„Bäume statt Beton“ wünschen sich die Nachbarn der Kreuz-Grundschule. Durch den von der Stadt geplanten Schulneubau auf dem Schulhof würde alter Baumbestand vernichtet. © Oliver Volmerich
Schulzentrum Kreuzstraße

„Aus der Zeit gefallen“: Kreuzviertel-Anwohner kritisieren Schulbau-Pläne

Das Schulzentrum an der Kreuzstraße soll ausgebaut werden. Doch die Pläne der Stadt sorgen bei Anwohnern für Unmut. Sie fühlen sich übergangen und fürchten um Natur und Ruhe.

Aus den Gärten der Reihenhäuser an der Blankensteiner Straße geht der Blick ins Grüne – auf schöne alte Bäume auf dem Schulhof der Kreuz-Grundschule. Doch damit könnte es bald vorbei sein. Denn die Stadt Dortmund will das Schulzentrum an der Kreuzstraße bis 2026 für gut 50 Millionen Euro ausbauen, die bestehenden Schulen erweitern oder sogar neu bauen.

Das Problem ist: Das Schulzentrum am Rande des Kreuzviertels liegt mitten in einem Wohngebiet. Und deren Anwohner fühlen sich in den Planungen schlicht übergangen. In einem Brief an Oberbürgermeister Thomas Westphal mit knapp 70 Unterschriften haben sie jetzt ihrem Unmut Luft gemacht.

Grundschule soll Neubau bekommen

Dass es Erneuerungs- und Ergänzungsbedarf für die Schulen an der Kreuzstraße gibt, bestreiten die Anwohner nicht. Ihnen geht es vor allem um Art und Umfang der neu geplanten Bebauung auf dem Areal, das wie eine Insel inmitten des Wohnquartiers liegt.

Besonders betroffen sind Anwohner an der Blankensteiner Straße und an der Metzerstraße im Norden des Schulzentrums. Sie stört vor allem der geplante Neubau für die Kreuz-Grundschule.

Die Stadt will das 105 Jahre alte Schulgebäude an der Kreuzstraße aufgeben und durch einen dreigeschossigen Neubau in der Nordwest-Ecke des Schulhofs ersetzen. „Der würde direkt an die Gärten der Wohnhäuser an der Blankensteiner Straße und Metzerstraße grenzen“, erklärt Anwohner Hans-Peter Zehnter.

Im Vorentwurf ist zu erkennen, wie nahe die grau markierten geplanten Neubauten der Kreuz-Grundschule (oben rechts) und der Nachbarschulen sowie eine dritte Sporthalle (türkis) den Wohnhäusern an der Blankensteiner Straße und Metzerstraße (oben) kommen.
Im Vorentwurf ist zu erkennen, wie nahe die grau markierten geplanten Neubauten der Kreuz-Grundschule (oben rechts) und der Nachbarschulen sowie eine dritte Sporthalle (türkis) den Wohnhäusern an der Blankensteiner Straße und Metzerstraße (oben) kommen. © Stadt Dortmund/ Entwurf Büro Echtermeyer-Fietz © Stadt Dortmund/ Entwurf Büro Echtermeyer-Fietz

„Die Gebäudekomplexe nehmen der Anwohnerschaft in südlicher, östlicher und westlicher Himmelsrichtung jedes Sonnenlicht und jede Privatsphäre. Eines der bisher schönsten Wohnquartiere im Kreuzviertel würde damit nachhaltig qualitativ zerstört“, heißt es in dem Protestbrief der Anwohner.

Nicht zuletzt ginge ein wichtiges Stück Natur verloren, wie Anwohnerin Elisabeth Richter anmerkt. Denn auf dem Schulhof, der jetzt zu einem Teil bebaut werden soll, stehen mächtige alte Bäume.

Der geplante Neubau der Grundschule auf dem hinteren Teil des Schulhofs würde unmittelbar an die Wohnhäuser an der Blankensteiner Straße angrenzen. Zahlreiche alte Bäume müssten weichen.
Der geplante Neubau der Grundschule auf dem hinteren Teil des Schulhofs würde unmittelbar an die Wohnhäuser an der Blankensteiner Straße angrenzen. Zahlreiche alte Bäume müssten weichen. © Oliver Volmerich © Oliver Volmerich

„Die geplanten Baumaßnahmen führen zur unwiederbringlichen Zerstörung jahrzehntelang gewachsenen Naturraumes auf dem Schulgelände“, kritisieren die Anwohner. „Zugleich verlieren Kinder und Jugendliche auch wichtigen Bewegungsraum“, kritisiert Schulhof-Nachbarin Kerstin Heutmeyer.

