Zweitakt-Freunde rocken bei heißem Mofa-Rennen einen Mais-Acker in Dorsten

dzMofa-Rennen

Aus einer „Glühwein-Idee“ ist ein erfolgreiches Mofa-Rennen auf einem Stoppelfeld geworden. Bald rocken dort 25 Teams wieder den Acker. Wir haben den schrägen Verein auf der Hardt besucht.

Hardt

, 27.02.2019 / Lesedauer: 6 min

Sie sind schon heiß wie Kettenfett. Die Vorfreude auf ihr abgedrehtes Wettkampf-Spektakel ist den kernigen Jungs, die sich da an einem kühlen Samstagmorgen auf einer Ackerfläche an der Gahlener Straße 241 auf der Hardt zusammengefunden haben, deutlich anzumerken.

„Puff, puff, puff“, begrüßt „Road-Captain“ Florian Klomfaß (35) seine Zweitakt-Freunde. Er unterstreicht den Vereinsgruß mit der typischen Handbewegung, als würde er am Lenkergriff Gas geben. „Puff, puff, puff“, schallt es zurück. Keine Frage: Es ist ein schräger Haufen mit ganz eigenen Ritualen, der da am 9. März (Samstag) zum vierten Mal das Maisfeld rocken will.

Zweitakt-Freunde rocken bei heißem Mofa-Rennen einen Mais-Acker in Dorsten

Ein Teil der Vereinsmitglieder vor dem Vereinsheim, einem Bauwagen, vorne Road-Captain Florian Klomfaß im „Safety Kart". © Michael Klein

„Aufm Maisfeld links“ - so heißt das Mofa-Rennen, das Udo Kolanczyk (55) im Jahr 2015 auf eigenem Grund und Boden direkt am Kanal ins Leben gerufen hatte. Der Name ist eine liebe- und humorvoll gemeinte Anlehnung an die erfolgreiche alljährliche Open-Air-Party namens „Hinterm Kornfeld rechts“, die damals noch ein paar Kilometer weiter an ihrem alten Standort in Östrich stattfand.

Doch während es hinterm Kornfeld rechts um Musik ging, knattern aufm Maisfeld links die Motoren. Und nicht nur links, sondern auch rechts und vorne und hinten und überall. 25 Teams mit Zweirädern bis zu 50 Kubikmetern fahren dann zwei Stunden lang im Kreis. Einige wenige Schleifen lockern den Parcours auf.

Seit Monaten ausgebucht

Das Teilnehmerfeld ist seit Monaten ausgebucht. „Es ist die einzige Motorsportveranstaltung in Dorsten“, betont Kolanczyk - aber das sagt er mit einem deutlichen Augenzwinkern. Sport? Nun ja. Es geht um viel mehr als Sport. Es geht um Spaß, um sehr viel Spaß.

„Viele geile Mofas, Bier und Wurst erwarten Euch“, laden die Veranstalter auf ihrer Facebook-Seite ein. Auch eine Punk-Gruppe sollte eigentlich auftreten. „Aber wir wollen das Rahmenprogramm nicht überdrehen“, sagt Florian Klomfaß. „Erst mal sehen, wie viele Leute dieses Mal überhaupt kommen und wie viel Platz wir noch haben.“

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So sah das Gelände im Vorjahr von oben aus. © privat

Denn die 2018er-Ausgabe brach alle Rekorde. Mehr als 600 Zuschauer kamen. Dass die Resonanz so groß war, dafür war der Mofaverein „Die Kobras“ vom Niederrhein verantwortlich, der sich für das Rennen angemeldet hatte.

Dank einer erfolgreichen Dokuserie des TV-Senders „Nitro“ war die Kobra-Gang so berühmt geworden, dass sie beste Werbung für „Aufm Maisfeld links“ machte und ganze Heerscharen an Fans mit nach Dorsten brachte. „Wir hatten vorher 800 Liter Bier bestellt, die waren lange vor Ende der Veranstaltung weg“, erzählt Udo Kolanczyk.

