Hundetrainerin Kerstin Lambert versteht nicht, warum in NRW Gruppenunterricht in Hundeschulen nicht erlaubt ist. © privat
Hundeschulen im Lockdown

„Wir werden völlig vergessen“: Hundetrainer unsicher und verärgert

Eine Dorstener Hundetrainerin wundert sich, dass sie und ihre Kollegen nicht von den aktuellen Lockerungen profitieren. Das könnte auch für die Hunde gravierende Folgen haben.

Seit Anfang November sind in Nordrhein-Westfalen die Hundeschulen geschlossen. Seit dem 22. Februar sind zwar zumindest Einzelstunden im Freien wieder erlaubt, Kurse und Gruppenunterricht bleiben allerdings weiterhin untersagt. Das sorgt in der Szene für nachhaltiges Kopfschütteln.

Plötzliche neue Einstufung stoppt Präsenzunterricht

„Alle Hundetrainer in NRW sind ratlos und hoffen endlich auf Hilfe“, schildert die Dorstener Hundetrainerin Kerstin Lambert (Hundeschule Pfotenarbeit). Besonders unverständlich sei die im November veränderte Einstufung der Hundeschulen durch das Landesministerium, die dafür sorgt, dass Präsenzunterricht verboten wurde. „Plötzlich wurden wir als außerschulische Bildungseinrichtung eingestuft, obwohl wir all die Jahre zuvor als Dienstleister eingestuft waren und so nach wie vor beim Finanzamt und bei der IHK geführt werden“, erklärt Kerstin Lambert. Im ersten Lockdown wurden Hundeschulen zumindest in Dorsten dagegen einige Wochen lang als Freizeiteinrichtung betrachtet. „Da habe ich noch eine schriftliche Erklärung erhalten, dass ich Dienstleister bin“, erinnert sich Kerstin Lambert.

Obwohl der Unterricht draußen mit einem Mindestabstand von drei Metern unter den Teilnehmern stattfindet, kam der Betrieb somit zum Stehen. „Auch in der neuen Öffnungsplanung wurden wir völlig vergessen, weder Hundeschulen noch außerschulische Bildungseinrichtungen werden dort erwähnt“, kritisiert die Dorstenerin. Anrufe beim Gesundheitsministerium führten ins Leere. „Während Zoos sogar ohne Personenbeschränkung auf den Außenflächen öffnen dürfen, können Hundeschulen mit fünf bis sieben Teilnehmern auf tausenden Quadratmetern freier Fläche nicht arbeiten“, wundert sich Kerstin Lambert.

Momentan können Hundeschulen kein Gruppentraining anbieten. © privat © privat

Frühe Erziehung entscheidend

„Gerade Gruppenstunden sind sehr wichtig, um die Hunde zu sozialisieren, gesellschafts- und alltagstauglich zu prägen, zu erziehen und auszubilden“, unterstreicht Kerstin Lambert. Die Prägephase bei Welpen sei biologisch vorgegeben und zeitlich auf wenige Wochen begrenzt. Je früher man mit der Erziehung beginne, umso unkomplizierter sei das spätere Zusammenleben mit dem neuen Familienmitglied.

„Die Hunde brauchen Sozialkontakte. Wir trainieren draußen in der Öffentlichkeit, damit Hunde auch unter Ablenkung, in Anwesenheit anderer Vierbeiner, bei Begegnungen mit Joggern, Radfahrern und sonstigen Umweltreizen, gehorchen lernen und entspannt damit umgehen“, fasst die Hundetrainerin die Bedeutung des Gruppentrainings zusammen und warnt vor den Folgen der ausbleibenden Hundeerziehung. „Hat schon mal jemand darüber nachgedacht, welche Folgen es haben wird, wenn in einigen Monaten unerzogene, schlecht sozialisierte, an der Leine pöbelnde Hunde mit überforderten Besitzern draußen in der Öffentlichkeit unterwegs sind?“, fragt Kerstin Lambert. Viele Besitzer könnten ihre Hunde aus Überforderung wieder im Tierheim abgeben.

Unterschiede zu anderen Bundesländern

Für großen Unmut unter den Hundetrainern habe zudem die Aussage von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey („Es kann nicht sein, dass Hunde früher wieder in die Schule gehen als Kinder“) gesorgt. „Das empfinden wir als absoluten Schlag ins Gesicht“, betont Kerstin Lambert. Schließlich sei ein Homeschooling bei Hunden nicht möglich.

Während in anderen Bundesländern wie Schleswig-Holstein und Bayern Gruppenstunden bereits erlaubt sind oder bald starten, werde in der neuen Corona-Schutzverordnung in NRW Hundetraining überhaupt nicht erwähnt. „Wir wissen nicht, welche Öffnungsschritte für uns relevant sind und wie wir uns auf die Flut an wartenden Hundebesitzern vorbereiten sollen“, beschreibt die Dorstenerin die aktuelle Unsicherheit.

Welpen lernen in der Hundeschule unter anderem spielerisch den Umgang mit anderen Hunden. © privat © privat

Hundetrainer sind überwiegend Soloselbstständige, denen seit Monaten Einnahmen fehlen. „Wir sehen unsere Arbeit eindeutig als wichtig für die öffentliche Sicherheit und Ordnung. Bei uns lernen auch zukünftige Rettungs-, Assistenz- oder Schulbegleithunde die ersten Grundlagen einer guten Sozialisierung, Erziehung und Ausbildung“, betont Kerstin Lambert.

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Bastian Becker
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