Der letzte Irish Pub in Dortmund im Kreuzviertel schließt für immer. © Bastian Pietsch
Corona-Pandemie

Beliebte Kreuzviertel-Kneipe muss schließen – trotz Rettungsversuchen

Wer spät abends im Kreuzviertel ein Bier trinken wollte, konnte hier eines bekommen. Die nächste Dortmunder Kneipe muss schließen - der Corona-Lockdown ist nicht der alleinige Grund.

„Es ist nun soweit! Wir sind sprachlos und sagen danke“ – so heißt es einem Facebook-Post. Der beliebte Irish Pub Church im Kreuzviertel kündigt hier seine Schließung an.

Unter dem Beitrag sammeln sich in wenigen Minuten zahlreiche Kommentare des Bedauerns und der Fassungslosigkeit. Das entspricht in etwa der Nachrichtenaktivität auf dem Smartphone von Church-Mitbetreiber Bernd Welk.

Betreiber des letzten Irish Pub in Dortmund: „Der Traum ist aus“

„Viele sagen, dass es ihnen leid tut. Aber wir mussten die Entscheidung jetzt fällen, es ist nicht mehr aufzufangen“, sagt Bernd Welk im Gespräch mit dieser Redaktion. „Der Traum ist aus.“

„Der Traum“ war mehr als zehn Jahre lang die kleine Kneipe an der Straße Neuer Graben mitten im Dortmunder Kreuzviertel. Das „Church“ wäre ins elfte Jahr seines Bestehens gegangen.

Es war zum letzten verbliebenen Irish Pub in Dortmund aufgestiegen und hatte nicht nur dadurch eine sehr treue Fangemeinde. Diese enttäuschen zu müssen bedauert Bernd Welk nach eigener Aussage.

Es gibt keine Perspektive, wann es weitergeht

Doch, weil es aktuell keine Perspektive für eine mögliche Wiedereröffnung gibt, sieht er sich gezwungen, die Reißleine zu ziehen. Auf die staatliche Unterstützung angesprochen, die von der Bundesregierung für Gastronomen vorgesehen ist, lacht Welk nur ein bitteres Lachen.

„Das ist doch alles für die Katz. Es ist nicht angekommen und hat nicht gereicht“, sagt er über die Soforthilfen. „Das hat unsere Regierung verschlafen.“ Damit äußert er Kritik, die in ähnlicher Weise seit Monaten immer wieder von Gastronomen zu hören ist.

Im Falle des „Church“ ist die Corona-Krise allerdings nicht der alleine Auslöser für das Ende.

Der Anfang vom Ende war ein Brand im Sommer 2019

Im Juli 2019 war in der Kneipe ein Feuer ausgebrochen. Eine lange, kostenintensive Umbauphase schloss sich an. Finanziert wurde der Wiederaufbau auch durch Spenden, zu denen eine Angestellte aufgerufen hatte.

Als Bernd Welk den Irish Pub wieder eröffnen wollte, kam die Corona-Pandemie. Erst im Juni standen deshalb wieder frisch gezapfte Getränke auf dem Tresen des „Church“. Doch das Wiedersehen war nur von kurzer Dauer.

Anfang November mussten alle Kneipen und Restaurants wegen steigender Corona-Infektionszahlen flächendeckend schließen. Wann sie wieder Gäste empfangen können, steht angesichts weitere möglicher Verschärfungen derzeit in den Sternen.

Das Jahr 2021 hatte Welk auf der Facebook-Seite des „Church“ noch mit Heiterkeit begrüßt. Er teilte an Neujahr den scherzhaften Spruch: „Liebe Politiker, kippt den Impfstoff ins Bier und öffnet die Kneipen, dann ist Deutschland in acht Tagen durchgeimpft“.

Nicht einmal drei Wochen später ist der Humor verflogen. Ein weiterer Name verschwindet von der Dortmunder Kneipen-Landkarte.

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Redaktion Dortmund
Seit 2010 Redakteur in Dortmund, davor im Sport- und Nachrichtengeschäft im gesamten Ruhrgebiet aktiv, Studienabschluss an der Ruhr-Universität Bochum. Ohne Ressortgrenzen immer auf der Suche nach den großen und kleinen Dingen, die Dortmund zu der Stadt machen, die sie ist.
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Felix Guth

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