Wurstjagd: Hardter Junggesellen feiern 500 Jahre alten Brauch, der zu verschwinden droht

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Samstag sind die Wurstjäger wieder unterwegs, um Wurst und Eier für die große Fete am Abend zu sammeln. Drei Generationen Wurstjäger erzählen von einem bedrohten Brauch.

Hardt

, 21.01.2020, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit Gerd Kleinespel, Dirk Fröscher und Jan Anscheit sitzen drei Generationen an einem Tisch, die eine Tradition gemeinsam verbindet: das Wurstjagen. Doch während dieser Brauch im vergangenen Jahrhundert noch großen Zulauf auf der Hardt fand, kämpft der Junggesellen-Club heute um sein Überleben.

So ganz genau kann niemand sagen, wann die Tradition des Wurstjagens in Dorsten seinen Ursprung fand. „Doch es gibt Belege, dass vor genau 500 Jahren schon Junggesellen von Haus zu Haus gezogen sind, um nach Wurst und Eiern zu fragen“, berichtet der 25-jährige Jan Anscheit, der seit fünf Jahren Vorsitzender des hiesigen Junggesellen-Clubs ist.

„Für die Hardter Urgesteine das Fest der Feste“

Sicher ist, dass sich diese Tradition Anfang des 20. Jahrhunderts festigte und mit dem Gasthof „Zum Reichsadler“, der 1904 von der Familie Kleinespel erbaut wurde, die Junggesellen einen Heimathafen für ihre Feiern fanden. „Es war für die Hardter Urgesteine das Fest der Feste“, erinnert sich Gerd Kleinespel, der 1955 selbst das erste Mal auf Wurstjagd ging.

Wurstjagd: Hardter Junggesellen feiern 500 Jahre alten Brauch, der zu verschwinden droht

Das Wurstjagen hat eine lange Tradition in Dorsten. Schon vor 500 Jahren sollen Junggesellen von Haus zu Haus gezogen sein, um nach Wurst und Eiern zu fragen. © Julian Schäpertöns

Bis zu seiner Heirat zog er mit den anderen Junggesellen um die Häuser. „Manches hier frisch verliebte Paar besuchte das Wurstessen immer und immer wieder auch bis zur Silbernen Hochzeit“, erzählt der 82-jährige, der sich der Tradition noch immer sehr verbunden fühlt und die Junggesellen gerne unterstützt.

Dirk Fröscher erlebte das Wurstjagen in den 80er-Jahren. Zu dieser Zeit entstand auch der Saal Schult, wo seitdem bis heute das Wurstessen stattfindet. „Wir waren immer eine relativ große Truppe. Alle freuten sich auf den Tag“, berichtet der 58-Jährige.

Heutige Ehefrau durch Wurstessen kennengelernt

1984 lernte er durch das Wurstessen seine Frau kennen, die er 1988 heiratete. Heute läuft er alle paar Jahre bei der Ehemaligengruppe mit. Und stolz ist er, dass sich seine Söhne genauso für die Tradition begeistern können wie er damals.

Wurstjagd: Hardter Junggesellen feiern 500 Jahre alten Brauch, der zu verschwinden droht

Gleich geht's zur Wurstjagd: eine Gruppe Hardter Junggesellen in den 80ern. © privat

Jan Anscheit ist seit 2015 Präsident des Junggesellen-Clubs. „Wie alle Vereine haben wir auch mit den sinkenden Mitgliederzahlen zu kämpfen“, berichtet er. Zwar werden die Junggesellen auch am Samstag wieder in drei Gruppen durch die Hardt ziehen – allerdings mit deutlich weniger Männern als noch damals. „Früher gab es noch nicht so viele Angebote hier in Dorsten. Die Jugend von heute ist überall unterwegs und die Heimatverbundenheit ist nicht mehr so stark“, vermutet Dirk Fröscher. „Es ist schwieriger, junge Leute für so ein Brauchtum zu motivieren.“

Als amtierender Vorsitzender setzt Jan Anscheit sich dafür ein, dass diese Tradition nicht komplett ausstirbt. „Es geht vor allem um Zusammenhalt und Gemeinschaft“, erklärt der 25-Jährige. Neben dem jährlichen Wurstjagen stehen im Laufe des Jahres auch gemeinsame Ausflüge und Aktionen an.

Nun erhofft er sich, dass er am Wochenende viele Gäste im Saal Schult begrüßen darf. Los geht es am Freitag (24. Januar) mit dem Kartoffelschälen. „Wer am Samstag bei uns Mitlaufen will, soll sich am Freitagabend vor Ort einfach bei mir melden“, so Jan Anscheit. Am Samstag geht es früh am Morgen los, um Wurst und Eier zu sammeln. Diese werden am Abend zubereitet und verspeist. Das Wurstessen mit anschließender Party beginnt um 19 Uhr. Der Eintritt beträgt 8 Euro inklusive Essen.

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