Kompanie-Wette

Alkohol gibt es aber nur auf den Rängen, für die Fahrer gilt selbstredend die Null-Promille-Grenze. „Bei allem Spaß geht die Sicherheit vor“, sagt Udo Kolanczyk. Er verrät, dass das Ackerrennen ursprünglich eine Schnapsidee, nein: eine Glühwein-Idee, gewesen sei.

2014, da war er noch amtierender Schützenkönig auf der Hardt, sei er abends bei einem Kompanietreffen eine Wette eingegangen. Sie lautete, dass er mit seinem 30 Jahre alten Mofa der Marke Peugeot 103 die rund 100 Meter lange Maisfeldstrecke neben seinem Haus abfahren könne, ohne zwischendurch auch nur einmal absteigen oder anhalten zu müssen.

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Den Zuschauern wurde im Vorjahr ein heißes Rennen geboten. © privat

„Das war ein Stoppelfeld, es war Winter, es lag Schnee, das war eine echte Hausnummer“, betont er. Natürlich gewann Kolcanzyk, der ein passionierter Enduro-Fahrer ist, die Wette. Und so entschloss er sich, im Jahr darauf mit Freunden ein kleines Mofa-Rennen unter solch verschärften Bedingungen auf die Beine stellen. Aus anfangs zwölf Zuschauern wurden mehr, bald wurden Pavillons für die Zweirad-Boliden und ihre Besitzer aufgestellt, bald kam eine Tribüne für die Besucher hinzu.

Hardt am Limit

Und bald wurde ein Verein gegründet, „Hardt am Limit“, heißt er, hat inzwischen 80 Mitglieder, „Präsi“ ist natürlich Udo Kolanczyk. Im Sommer treffen sich die Mitglieder einmal die Woche zu Ausfahrten, ansonsten auch mal zum gemeinsamen Schrauben. Sogar ein offizielles Vereinsheim gibt es, einen alten Bauwagen.

Da passen nur längst nicht alle hinein, sodass sich die Mitglieder bei etwas kälteren Witterungsbedingungen gerne draußen um eine Feuertonne gruppieren und dort über ihre alten Zündapps, Kreidlers, Hercules, Peugeots und wie auch immer die Zweiräder heißen, fachsimpeln. „Motorroller allerdings“, und da ist Patrick „Potti“ Potthast (32) eisern, „die haben bei uns nichts zu suchen“.

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„Schraubergott“ Potti © privat

„Potti“ ist nicht sein einziger Spitzname, die Kumpels nennen ihn auch den „Schraubergott“. Obwohl er die goldenen Mofa-Zeiten der 1970er- und 1980er-Jahre nicht selbst miterlebt hat, ist Patrick Potthast als „Vice-President“ im Vereinsvorstand ebenso wie „Treasurer“ Hendrik Fröscher von dem Mofa-Virus erfasst. Eine Peugeot 103 hat er zu Hause stehen, eine Mobilette, dazu eine Göricke aus dem Jahr 1956, ein echt seltenes Schätzchen. „Mofas sind wieder in“, sagt er: „Die Zeiten, in denen man die bei Ebay für kleines Geld bekommen hat, sind vorbei.“

Seriensieger aus Kirchhellen

Patrick Potthast und seine „Schrauberkentnisse“ sind wohl ein bisschen mit verantwortlich dafür, dass die Teams der Vereinsmitglieder beim letzten Rennen im Vorjahr bestens abgeschnitten haben. „Wir haben die Plätze zwei bis fünf belegt“, sagt er.

Und dabei Teams mit so wohlklingenden Namen wie „Ackerracker“, „Puff-Suff“ und „Buchse-Racing“ hinter sich gelassen. Nur am Seriensieger aller bisherigen Rennen - das Team „Mofaglück und Zechensterben“ aus Kirchhellen - führte auch beim letzten Mal kein Weg auf rutschigem Terrain vorbei.

