Mama im Homeoffice, Kind im Homeschooling: Die Lockdown-Zeit zerrt an den Nerven von Familien mit Kindern. © picture alliance/dpa
Coronavirus

Wo Eltern der Schuh drückt – eine Mutter rückt mit der Sprache raus

Was spielt sich hinter den Kulissen in Elternhäusern ab? Wo drückt Eltern in Dorsten während des Lockdowns der Schuh? Beim Elterngespräch schütteten einige ihr Herz aus - oder auch nicht.

Stefanie Peter ist alleinerziehende Mutter einer sechsjährigen Tochter. Wie 30 andere Elternteile oder -paare zögerte sie nicht, am ersten Elternstadtgespräch, zu dem die Stadtverwaltung alle Interessierten in eine Zoom-Videokonferenz eingeladen hatte, teilzunehmen. Unter professioneller Moderation fand dies in der vergangenen Woche statt.

Stefanie Peters Fazit nach der Runde: „Ich fand dieses Online-Gespräch zwar interessant, allerdings weniger konstruktiv bzw. passend zum angekündigten Thema. Ich denke, dass die wichtigsten Themen, welche Auswirkungen die Corona-Maßnahmen auf Familien mit Kindern und die Umsetzung haben, zu kurz gekommen sind.“

Es gibt keine konkreten Lösungen für Probleme von Familien

Stefanie Peter hat vermisst, dass es keine konkreten Lösungsvorschläge für Probleme von Eltern und Kindern in der langen Lockdownzeit gibt. Sie nimmt das Chaos wahr, das angeordnete, aber eher unklare Maßnahmen anrichten: „Es fehlt an Umsetzungsmöglichkeiten, es fehlt Unterstützung für Kinder, Eltern, Schulen. Die Liste ist lang und stößt bei mir zum Teil auf Unverständnis. Probleme in Verbindung mit den Corona-Maßnahmen und deren Auswirkungen werden nicht gelöst.“

Ihre Kritik hat sie nicht für sich behalten, sondern umgehend um ein Gespräch mit Bürgermeister Tobias Stockhoff gebeten. Eine andere Mutter formulierte in der Videokonferenz deutlich schärfer, was ihr zurzeit zu schaffen macht: „Niemand hat mir gesagt, dass ich sieben Tage die Woche 24 Stunden am Tag meine Kinder beschulen und betreuen soll.“ Diese Mutter hat zwölf Kinder und fühlt sich durch die verordnete häusliche Zwangsgemeinschaft deutlich über ihre Möglichkeiten strapaziert.

Belastungsgrenzen sind überschritten

Eine weitere Mutter, von Beruf Lehrerin und mit drei Sprösslingen vom Kindergarten- bis zum Schulalter gesegnet, sieht ebenfalls die Grenzen der Belastung überschritten: „Es läuft nicht so, wie man es gewohnt ist. Es ist schon eine Erleichterung, wenn das jüngste Kind wenigstens zeitweilig im Kindergarten betreut wird.“

Stefanie Peter bringt auf den Punkt, was andere im Elternstadtgespräch eher vorsichtig umkreist haben: „Diverse Themen, wie Digitalisierung/Kooperation zwischen Grundschulen und weiterführenden Schulen, die fehlende Unterstützung der Eltern und zunehmend psychisch instabile Kinder stehen fehlenden Kapazitäten von Jugendämtern, fehlenden Strukturen bei generellen Abläufen in Betreuungsangeboten bzw. der Offenen Ganztagsschule gegenüber.“

Wie viel Lerndruck ist im Lockdown nötig?

Wie viel Lerndruck ist in der Corona-Zeit nötig? Welche Perspektiven öffnen sich Eltern und Kindern und was ist gut an der Lockdown-Zeit? Darauf wollten die Moderatoren des Elternstadtgespräches dann noch von den Eltern Antworten haben. Das Homeschooling ist gefühlt ein besonders sensibles Thema, bei dem sich Eltern häufig von den Schulen mit deren umfassender Aufgabenstellung überfordert oder überfrachtet fühlen.

Dass Eltern ihre Kinder zu Hause plötzlich in ihrer Funktion als Schulkinder wahrnehmen, ist ein weiteres Überraschungsmoment von Corona. Eine Schulpsychologin sagte, dass eine Mutter ihr erzählt habe, dass sie ihr Kind nun auch durch die Augen der Lehrerin betrachte und deren Meinung über die Lernfähigkeiten ihres Kindes teilen könne.

Der Lockdown bringt aber auch Entlastung mit sich

Als Erleichterung empfanden einige Eltern entlastende Lockdown-Momente. Da viele Freizeitaktivitäten der Kinder weggefallen sind, sehen sich Familien plötzlich mit einem hohen Maß an gemeinsamer freier Zeit konfrontiert. Deutlich wurde: Es gibt noch weiteren Gesprächsbedarf zwischen Familien und Verwaltung. Eine Mutter lobte die Runde am Ende: „Es ist ein Lichtblick gewesen, sich mit so vielen austauschen zu können.“

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Redaktion Dorsten
Seit 20 Jahren als Lokalredakteurin in Dorsten tätig. Immer ein offenes Ohr für die Menschen in dieser Stadt, die nicht meine Geburtsstadt ist. Das ist Essen. Ehefrau, dreifache Mutter, zweifache Oma. Konfliktfähig und meinungsfreudig. Wichtige Kriterien für meine Arbeit als Lokalreporterin. Das kommt nicht immer gut an. Muss es auch nicht. Die Leser und ihre Anliegen sind mir wichtig.
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Claudia Engel

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