Erweiterung von Schulzentrum

Ebenfalls jede Menge Grün würde der geplanten „Nord-Erweiterung“ der benachbarten Johannes-Wulff-Schule, des Gebäudekomplexes der Wilhelm-Röntgen-Realschule und des Leibniz-Gymnasiums sowie dem geplanten Bau einer dritten Sporthalle zum Opfer fallen. Das könnte auch durch die zugesagte Ersatzpflanzung von 35 Bäumen auf gleicher Fläche nicht ausgeglichen werden, heißt es in dem Brief.

Das Schulzentrum Kreuzstraße soll erweitert werden. © Hans Blossey © Hans Blossey

Die Anwohner-Initiative belässt es aber nicht bei der Kritik, sondern macht eigene Vorschläge für den Umbau des Schulzentrums. So sollte das alte Gebäude der Kreuz-Grundschule, das viele Anwohner aus ihrer eigenen Schulzeit kennen, nicht aufgegeben, sondern saniert und modernisiert werden.

Während des Umbaus könnten die Schülerinnen und Schüler in Containerbauten auf dem Gelände unterkommen, schlägt Anwohner Marius Jakobus vor.

Die Stadt will das alte Gebäude der Kreuz-Grundschule aufgeben.
Die Stadt will das alte Gebäude der Kreuz-Grundschule aufgeben. © Oliver Volmerich © Oliver Volmerich

Die anderen Schulen könnten zur Kreuzstraße im Süden statt zur Wohnbebauung im Norden erweitert werden. Wobei Jakobus die generelle Frage aufwirft, ob die Johannes-Wulff-Schule, die als Förderschule für Sprache von Schülern aus ganz Dortmund besucht wird, am Standort Kreuzstraße richtig aufgehoben ist.

Allein die Verkehrsbelastung durch die hohe Zahl an Schulbussen würde einen Standort außerhalb eines Wohngebiets sinnvoller machen, stellt er fest.

Anwohner wollen beteiligt werden

Ziel des Briefes an OB Westphal ist aber auch, dass die Anwohner überhaupt Gehör finden. Bei Nachverdichtungen mit Wohnhäusern habe die Stadt selbst 2018 ein „Regelwerk für das Bauen im Bestand“ vorgestellt, erinnert sich Hans-Peter Zehnter. Darin wird vor allem gefordert, die Anwohnerinnen und Anwohner frühzeitig einzubeziehen.

Genau das fordert die Initiative jetzt auch von der Stadtverwaltung selbst ein. Die habe bislang keinen Kontakt mit den Anwohnern gesucht, stellt Zehnter fest. „Erst auf unsere Rückfrage kam ein erstes Gespräch mit Mitarbeitern der städtischen Verwaltung zum Planungsstand zustande.“

Politik hat „Klima-Notstand“ ausgerufen

Die Anwohner hoffen dafür auf die Unterstützung der Politik, etwa in der Bezirksvertretung Innenstadt-West. Die hatte in der vergangenen Sitzung im Dezember 2020 auf Antrag von Grünen und SPD für den Stadtbezirk den „Klima-Notstand“ ausgerufen.

Danach sollen alle Beschlüsse auf ihre Auswirkung auf das Klima überprüft werden. Die Entscheidung sei ein Signal, das die Umweltbelastung verringert werden müsse, hieß es.

„Man kann eigentlich nicht den Klima-Notstand ausrufen und dann Plänen zustimmen, die Grün- und Freifläche vernichten“, stellt Zehnter fest. „Die ganze Planung scheint irgendwie aus der Zeit gefallen zu sein.“

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Oliver Volmerich, Jahrgang 1966, Ur-Dortmunder, Bergmannssohn, Diplom-Journalist, Buchautor und seit 1994 Redakteur in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten. Hier kümmert er sich vor allem um Kommunalpolitik, Stadtplanung, Stadtgeschichte und vieles andere, was die Stadt bewegt.
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Oliver Volmerich

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