Wolfsjagden als Motive haben früher auch die Künstler beschäftigt - hier ein Kupferstich von Jan van der Straet aus dem späten 16. Jahrhundert. © Privat
Wolfsgebiet

Wölfe als Landplage: Und so wurde in Dorsten Jagd auf sie gemacht

Neu eingewanderte Wölfe sorgen derzeit in Dorsten und Umgebung für Schlagzeilen und viele Diskussionen. Früher gab es hier eine Menge Wölfe - bis das letzte Tier in Lembeck erlegt wurde.

Die Wölfe sorgen derzeit für Schlagzeilen in den Gemeinden rund um Dorsten. In Kirchhellen, Gahlen und Schermbeck haben sie Schafe und andere Tiere gerissen, trotz hoher Schutzzäune um die Weiden. Immer lauter wird der Ruf, vor allem die „Problemwölfin Gloria“ abzuschießen.

Keine Frage: Der Wolf hat ein Imageproblem – und das schon seit Ewigkeiten. Auch in Dorsten wurden in früheren Jahrhunderten Wolfsjagden abgehalten, um die Tiere auszurotten – der letzte Wolf wurde hier im Jahre 1826 erlegt.

„In grauer Vergangenheit hat es in unserer Gegend besonders viele Wölfe gegeben“, schreibt Hermann-Josef Schwingenheuer in einem Beitrag zum Heimatkalender 1933, den Dorstens Stadtarchivar Martin Köcher im Zuge einer Recherchen jetzt entdeckt hat.

Auch Familien- und Ortsnamen deuten auf das häufige Vorkommen des Wolfes hin: Der Ursprung des Namens Wulfen geht beispielsweise auf den Wolf zurück. Das Wolfskopf-Wappen der 1174 erstmals erwähnten Familie der Ritter von Wulfheim – die die Pfarre Wulfen gründete und den Gerichtsbarkeitsstand innehatte – stand Pate für das Gemeindewappen von Wulfen: Es zeigt einen silbernen Wolfskopf auf blauem Schild.

Wahre Landplage

„In den Walddistrikten, die nur ganz dünn besiedelt waren, fühlte sich der Wolf recht heimisch und hat sich dort auch besonders lange erhalten“, heißt es in dem Artikel von Schwingenheuer: „Zur Zeit des 30-jährigen Krieges waren die Wolfsherden teils so groß, dass sie zu einer wahren Landplage wurden.“

Dieser Wolf wurde im Wolfsgebiet Schermbeck, zu dem auch Dorsten gehört, gesichtet. © dpa © dpa

So geschah es, dass die damaligen „Behörden“ hohe Prämien für die Erlegung eines Wolfes aussetzten. Gewöhnlich sei der Wolf mit Netzen oder in Fallgruben gefangen worden. Man grub ein Loch in den Waldboden, in das man eine Falle stellte, ein Stück Wild wurde als Köder ausgelegt und dann deckte man die Grube wieder zu. Oft „fiel“ der Wolf buchstäblich auf den Schwindel herein und in der Falle wurde der Wolf am anderen Morgen von den Wolfsjägern getötet.

Musiker fiel in Wolfsgrube

In Wulfen wurde lange folgende Geschichte erzählt: „Ein Musikant fiel einstens in eine Wolfsgrube, als er zwischen Mitternacht und Morgengrauen von einer Hochzeit in Wulfen nach Hause gondelte.“

Da der Musiker schwer angetrunken war, konnte er sich aus eigenen Kräften nicht befreien und musste wohl oder übel warten, „bis ihn am nächsten Morgen vorüber kommende Waldarbeiter aus seiner armseligen Lage befreiten“.

Bis ins 19. Jahrhundert hielten sich Wölfe in unserer Gegend auf. In der Herrlichkeit Lembeck wurde der letzte Wolf am 26.9.1826 in der Bauerschaft Specking erlegt. Es war ein alter Wolfsrüde, der sich hierhin verlaufen hatte. Erst 190 Jahre später wurde wieder ein Wolf in Dorsten nachgewiesen – anhand von Riss-Spuren an Nutztieren.

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Redaktion Dorsten
Geboren 1961 in Dorsten. Hier auch aufgewachsen und zur Schule gegangen. Nach erfolgreich abgebrochenem Studium in Münster und Marburg und lang-jährigem Aufenthalt in der Wahlheimat Bochum nach Dorsten zurückgekehrt. Jazz-Fan mit großem Interesse an kulturellen Themen und an der Stadtentwicklung Dorstens.
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Michael Klein

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