Knut van der Wurp versteht das Konzept der Impfungen nicht. Er wartet weiter auf Impftermine für seine Mitarbeiter. © Julian Schäpertöns (A)
Ambulante Pflege

„Wir verdursten und verhungern“: Ambulante Pfleger ohne Impftermine

Im Gegensatz zu ihren Kollegen in Pflegeheimen wurden ambulante Pfleger noch nicht gegen Corona geimpft. Das sorgt in Dorsten für Unmut, auch, weil vieles auch jetzt noch unklar bleibt.

Vielfach hat man diese Sätze in den vergangenen Wochen bereits gehört: „Wir kriegen keine Termine, man kommt bei der Hotline nicht durch. Es ist alles offen, wir haben noch keine Info.“ Die Knappheit des Impfstoffes betrifft auch Gordon Zech, Inhaber und Geschäftsführer des ambulanten Dorstener Pflegedienstes „Die Aktivpflege“. Denn anders als die Kollegen in Pflegeheimen stehen die Pflegekräfte, die pflegebedürftige Menschen im eigenen Haushalt betreuen, weiter unten auf der Impfliste.

Ungleichbehandlung ärgert ambulante Pflegedienste

„Wir versorgen das gleiche Klientel wie die stationären Pflegekräfte, werden aber anders behandelt“, stellt er heraus. Die Mitarbeiter wollen geimpft werden und fragen deshalb regelmäßig nach, ob es etwas Neues zu dem Thema gibt.

Ähnlich äußert sich Knut van der Wurp. „Das ist eine traurige Veranstaltung. Ich musste bis zum 1. Februar melden, wer geimpft wird. Wir haben bis jetzt noch keine Information, nicht mal ansatzweise“, berichtet der Geschäftsführer des Pflegedienstes van der Wurp. Das genaue Konzept der Impfung habe er noch nicht verstanden.

Er erhalte zwar regelmäßig Post von Pflegeverband und Gesundheitsministerium. Die Informationen würden sich aber jeden zweiten Tag ändern. „Wir sitzen praktisch auf dem Trockenen. Wir verdursten und verhungern“, stellt Knut van der Wurp den unzureichenden Zustand bildlich dar.

Transportfrage bei pflegebedürftigen Impflingen

Etwas anders sieht es beim Dorstener Pflegedienst aus. Die Mitarbeiter haben laut Pflegedienstleiterin Denise Wagner eine Bescheinigung für das Impfzentrum erhalten. Allerdings sei die Impfbereitschaft unter den Mitarbeitern recht gering. Aus Sicht der Pflegedienstleiterin entsteht aber im Zusammenhang mit der Impfung ein anderes Problem: „Wie kommen die Leute, die einen Termin haben, hin? Bei Pflegegrad 5 ist das schwierig. Die Patienten werden wohl teilweise von uns gefahren“, erklärt Denise Wagner.

Abstände können nicht immer eingehalten werden

Alle Mitarbeiter in den ambulanten Pflegediensten tragen natürlich die entsprechende Schutzkleidung. Aber die Abstände können die Pfleger nicht bei allen Tätigkeiten einhalten. „Bei der Körperpflege kann man die Abstände nicht einhalten. Gerade demente Patienten suchen die Nähe“, weiß Denise Wagner.

„Mehr geht ja nicht, als Hygienemaßnahmen einzuhalten und Schutzkleidung zu tragen“, findet Gordon Zech, der auch weiß, dass es in der Pflege immer Ausnahmen gibt. „Außer der Einschaltung des Hygieneschutzkonzepts hat sich im Pflegealltag null verändert“, stellt auch Knut van der Wurp fest. Der Umgang mit Infizierten verschiedener Art gehöre für die ambulanten Pflegekräfte eigentlich zum Alltag.

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Bastian Becker

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