Anstelle der Immobilie Wulfener Markt soll etwas Neues entstehen: Ein Architekt hat eine Rahmenplanung erarbeitet. © www.blossey.eu
Auftragsvergabe

Wulfener Markt: Planung weckt Begehrlichkeiten, aber auch Argwohn

Ärger um den Wulfener Markt: Beanstandet wird, dass die Entwicklungsgesellschaft Wulfen einem Wulfener Architekten die Rahmenplanung zugeschanzt habe. Kritiker vermissen die Ausschreibung.

Hannes Schmidt-Domogalla, Wulfener Architekt, und die Entwicklungsgesellschaft Wulfen sehen sich Kritik ausgesetzt. Der Wulfener Architekt sei von der Entwicklungsgesellschaft Wulfen (EW) „bevorzugt behandelt“ worden, indem er, ohne dass eine öffentliche Ausschreibung eines Vergabeverfahrens stattgefunden habe, die Rahmenplanung für die Immobilie am Wulfener Markt machen durfte.

Die Entwicklungsgesellschaft Wulfen (EW) als Stadttochter sagt zu dem Vorwurf: „Die EW ist nicht an das öffentliche Vergaberecht gebunden, wenn sie Aufträge zur Wahrung eigener Interessen vergibt.“ Dies sei beim Wulfener Markt aber der Fall. Die Rahmenplanung beantworte der EW die Frage, ob es für eine spätere Vermarktung der Fläche eine gute Perspektive gibt.

Auftragsvolumen lag deutlich unter der Vergabegrenze

Neben der kurzfristigen Beantragung eines Zuschusses aus dem Sofortprogramm des Landes „zur Stärkung unserer Innenstädte und Zentren“, der für die Verkehrssicherung und die Abrisskosten am Wulfener Markt gewährt worden ist, „lag das Auftragsvolumen deutlich unterhalb der für die Stadt gültige Vergabegrenze von 25.000 Euro für Planungsleistungen“, sagt Stadtsprecher Ludger Böhne.

Erst ab dieser Schwelle wäre mit der Einholung von drei Angeboten ein erstes, einfaches Vergabeverfahren erforderlich gewesen. Auch die Stadt hätte diesen Auftrag also „freihändig“ vergeben dürfen, so Böhne weiter.

Der Architekt Hannes Schmidt-Domogalla beschreibt die Aufgabe seines Planungsbüros so: „Der Inhalt unseres Auftrages der Entwicklungsgesellschaft Wulfen (EW) war die Analyse der städtebaulichen Situation im Nahbereich des Wulfener Marktes, der baulichen Struktur des Gebäudes und der Entwicklungsmöglichkeiten. Dabei war der Architekt gefragt, das vorhandene Gebäude zu bewerten. Der wesentliche Teil der Aufgabe war jedoch die städtebauliche Aufgabe der Rahmenplanung mit verschiedenen Szenarien und Varianten durch unseren Stadt- und Raumplaner. Wir haben für die zukünftigen Inhalte der Gebäude eine große Palette von möglichen Nutzungen aufgezählt, wie Gastronomie, kleinteiliger Handel, Dienstleistungen und Wohnen.“

Die Stadtverwaltung wird die Rahmenplanung Wulfener Markt am Dienstag, 16. Februar, um 17 Uhr den Mitgliedern des Planungs- und Umweltausschusses in einer Online-Veranstaltung vorstellen. Die Präsentation wird auf dem YouTube-Kanal der Stadt (www.dorsten.de/youtube) übertragen, sodass interessierte Bürgerinnen und Bürger der Vorstellung folgen können.

Sein Architekturbüro habe „in enger Abstimmung mit der Verwaltung diese ausführliche Rahmenplanung erarbeitet und in einem ersten Workshop mit Vertretern der Fraktionen in Umwelt- und Planungsausschuss, Haupt- und Finanzausschuss sowie der Eigentümer in der Gesellschafterversammlung der EW vorgestellt“.

Alle denkbaren Möglichkeiten durchgespielt

Die Rahmenplanung betrachtet laut Auskunft des Wulfener Architekten alle denkbaren Möglichkeiten: Vollkommener Erhalt der Ladenzeile, teilweiser Erhalt und Abriss. Aufgabe sei nicht, dass „unser Büro die Planung festzurrt“: „Das ist ein demokratischer Prozess, zu dem die Planer Vorschläge erarbeiten, die von der Politik und der Bürgerschaft abgewogen und letztlich im Rat entschieden werden.“

Stadtsprecher Ludger Böhne dazu: „Vor dem Beschluss einer Rahmenplanung, auf die spätere Investoren verpflichtet würden, wird es auch eine Bürgerbeteiligung geben. Das Konzept zur Beteiligung wird derzeit von der Verwaltung erarbeitet, sodass noch viele Ideen von Bürgerinnen und Bürgern im weiteren Prozess aufgenommen werden können.“

Entscheidung fiel zugunsten vorhandener Ortskenntnisse

Dass Hannes Schmidt-Domogallas Architektenbüro mit dem Rahmenplan beauftragt worden ist, hat überdies noch einen naheliegenden Grund: „Die Entscheidung für die Wahl des Büros wurde aufgrund der vorhandenen Ortskenntnisse und des gesamten Hintergrundwissens zur Neuen Stadt Wulfen getroffen. Das Büro Börner war seinerzeit beim Aufbau von Barkenberg maßgeblich eingebunden und das Büro Schmidtplanung ist aus dem Büro Börner hervorgegangen.“

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Seit 20 Jahren als Lokalredakteurin in Dorsten tätig. Immer ein offenes Ohr für die Menschen in dieser Stadt, die nicht meine Geburtsstadt ist. Das ist Essen. Ehefrau, dreifache Mutter, zweifache Oma. Konfliktfähig und meinungsfreudig. Wichtige Kriterien für meine Arbeit als Lokalreporterin. Das kommt nicht immer gut an. Muss es auch nicht. Die Leser und ihre Anliegen sind mir wichtig.
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Claudia Engel

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