.
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Nick Kaspers

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