Gerlind Domnick erläutert die Vorgehensweise des Geschichten-Telefons: Bevor die Anrufer den Erzählungen lauschen können, sprechen Helfer des Nachbarschaftstreffs die Geschichten auf einen Anrufbeantworter. © Michael Schuh
Althoffblock

Corona-Langeweile: Nachbarn helfen einsamen Dortmundern mit besonderer Idee

Der Nachbarschaftstreff im Althoffblock in der Dortmunder Innenstadt möchte mit einer speziellen Idee die Corona-Langeweile vertreiben. Doch zunächst musste dafür eine Hürde überwunden werden.

Der Nachbarschaftstreff im Althoffblock steht für gegenseitige Hilfe, Unterstützung und ein nachbarschaftliches Miteinander, doch Corona zeigt auch dem Kooperationsprojekt des Caritasverbands und des Spar- und Bauvereins Dortmund momentan die Grenzen auf.

Aber die Treff-Mitarbeiter lassen sich nicht kleinkriegen und entwickeln im Lockdown ganz spezielle Ideen – zum Beispiel das Geschichten-Telefon.

Malen, Kino oder Doppelkopf

Ausstellungen, Kinonachmittage, Malen oder Doppelkopf – die Angebotspalette des Nachbarschaftstreffs ist in Nicht-Pandemie-Zeiten ungemein bunt. „Wir haben 35 ehrenamtliche Gruppenangebote“, sagt die pädagogische Leiterin der Einrichtung, Gerlind Domnick, „von der Krabbelgruppe bis zum Erzählcafé für Senioren.“

Da die Corona-Bestimmungen derzeit aber fast all diesen Projekten einen Riegel vorschieben, hielt das Team um Domnick nach Alternativen Ausschau, um den Menschen in den rund 2000 Wohnungen des Althoff-Blocks zumindest ein bisschen Unterhaltung in den für viele trüben Zeiten zu bieten.

Und die Verantwortlichen wurden fündig: Einerseits bietet der Nachbarschaftstreff nun Telefonpatenschaften und Einkaufshilfen besonders für ältere Menschen an, andererseits wurde mit dem Geschichten-Telefon eine doch eher ungewöhnliche Aktion ins Leben gerufen.

„Auf dieses Projekt sind wir bei einer Kirchengemeinde in Marl aufmerksam geworden“, erläutert Domnick, „zu der wir Kontakt aufgenommen haben.“ Und schnell habe sich herausgestellt, dass sich das Geschichten-Telefon auch für den Althoff-Block anbiete: „Denn das ist eine Möglichkeit, die Nachbarn zusammenzubringen, ohne dass sie sich dabei begegnen.“

Vier Ehrenamtliche lesen vor

Der Ablauf ist eigentlich ganz einfach: Jeden Freitag spricht einer von vier Ehrenamtlichen statt der üblichen Ansage „Bitte hinterlassen Sie eine Nachricht …“ eine etwa fünfminütige Kurzgeschichte auf den Anrufbeantworter im Nachbarschaftstreff an der Steubenstraße.

Seit dem Jahr 2000 ist der Nachbarschaftstreff an der Ecke Steubenstraße/Neuer Graben eine Anlaufstelle für die Bewohner des Althoffblocks. © Michael Schuh © Michael Schuh

Interessierte aus ganz Dortmund können dann unter der eigens eingerichteten Telefonnummer 0231/5330878 anrufen und der Erzählung lauschen. Fast wie bei der klassischen Gute-Nacht-Geschichte – nur eben moderner und auf Distanz.

Erlaubnis des Verlags eingeholt

Eine kleine Hürde habe es anfangs aber doch gegeben, sagt die pädagogische Leiterin: „Wir mussten uns die Erlaubnis des Boje Verlags einholen, damit wir die Geschichten vorlesen dürfen.“ Der Verlag hatte aber nichts dagegen, sodass in den ersten beiden Wochen die Kurzgeschichten „Der letzte Umzugskarton“ und „Der kleine weiße Elefant“ zu hören waren.

Seit Freitag, 5. März, soll nun „Der Koffer der Königin“ vom Schriftsteller Wolfram Hänel ein wenig Farbe in den momentan bei vielen Menschen doch etwas grauen Alltag bringen.

Obwohl die Geschichten für Zuhörer aller Altersklassen gedacht sind, geht Domnick davon aus, dass vor allem eine spezielle Klientel das Angebot nutzt: „Wir kennen das Alter der Anrufer zwar nicht, aber ich glaube, es sind in erster Linie ältere Menschen.“ Menschen, die einfach etwas Abwechslung suchen.

Neben den Vorlesern beschäftigt das Geschichten-Telefon übrigens noch ein weiteres Team des Nachbarschaftstreffs: die Schreibgruppe der Einrichtung. „Wir wünschen uns, dass demnächst selbstgeschriebene Geschichten vorgelesen werden – von Nachbarn für Nachbarn“, sagt Gerlind Domnick. „Und das läuft langsam an.“ Dann muss auch kein Verlag mehr um Erlaubnis gefragt werden.

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