Der Ring zum Anleinen der mitgebrachten Pferde und Ameisenbären hängt noch am Laden. Die Fenster sind allerdings zugeklebt. © Björn Althoff
Corona-Folge

Aus für Laden im Kreuzviertel: „Dabei hätte das Konzept funktioniert“

Ein bunter, kreativer Laden im Dortmunder Kreuzviertel muss schließen. Corona lässt den Betreibern keine andere Wahl mehr. Einer der Chefs kann dem Ganzen trotzdem etwas Positives abgewinnen.

Sie hatten gehofft bis zuletzt. Durch den ersten Corona-Lockdown waren sie noch irgendwie gekommen. Im Sommer und Herbst 2020 hatten sie ihr Konzept ein bisschen abwandeln müssen, aber Kreativität – die gehörte ja ohnehin zur Geschichte ihres Ladens im Dortmunder Kreuzviertel.

Jetzt aber, im Winter, im zweiten Lockdown mit ungewissem Ende, ist Schluss. „Wir haben uns das lange durch den Kopf gehen lassen“, sagt Axel Schlünder vom Kreativcafé „Mirelda & Herr Bratskartoffel“.

Wie wäre es weiter gelaufen im Sommer und Herbst?

Das Problem, dass er und seine Frau Apolline Johr-Schlünder sahen: „Wenn es gut gelaufen wäre 2021, hätten wir vielleicht fünf Monate öffnen können. Und dann ist die Frage: Läuft es wieder so gut an, wie wird dann der nächste Herbst?“

Axel Schlünder ist sich sicher: „Das Konzept hätte gut funktioniert.“ Die Google-Bewertung für „Mirelda & Herr Bratskartoffel“ könnte nicht besser sein: 5 von 5 Sternen, wenn auch nur bei elf Meinungen.

Was kann ich basteln? Apolline Johr-Schlünder und Axel Schlünder haben gleich 7 Antworten. Die beiden betreiben im Dortmunder Kreuzviertel das Kreativcafé
Was kann ich basteln? Apolline Johr-Schlünder und Axel Schlünder haben gleich 7 Antworten. Die beiden betreiben im Dortmunder Kreuzviertel das Kreativcafé „Mirelda & Herr Bratskartoffel“. © Björn Althoff © Björn Althoff

Viel mehr konnten es auch nicht werden. Erst im Frühjahr 2020 hatte das Ehepaar Schlünder ihr Kreativcafé an der Schillingstraße eröffnet, da schon mit leichter Corona-Verschiebung.

Basteln, malen, schnitzen bei Kaffee und Kuchen

Das Konzept: Große und kleine Menschen können zum Basteln und Kreativsein kommen, bekommen leckeren Kaffee und Kuchen im bunten Ambiente, zwischen Kisten mit allerlei Verbastelbarem vom Knopf über den Pfeifenputzer bis zur Holzperle.

Kindergeburtstage? Immer gerne, immer her. Das zumindest war der Plan vor Corona. Und die Rückmeldung, die Axel Schlünder von Eltern bekam, war positiv. Von vielen habe er gehört: „Ich muss nicht putzen und ich hab nicht die ganze Bude voller Kinder.“

Doch viele Kinder und Eltern, zusammen in einem Raum, an einem Tisch, dieser lautbunte Geburtstagstrubel eben? Schlünder weiß, dass das so ziemlich das Letzte ist, das man bei Corona-Lockerungen wieder zulassen kann. Was ja auch richtig sei.

Lösung für den Lockdown: Kreativtüten zum Abholen

Kuchen zum Abholen, Coffee to go? Mit etwas Ähnlichem versuchten sich auch „Mirelda & Herr Bratskartoffel“ über Wasser zu halten, nachdem ab November alles wieder schließen musste: Man konnte „Kreativtüten“ bestellen und abolen, dann zuhause nach Anleitung basteln.

Doch der Spaß war nicht derselbe.

Vertrag läuft bis Ende 2021

Also die Reißleine, der Laden ist dicht, der Mietvertrag gekündigt, auch wenn er noch weiterläuft bis zum Jahresende, auch wenn bis dahin noch weiter Miete gezahlt werden muss.

Doch Schlünder gewinnt auch diesem Aspekt noch etwas Positives ab: In der Gastronomie würden viele Pachtverträge sogar eine Laufzeit von fünf oder zehn Jahren haben. Dagegen sei das doch noch kurzfristig.

Ein paar Flyer sind noch zu haben neben der Eingangstür. Das Kreativcafé hat allerdings dauerhaft geschlossen.
Ein paar Flyer sind noch zu haben neben der Eingangstür. Das Kreativcafé hat allerdings dauerhaft geschlossen. © Björn Althoff © Björn Althoff

Suche nach einem Nachmieter

Die leichte Hoffnung: Vielleicht lasse sich ja schon vor Ende 2021 ein Nachmieter finden für die Geschäftsräume neben der Peter-Vischer-Grundschule, in denen im vergangenen Jahrzehnt unter anderem eine Pizzeria, ein veganes Café und ein Handwerker-Laden waren.

Wie es nun weitergeht für Apolline und Axel Schlünder? Ideen haben sie weiterhin. „Wir lagern erst einmal alles ein.“

Lastenfahrrad? Bauwagen? Mehrere Ideen

Vielleicht gehe es später an anderer Stelle weiter. Oder auch mobil, wie genau, müsse man noch überlegen: „Entweder ganz klein gedacht mit einem Lastenfahrrad, mit dem wir vorbeikommen, oder ganz groß mit einem Bastelmobil, vielleicht einem Bauwagen, vielleicht auch mit einem festen Standort.“

„Wir haben beide noch einen festen Job. Außerdem sind wir vom Konzept überzeugt. Deshalb sacken wir nicht in uns zusammen.“

Online weiter erreichbar

Und was steckt eigentlich hinter dem Namen?

  • „Facebook und unsere anderen Kanäle werden wir weiterhin ein bisschen füttern“, unterstreicht Axel Schlünder.
  • Über die Internet-Seite, Facebook und Instagram sei man auch für Kontaktanfragen offen, falls jemand Nachmieter werden wolle.
  • Der Name des Cafés geht zurück auf das Kinderbuch, das Axel und Apolline Schlünder geschrieben haben. Die Hauptfiguren sind das Rotkehlchen Mirelda und der Ameisenbär Herr Bratskartoffel.
Über den Autor
Redaktion Dortmund
Jahrgang 1977 - wie Punkrock. Gebürtiger Sauerländer. Geborener Dortmunder. Unterm Strich also Westfale.
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Björn Althoff

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