Ein Wolf wurde möglicherweise in der Hohen Mark bei Lembeck gesichtet. © dpa
Präventionsmaßnahmen

Wolf in Hoher Mark gesichtet – „jetzt wird es Zeit für Herdenschutz“

In den Wäldern der Hohen Mark bei Lembeck soll ein Wolf gesichtet worden sein. Nicht auszuschließen ist, dass ein Wolf hier ein neues Revier sucht. Höchste Zeit für den Herdenschutz.

In Schermbeck tobt eine erbitterte Debatte um die mutmaßliche „Problemwölfin“ Gloria. Wegen wiederholter Schafsrisse ist ihre Daseinsberechtigung hochumstritten. Gloria hat nun auch noch eine Familie gegründet – es ist nicht auszuschließen, dass ein Jungwolf, wenn er mit anderthalb bis zwei Jahren flügge wird, sich ein neues Revier in der Nachbarschaft sucht.

Spaziergänger wollen einen Wolf in der Hohe Mark zwischen Barkenberg und Lembeck gesichtet haben - ausgeschlossen ist das nicht.
Spaziergänger wollen einen Wolf in der Hohe Mark zwischen Barkenberg und Lembeck gesichtet haben – ausgeschlossen ist das nicht. © Guido Bludau © Guido Bludau

Verbrieft ist, dass eine Wölfin im Bereich der Hohen Mark auf Halterner Gebiet gesichtet worden ist. Nicht Gloria, aber Wölfin 1800 F. Dorstener haben sie wohl auch schon im Dorstener Wald gesehen.

Wolfsberater Niels Ribbrock von der Biologischen Station in Lembeck kann nicht ausschließen, dass Wölfe sich in den kommenden Jahren in Dorsten oder im Städtedreieck Haltern, Reken, Dülmen ansiedeln werden. „Allgemein wächst die Population von Wölfen in NRW und damit die Neigung, ein Revier zu gründen und dann auch ein Rudel“, sagt er.

Empfehlung: Jetzt schon an den Herdenschutz denken

Ribbrock empfiehlt Ziegen- und Schafhaltern im Dorstener Raum dringend, sich rechtzeitig Gedanken zu machen über den Herdenschutz. „Ist der Wolf erst da, kann das schon zu spät sein“, meint er. Zwar schätze der Wolf vor allem Rot-, Dam- und Schwarzwild als Mahl. Aber er verschmäht Ziegen und Schafe, wie der Fall von Gloria zeigt, nicht.

Zusammen mit Nikolai Eversmann bildet Niels Ribbrock das Wolfsberater-Gespann für Nachfragen von Tierhaltern in Dorsten. „Weitergehende Informationen für Herdenhalter gibt es zudem bei der Landwirtschaftskammer in Recklinghausen oder beim Landesumweltamt.“ Das Land fördere zu 100 Prozent Herdenschutzmaßnahmen – ein Antrag lohne sich auf jeden Fall.

Ein Rotwildriss erster Hinweis auf den Wolf

Mit Revierförster Michael Reidemeister hat Ribbrock sich über die mutmaßliche Wolfssichtung in der Hohen Mark ausgetauscht. Reidemeister ist dem Wolf per Zufall auf die Spur gekommen: „Wegen eines Rotwildrisses im Wald“, erzählt er. Als Ribbrock den Kadaver untersuchen wollte, waren die von Reidemeister gemutmaßten Wolfsbiss-Spuren aber bereits von nachfolgenden Aasfressern getilgt.

Dorsten ist Pufferzone und damit förderfähiges Gebiet

Wenn Wölfe in der Nachbarschaft von Dorsten auftauchen, dann wird das angrenzende Gebiet zur Pufferzone erklärt. Das ist in der Hohen Mark der Fall, sodass Herdenhalter in den Genuss der Landes-Fördermittel für den Herdenschutz kommen können.

Die letzte Wolfssichtung in der Hohen Mark datiert aus dem Sommer 2020. Michael Reidemeister wurde von einer Spaziergängerin zugetragen, dass sie einen Wolf gesehen habe. „Ob das wirklich passiert ist, kann ich nicht belegen“, sagt er. Nur soviel: Wer dem Wolf begegnet, sollte nicht herumlärmen. Das habe der Wolf nicht gerne.

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Redaktion Dorsten
Seit 20 Jahren als Lokalredakteurin in Dorsten tätig. Immer ein offenes Ohr für die Menschen in dieser Stadt, die nicht meine Geburtsstadt ist. Das ist Essen. Ehefrau, dreifache Mutter, zweifache Oma. Konfliktfähig und meinungsfreudig. Wichtige Kriterien für meine Arbeit als Lokalreporterin. Das kommt nicht immer gut an. Muss es auch nicht. Die Leser und ihre Anliegen sind mir wichtig.
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Claudia Engel
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