An der Online-Demonstration gegen Rassismus beteiligten sich zahlreiche Dorstener. © privat
Dorsten gegen Rechts

Wochen gegen Rassismus: Wo war eigentlich die Dorstener Politik?

Eine positive Bilanz der beiden Aktionswochen gegen Rassismus hat das Bündnis „Wir in Dorsten gegen Rechts“ gezogen. Vermisst wurde allerdings ein Statement der örtlichen Politik.

Wir haben eine Menge gelernt.“ Das sagt Ruth Lange vom Bündnis „Wir in Dorsten gegen Rechts“ nach Abschluss der Internationalen Wochen gegen Rassismus. Die litten in diesem Jahr zwar unter der Einschränkungen der Corona-Pandemie, trotzdem gelang es dem Bündnis nach eigenen Angaben, Aufmerksamkeit zu erregen.

Kreide-Aktion und Lesungen erfolgreich

Das ist umso bemerkenswerter, wo doch eine geplante Demonstration in der Innenstadt und das „Band der Solidarität“ am Abschlusstag abgesagt werden mussten. „Aber die Kreideaktion in fast allen Stadtteilen und die Online-Lesungen haben zahlreiche Reaktionen ausgelöst. Plötzlich war Rassismus Thema in Gruppen, Familien und Freundeskreisen“, freut sich Ruth Lange.

Damit wurde ein wesentliches Ziel erreicht: dem alltäglichen Rassismus auch in Dorsten mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Selbstkritisch merkt die Sprecherin des Bündnisses an, dass es speziell bei der Kreideaktion „immer dieselben“ Aktivisten waren, die Sprüche zum Nachdenken auf den Asphalt gemalt haben. „Da müssen wir in Zukunft mehr werden“, sagt sie.

In vielen Dorstener Stadtteilen wurden Sprüche gegen Rassismus auf den Asphalt gemalt.
In vielen Dorstener Stadtteilen wurden Sprüche gegen Rassismus auf den Asphalt gemalt. © privat © privat

Die Reaktionen auf die Kreideaktion waren nicht nur positiv, die Rückmeldungen bei Facebook und Instagram auf die täglichen Youtube-Lesungen und die Online-Demonstration dagegen schon. „Wir haben gemerkt“, so Ruth Lange, „dass es von Vorteil ist, wenn ein Gesicht hinter einer Aussage steht. Persönliche Auftritte sind wichtig.“

Keine Unterstützung der Politik

Manche Gesichter hat das Bündnis indes vermisst. „Wir haben überhaupt keine Rückmeldungen oder Unterstützung von den demokratischen Parteien in Dorsten bekommen“, sagt die Sprecherin. „Das ist enttäuschend.“ Lediglich die Jusos haben sich an der Online-Demonstration beteiligt, Bürgermeister Tobias Stockhoff hat bei der Online-Lesung mitgemacht.

Eine Erfahrung, die das Bündnis nun mit der Politik teilt: Plakate werden gerne mal zerstört, diesmal vor allem im Bereich des Busbahnhofes. „Vieles hat sich auf den Innnestadtbereich konzentriert, da wollen und müssen wir beim nächsten Mal noch mehr in die Stadtteile gehen“, sagt Ruth Lange, die allerdings dankbar ist, dass das vor zwei Jahren gegründete Bündnis auf einige Sponsoren zählen konnte. „Sonst wäre das alles nicht möglich gewesen. Wir sind ja kein Verein und bekommen keine Mitgliedsbeiträge.“

Wie es weitergeht, will die Gruppe nach den Osterferien in einer Online-Konferenz besprechen. Das nächste Großereignis ist mit der Bundestagswahl Ende September bereits terminiert. Da will „Wir in Dorsten gegen Rechts“ im Vorfeld deutlich Flagge zeigen, welche Partei man nicht wählen sollte.

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Redaktionsleiter in Dorsten
Veränderungen gab es immer, doch nie waren sie so gravierend. Und nie so spannend. Die Digitalisierung ist für mich auch eine Chance. Meine journalistischen Grundsätze gelten weiterhin, mein Bauchgefühl bleibt wichtig, aber ich weiß nun, ob es mich nicht trügt. Das sagen mir Datenanalysten. Ich berichte also über das, was Menschen wirklich bewegt.
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Stefan Diebäcker

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