Statt 30 sind 70 km/h erlaubt: Gas geben heißt es am Bahnübergang Gälkenheide. © Guido Bludau
Digitaler Bahnübergang

Zügig fahren, nicht zockeln: Mit 70 km/h über den Bahnübergang brausen

Zug um Zug baut die Bahn ihre Bahnübergänge in Dorsten um. Zügig ging das 2020 in der Gälkenheide. Autofahrer wundern sich, dass sie jetzt mit 70 statt 30 km/h darüber sausen dürfen.

In der Gälkenheide galt lange Zeit vor dem Bahnübergang Tempo 30. Schilder wiesen Verkehrsteilnehmer darauf hin. Die Autofahrer sollten in diesem geruhsamen Tempo über die Gleise zockeln. Die Züge der Nordwestbahn brausen im etwa halbstündlichen Takt darüber.

Das Tempolimit für den Kfz-Verkehr wurde mit dem Umbau des Bahnübergangs aufgehoben. Zwei Monate war der Übergang während der Bauarbeiten im November und Dezember 2020 gesperrt. Danach durften die Autofahrer plötzlich mehr Gas geben als gewohnt. Einem Leser leuchtet nicht ein, warum neuerdings 70 km/h statt 30 km/h erlaubt sind.

Digitale Steuerung der Schranken ist nicht der Grund

Die Möglichkeit, dort schneller mit dem Auto fahren zu dürfen, hat allerdings nichts damit zu tun, dass die Bahnschranken nun digital gesteuert werden. Seit 2019 ist das neue Stellwerk im Bahnhof Dorsten in Betrieb und lenkt Signale, Weichen und Schranken, so sie schon umgerüstet sind, elektronisch. Die 70 km/h sind dem deutlich besseren Straßenzustand geschuldet.

Stadtsprecher Ludger Böhne erklärt die Hintergründe: „Die vorherige Begrenzung auf 30 km/h war dem baulichen Zustand des Bahnübergangs geschuldet. Dieser ist nach dem Umbau breiter und dadurch besser befahrbar und übersichtlicher geworden. Die Begrenzung auf eine maximal zulässige Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h entspricht den neuesten Standardplänen des Eisenbahnbundesamtes für einen derartig gestalteten Bahnübergang.“

Ausreizen der Höchstgeschwindigkeit nur bei optimalen Verhältnissen

Auch wenn nun 70 km/h statt 30 km/h gestattet sind, sollten sich Autofahrer trotz alledem die Straßenverkehrsordnung vor Augen führen. Die erlaubt das Ausreizen von Höchstgeschwindigkeiten nur unter optimalen Sicht-, Straßen- und Wetterverhältnissen. Heißt: Man muss am Bahnübergang Gälkenheide nicht 70 km/h fahren, sondern runter vom Gas, wenn es regnet, schneit, es eisig oder neblig ist oder die Straße wegen Schnee und Eis nur ein verhaltenes Fahrtempo zulässt.

Freudig begrüßt wird von den Dorstener Autofahrern, die von Hervest in Richtung Wulfen oder in umgekehrte Richtung über die Gälkenheide fahren, dass der Straßenzustand mit dem Ausbau des Bahnübergangs deutlich verbessert worden ist.

Bahnübergang ist einer von 22 auf der Zugstrecke

Der Bahnübergang Gälkenheide an der Bahnstrecke Dorsten – Coesfeld ist einer von 22 Übergängen auf der Strecke. Auch die Übergänge am Roten Stein, an der Munastraße und am Verspohlweg werden oder wurden technisch umgerüstet. 7,16 Millionen Euro investiert die Bahn in die Modernisierung auf den Strecken Essen-Borken und Dorsten-Coesfeld.

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Seit 20 Jahren als Lokalredakteurin in Dorsten tätig. Immer ein offenes Ohr für die Menschen in dieser Stadt, die nicht meine Geburtsstadt ist. Das ist Essen. Ehefrau, dreifache Mutter, zweifache Oma. Konfliktfähig und meinungsfreudig. Wichtige Kriterien für meine Arbeit als Lokalreporterin. Das kommt nicht immer gut an. Muss es auch nicht. Die Leser und ihre Anliegen sind mir wichtig.
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Claudia Engel

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