Zaghafte Buchungen und der Außenminister machen Reisebüros Hoffnung

dzCorona und Urlaub

Mallorca? Goldstrand? Oder doch die USA? Auch wenn die Reisewarnungen demnächst aufgehoben werden, sind die Reisebüro-Mitarbeiter weiterhin als Krisenmanager gefragt. Ehrenamtlich.

Dorsten

, 21.05.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ehrenamtliche Krisenbewältigung. So beschreibt Michael Vospohl seine derzeitige Arbeit. Seit Ausbruch der Corona-Pandemie sind die Reisebüros nur noch damit beschäftigt, ihren Kunden bei Stornierungen und Umbuchungen zu helfen. „Bezahlt kriegen wir davon nichts“, beschreibt Vospohl die Krise einer ganzen Branche. Ganz im Gegenteil - vielfach müssen Anzahlungen und Provisionen wieder zurückgezahlt werden. „Das macht einen wahnsinnig.“

Reisebüro-Mitarbeiter in Kurzarbeit

Den Job erledigen meist die Inhaber selbst. Das geht auch Friedrich Cosanne aus Lembeck so, der, wie Vospohl, seine Reisebüro-Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt hat und ihnen sogar die Differenz zwischen Kurzarbeitergeld und Gehalt zahlt, bis der Staat ab dem vierten Monat für eine Aufstockung sorgt. Auch Cosanne arbeitet „völlig umsonst“, wie er berichtet. „Wer jetzt nicht auf Rücklagen zurückgreifen kann, wird nicht lange durchhalten können“, sagt er voller Sorge mit Blick auf viele seiner Branchenkollegen.

Aufhebung der Reisewarnung beflügelt Urlaubsträume

Bei aller Düsternis, die Reise-Experten treffen langsam, aber sicher auch wieder auf Kunden, die verreisen möchten, ihren verschobenen Urlaub nachholen oder gar einen neuen planen wollen. Schließlich stehen die Sommerferien bevor. Mitte der Woche hat Bundesaußenminister Maas angekündigt, die weltweite Reisewarnung demnächst aufheben zu wollen. Das beflügelt Urlaubsträume.

Friedrich Cosanne hält sein Reisebüro derzeit geschlossen, arbeitet aber im Hintergrund als Krisenmanager.

Friedrich Cosanne hält sein Reisebüro derzeit geschlossen, arbeitet aber im Hintergrund als Krisenmanager. © Archiv

Aber wie wird es am gewünschten Reiseziel aussehen? Wie eingeschränkt werden Touristen an ihren Lieblingsorten sein? Niemand weiß das derzeit genau. Die Reisebüros orientieren sich an den Empfehlungen des Auswärtigen Amtes. Und da die Pandemie noch längst nicht überwunden ist, sind auch die nicht endgültig. Cosanne fasst es so zusammen: „Sicher ist nur, dass nichts sicher ist.“

Im schlechtesten Fall könnte jede aktuelle Buchung in einigen Wochen zu einer neuen Stornierung und Umbuchung führen. Cosanne: „Das ist ein Blick in die Glaskugel.“

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Urlaub wird anders sein als vor Corona

Die beiden sind sich darüber einig, dass Touristen in diesem Sommer noch nicht so Urlaub machen können, wie sie es bisher gewohnt waren. „Überall werden noch Einschränkungen gelten“, sagt Vospohl, „darüber muss sich jeder Reisende im Klaren sein.“

Michael Vospohl spürt nach dem monatelangen Lockdown eine vorsichtige Bereitschaft der Kunden, wieder in Urlaub zu fahren.

Michael Vospohl spürt nach dem monatelangen Lockdown eine vorsichtige Bereitschaft der Kunden, wieder in Urlaub zu fahren. © Archiv

Und jeder müsse sich fragen, wie sehr das sein Urlaubsvergnügen störe. Friedrich Cosanne erwartet von Touristen, dass sie sich an gewisse Dinge gewöhnen. „Das müssen wir daheim ja auch.“

Auf jeden Fall werden Urlauber sich an höhere Preise gewöhnen müssen, da sind sich beide Experten einig. Cosanne: „Wenn Hotels und Flugzeuge nur zu 60 Prozent belegt werden dürfen, sind Preissteigerungen unausweichlich.“ Davon unbeeindruckt haben bei Michael Vospohl optimistische Kunden gerade eine Kreuzfahrt für 2021 gebucht. Ein kleines Zeichen der Hoffnung.

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