Mieten in Dorsten steigen – und die wahren Probleme kommen noch

dzWohnen in Dorsten

Wohnen in Dorsten ist teurer geworden. Auch für die Zukunft sieht es auf dem Dorstener Wohnungsmarkt nicht gut aus: Zwar drohen Leerstände, doch den meisten Mietern wird dies nicht helfen.

Dorsten

, 15.12.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es gibt vieles, was für Dorsten als Wohnort spricht. Die Zahl der Dorstener Auspendler ist beträchtlich: 17.685 Dorstener pendeln laut einer Untersuchung der städtischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft Windor wochentags zu ihren Arbeitsstellen in Nachbarstädte von Dorsten. Offenbar wissen diese Menschen, die ruhigen und doch an die Bundesstraße und Autobahn gut angebundenen Stadtteile Dorstens als Wohnorte zu schätzen.

In den kommenden Jahren wird sich die Situation auf dem Wohnungsmarkt aber zuspitzen. Die Nachfrage nach kleinen, barrierefreien, gut ausgestatteten Wohnungen wächst aufgrund der Altersstruktur in der Stadt, der Druck auf günstigen Wohnraum auch.

Mieten in Dorsten steigen – und die wahren Probleme kommen noch

Heiß begehrt, aber für viele unerschwinglich: Altstadtnahe Neubauten der Caritas am Yachthafen. © Bludau

„Dorsten muss dringend nachbessern“, lautet ein Auftrag eines aktuellen SPD-Wohnforums. Der Wohnungsbestand in Dorsten sei überaltert, heißt es. Neubauten und neue Wohngebiete müssten ausgewiesen werden. Für die SPD ist klar: „Fürs Wohnen brauchen wir einen Masterplan.“

Einen entsprechenden Arbeitskreis gibt es seit zwei Jahren in Dorsten. Bewegt habe sich aber noch nicht allzu viel: „Er hat erst einmal getagt“, so SPD-Fraktionschef Friedhelm Fragemann. Er erwartet mehr.

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„Aufgrund der Tatsache, dass es sich um eine strategisch bedeutsame Frage handelt, sollten jetzt gemeinwohlorientierte Bodenpolitik, Konzeptvorgaben für genossenschaftliche oder Erbpachtwohnmodelle bis hin zur stärkeren Beteiligung bürgerschaftlicher Initiativen folgen, wie dies mit der Zukunftsinitiative Marienviertel beispielhaft gelungen ist“, ermuntert Fragemann Bürgermeister Tobias Stockhoff dazu, den „Arbeitskreis Masterplan Wohnen“ erneut einzuberufen.

Begehrte Wohnpflaster in Dorsten

Begehrte Wohnpflaster sind nach wie vor die Hardt, die Feldmark, Holsterhausen und Hervest. Neubauten in Wulfen und demnächst auf der Hardt sind heiß begehrt. Der aktuelle Mietspiegel von 2018 zeigt: Wegen der Nachfrage und des wachsenden Drucks auf den Wohnort Dorsten sind die Mieten gestiegen.

Für einfache Wohnlagen und Wohnungen bis Baujahr 1949 müssen Mieter im Vergleich zu 2015 in mittleren Wohnlagen 30 Cent pro Quadratmeter mehr bezahlen (3.80 Euro/3.50 Euro). Für neuere Wohnungen ab Baujahr 2011 ist der Preisanstieg sehr viel deutlicher: 7.70 Euro statt 6.60 Euro.

Die größten Wohnungen mit mehr als drei Zimmern gibt es in drei Stadtteilen: Altstadt, Wulfen und Hervest. Kleinere Wohnungen finden Wohnungssuchende in der Feldmark, Holsterhausen, Rhade und Lembeck. Und doch wird sich hier in den nächsten Jahren ein immer größerer Mangel offenbaren.

1000 große Wohnungen stehen leer, kleine gibt es kaum

Laut einer von der Stadt in Auftrag gegebenen Studie des Bochumer INWIS-Forschungs- und Beratungsinstitutes werde die Stadt Dorsten im Jahr 2030 nur noch 70.000 Bewohner haben. 1000 Wohnungen stünden dann leer, die aber für Menschen über 60 nicht infrage kämen. „Die Wohnungen sind zu groß, haben keinen Balkon, es gibt keinen Fahrstuhl im Haus und barrierefrei oder -arm sind sie auch nicht“, hat INWIS-Mitarbeiterin Carolin Krüger 2017 den Dorstener Politikern im Umwelt- und Planungsausschuss erläutert.

Neue Investoren für den Wohnungsbau müssten akquiriert werden. Beim SPD-Forum hieß es, dass die Förderung von Wohnraum eine Neuausrichtung brauche: „Wohnen ist eine Teilhabechance.“ Die jetzige Förderung der NRW-Bank gehe am Bedarf vorbei, erläuterte der wohnungspolitische Sprecher der SPD, Andreas Becker, in Dorsten. Das zeige sich daran, dass nur fünf Prozent der Millionenbeträge abgerufen worden sind.

Stadt soll das Bauland als Pachtland vergeben

Unerschlossenes Bauland solle die Stadt als baureife Grundstücke verpachten oder im Erbbaurecht vergeben: „Städtische Steuerungsmöglichkeiten sorgen dafür, dass mehr bezahlbarer Wohnraum angeboten werden kann“, sagt die SPD.

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