Walter und Sabine Julius mussten nach einem positiven Schnelltest trotz eines negativen PCR-Ergebnisses noch eine Woche in Quarantäne bleiben. © Michael Klein
Meinung

Zu lange Quarantäne: Teststrategie wird so ad absurdum geführt

Eine Woche Quarantäne - trotz negativen PCR-Tests: Was die Dorstenerin Sabine Julius erlebt hat, darf sich nicht wieder holen, so unser Autor. Sonst führt das die Teststrategie ad absurdum.

Fast jeder zweite positive POC-Test (Schnelltest) war falsch positiv. 47 Prozent der vermeintlichen Corona-Infektionen im März im Kreis Borken waren auf einen fehlerhaften Test zurückzuführen. Wer also positiv schnellgetestet wird, kann sich noch große Hoffnung machen, dass er gar nicht mit dem Coronavirus infiziert ist.

Allerdings: Solange das nicht per PCR-Test geklärt ist, hat derjenige sich in Quarantäne zu begeben. Und da können selbst ein, zwei Tage lang werden. Im Fall der Dorstenerin waren es allerdings neun (!) Tage.

Prozess muss beschleunigt werden

Bis zu sieben Tage davon hätten ihr erspart werden können, wenn der negative PCR-Test schneller zur Aufhebung der Quarantäne geführt hätte. Dieser Prozess muss dringend beschleunigt werden.

Möglichst viele Schnelltests sollen symptomlose Überträger des Coronavirus aus der Masse fischen. Für die Pandemiebekämpfung macht das gesellschaftlich Sinn. Doch wer lässt sich noch freiwillig testen, wenn er befürchten muss, eine Woche länger als nötig in Quarantäne geschickt zu werden?

Angesichts der digitalen Möglichkeiten sollte es maximal einen Tag dauern dürfen, bis ein negativer PCR-Test zur Aufhebung der Quarantäne führt. Alles andere grenzt an Freiheitsberaubung.

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Berthold Fehmer (Jahrgang 1974) stammt aus Kirchhellen (damals noch ohne Bottrop) und wohnt in Dorsten. Seit 2009 ist der dreifache Familienvater Redakteur in der Lokalredaktion Dorsten und dort vor allem mit Themen beschäftigt, die Schermbeck, Raesfeld und Erle bewegen.
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