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Im vergangenen Jahr wollten mehr als 600 Zuschauer das Rennen sehen. © privat

Derzeit bereiten „Road-Captain“ Florian Klomfaß, der wieder die locker-flockige Moderation übernehmen wird, und seine Mannen die Piste vor, präparieren sie für den großen Tag. „Hauptsache trocken, eine Schlammschlacht können wir nicht gebrauchen“, hofft er auf gutes Wetter am Veranstaltungstag, an dem der Acker wieder heftigst umgepflügt wird.

Derber Motor-Kollaps

Im Vorjahr war es viel zu matschig, „da machten sich einige Fahrer alle fünf oder zehn Meter lang“, erzählt er. Und auch wegen einiger Defekte kam so mancher Fahrer nichts ans Ziel.

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Das Mofa-Rennen "Aufm Maisfeld links" wurde im Vorjahr auch zum "Showroom" für die Zweirad-Liebhaber. © Privat

„Die Begeisterung für die Mofas ist bei manchen eben sehr viel größer als ihr technisches Wissen“, sagt Florian Klomfaß. Und erinnert dann an die Pocket-Bike-Fahrer aus dem Vorjahr, die beim Warmfahren zügig Runde um Runde drehten, um kurz vor dem Start einen derben Motor-Kollaps zu erleiden.

Alle Wunden verheilt

Inzwischen seien bei allen Fahrern die seelischen Wunden verheilt. Einige der Vereinsmitglieder haben aber immer noch Phantomschmerzen bei dem Gedanken daran, dass die Kirchhellener auch weiterhin einen auf „FC Bayern des Mofa-Sports“ machen könnten.

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Auf den Kutten tragen die Mitglieder den Vereinsnamen und die Begrüßungsformel. © Michael Klein

Auch in diesem Jahr beginnt das Rennen mit einem freien Training und der technischen Abnahme. Ob das vereinseigene „Safety Car“, das ein umgerüstetes Go-Kart ist und deshalb „Safety Kart“ genannt wird, zum Einsatz kommt, war lange nicht klar. Jetzt springt es endlich an und wird in der neu angelegten Boxengasse zu bewundern sein.

Um 15 Uhr wird das Hauptrennen starten. Zwei Fahrer gibt es pro Mannschaft, sie wechseln sich während des Rennens ab. „Zwei Stunden im Sattel hält keiner aus“, sagt Florian Klomfaß. Ein professioneller Rundenzähler passt auf, welches Team nach 120 Minuten die meisten Durchläufe gemacht hat.

Eintritt ist frei

„Die Zuschauer haben ab 13 Uhr Zutritt“, sagt Florian Klomfaß. Der Eintritt ist frei, Parkplätze sind ausgeschildert. Die Besucher dürfen sich auf ein spannendes Rennen freuen: Die giftigen „Kobras“ kommen, die favorisierten Kirchhellener sind natürlich auch dabei, mit Jan Taube sorgt sogar ein waschechter und international wettkampferfahrener Enduro-Crack für Glamour auf der Bahn.

Sogar eine Schermbecker Moped-Interessensgemeinschaft ist mittlerweile auch am Start. Dabei hatten deren Mitglieder zunächst fälschlicherweise gemutmaßt, sie müssten sich an einer „illegalen Mofa-Aktivität“ beteiligen.

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Sieger wird der, der nach zwei Stunden die meisten Runden gedreht hat. © privat

Und mit Melanie Mies, Miriam Schlenke und Susanne Schmuck nimmt auch ein Frauen-Trio in Lederkluft den dreckigen und har(d)ten Kampf um die Sieg-Trophäe auf. Und auch bei der späteren Siegerehrung achten die Veranstalter darauf, dass sie mit dem gebotenen Unernst bei der Sache sind.

Das Gewinner-Team erhält nämlich auch in diesem Jahr den „Goldenen Krümmer“, ein kaputtes Auspuffrohr, das mit goldener Farbe angemalt ist. „Puff, puff, puff“ - nicht nur aufm Maisfeld, sondern auch innem Pokalschrank links.

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