Auch im Dorstener St.-Elisabeth-Krankenhaus gibt es ältere Corona-Patienten, die als genesen gelten, aber nicht entlassen werden können. © Claudia Engel (Archiv)
Coronavirus

Wohin mit dem Risiko? Genesene Corona-Patienten bleiben ohne zweiten Test im Krankenhaus

Ohne zweiten Negativ-Test nehmen viele Altenheime in Dorsten keine genesenen Corona-Patienten aus dem Krankenhaus auf. Patienten bleiben länger auf Station als nach Ansicht der Ärzte nötig.

Auf den Isolierstationen in den Krankenhäusern des KKRN-Klinikverbunds in Dorsten, Haltern, Marl und Herten befinden sich zahlreiche ältere Corona-Patienten, die nach Ansicht der Ärzte gar nicht mehr stationär behandelt werden müssten. Sie gelten als genesen, werden von Alten- und Pflegeheimen aber zum Teil nicht wieder aufgenommen, weil ein zweiter negativer Corona-Test fehle.

„Da PCR-Tests gefordert werden, die über ein externes Labor erbracht werden müssen, die Zeit von Abnahme bis Befundeingang 24 Stunden beträgt und oftmals ein Zeitabstand zwischen den zwei Tests gefordert wird, verzögert sich eine Entlassung schon einmal um drei bis vier Tage“, sagt der medizinische Geschäftsführer des KKRN-Klinikverbunds, Dr. Andreas Weigand.

Der medizinische Geschäftsführer des KKRN-Klinikverbunds, Dr. Andreas Weigand © Industriefoto G. Schmidt © Industriefoto G. Schmidt

Situation auf Isolierstation spitzt sich zu

Auch dadurch spitzt sich die Situation in den Krankenhäusern weiter zu. 50-Stunden-Wochen seien keine Seltenheit, die zweite Welle sei „ein Albtraum“, sagte jüngst eine Pflegerin der Dorstener Isolierstation. Aufgrund der zahlreichen infizierten Patienten und Mitarbeitern in Quarantäne mussten an allen KKRN-Standorten seit etwa zwei Monaten immer wieder planbare Operationen verschoben werden.

Das Problem gäbe es nicht, wenn zwei negative Antigentests reichen würden, so Weigand weiter. Die führe das Krankenhaus selbst durch. „Nachteilig wäre allerdings, dass diese nicht so sensibel wie der PCR-Test sind und es wird auch kein CP/CT-Wert erhoben, der den Grad der Infektiosität des Patienten darstellt.“

„Die Frage ist letztendlich: Wohin verlagert man das Risiko“, sagt Klaus Schrudde, Geschäftsführer des Dorstener Caritasverbands, der mehrere Senioreneinrichtungen in der Stadt betreibt. „Gesellschaftlicher Konsens ist, denke ich, dass Infektionen in Altenheimen vermieden werden müssen, weil die Gefahr für die Bewohner am größten ist.“

Klaus Schrudde, hier ein Archivfoto, ist Geschäftsführer des Caritasverbandes Dorsten. © Archiv © Archiv

Sollte das Gesundheitsamt sagen, dass ein Test reiche, werde man auch aufnehmen, so Schrudde. Ansonsten halte er es für sinnvoll, dass der Rücktransport einer positiv getesteten Person erst dann erfolgt, wenn man auch sicher wisse, dass kein Risiko bestehe. Krankenhaus-Rückkehrer, die nicht Covid-19 hatten, müssen genau wie Neuaufnahmen in den Caritas-Einrichtungen zunächst eine Woche in Quarantäne, damit sie sich danach frei im Heim bewegen können.

Klinikverbund plant Sonderstation und Genesungszentrum

Krankenhaus und Altenheim wollen auch nicht die Belastungen in ihren Häusern gegeneinander ausspielen. Und Abhilfe ist auch schon in Sicht. Der KKRN-Klinikverbund plant, eine Sonderstation für solche nicht mehr zwingend akute Corona-Fälle im Altbau des Gertrudis-Hospitals in Herten einzurichten, abgeschottet von den anderen Patienten im Neubau. „Derzeit besteht dort aufgrund der vielen Infizierten noch eine ‚Covid-Station‘ auf zwei Ebenen, sagt Andreas Weigand. Außerdem sei ein Genesungszentrum für den gesamten Kreis Recklinghausen geplant.

Die Personalsituation sei zwar extrem angespannt, so Weigand. „Aber bis jetzt sind wir mit den neuen Anforderungen durch die gute Zusammenarbeit zwischen unseren Einrichtungen und den verschiedenen Berufsgruppen immer zurecht gekommen.“

Über den Autor
Redakteur
Einst aus Sachsen nach Westfalen rübergemacht. Dort in Münster und Bielefeld studiert und nebenbei als Sport- und Gerichtsreporter gearbeitet. Jetzt im Ruhrpott gelandet. Seit 2016 bei Lensing Media.
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Robert Wojtasik

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