Ein Dorstener Landwirt räumt Schnee vor dem Gerätehaus der Feuerwehr in Dorf Hervest. Überall in der Stadt helfen die Landwirte seit vergangenem Wochenende mit schwerem Gerät beim Winterdienst. © privat
Schnee

Winterdienst statt Demo: Dorstener Landwirte helfen im Schnee-Chaos

Den letzten Kilometer fuhr der Notarzt auf dem Trecker mit: Dorstener Landwirte sind seit dem Wintereinbruch als Helfer zur Stelle. Dabei müssten sie eigentlich demonstrieren.

Es ist wohl der Worst Case bei einem so heftigen Wintereinbruch: Als Rettungskräfte am Montagnachmittag mitten im Schneetreiben ausrückten, weil eine Person über Atemnot klagte und Verdacht auf Herzinfarkt bestand, erreichte der Krankenwagen den Einsatzort am Hevixberg in Lembeck nicht aus eigener Kraft.

Stefan Große-Boes reagierte sofort. Der Lembecker Landwirt startete seinen Trecker und versuchte zunächst, dem Notarzt die Straße freizuräumen. „Das hat aber nicht geklappt“, berichtet Große-Boes. „Der Krankenwagen fuhr sich fest und in der Eile haben zwei Rettungskräfte dann das Wichtigste zusammengepackt und sind den restlichen Weg bei mir auf dem Trecker mitgefahren.“

Fotostrecke

Landwirte helfen im Schnee-Chaos

Für Stefan Große-Boes eine Selbstverständlichkeit. Und wie er sind seit dem Wochenende viele Dorstener Landwirte als Helfer im Einsatz, ziehen festgefahrene Autos aus dem Schnee und räumen dort, wo es der Winterdienst der Stadt nicht tut.

Umstrittenes Insektenschutzpaket verabschiedet

Normalerweise wären viele von ihnen gerade in Berlin und Bonn, um gegen das umstrittene Insektenschutzpaket zu demonstrieren, das am Mittwoch (10.2.) nach monatelangem Ringen vom Bundeskabinett beschlossen wurde. Viele Landwirte sehen durch einen restriktiveren Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ihre wirtschaftliche Existenz gefährdet.

„Wenn man als Nicht-Landwirt in der Presse liest, dass die Bauern gegen Insektenschutz demonstrieren, dann denkt man sofort: Wie kann man denn dagegen sein?“, sagt Bernd Lienemann, Ortsvorsitzender der Lembecker Landwirte. „Die ganzen Hintergründe sind aber so komplex, dass man sie nur sehr umfangreich erklären kann, damit man sie versteht.“

Hilfe vor Ort hat Vorrang

Eigentlich, sagt Lienemann, müsse man sich um diese wichtigen Themen kümmern. „Aber jetzt im Moment ist es wichtig, dass den Leuten vor Ort geholfen wird und das hat gerade Vorrang.“

Die Landwirte in Dorsten helfen freiwillig und werden für ihre Einsätze nicht bezahlt. Sie tragen auch das Risiko bei etwaigen Schäden. Eine Kooperation, wie beispielsweise in Münster, wo der Entsorgungsbetrieb der Stadt die Landwirte beauftragt und der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) die Einsätze koordiniert, gibt es in Dorsten nicht. Haftungsfragen werden in Münster über den Kommunalen Schadenausgleich geregelt und die Landwirte werden für ihren Einsatz bezahlt.

Dorstens Landwirte organisieren sich in WhatsApp-Gruppen, das haben sie auch schon vor dem Wintereinbruch getan. Aktuell macht dort ein Screenshot eines Textes die Runde: Man lese derzeit viel über die große Hilfsbereitschaft der Landwirte und dass alle sehr dankbar seien, steht da sinngemäß. Daran solle man sich erinnern, wenn es das nächste Mal nach Gülle riecht oder spät am Abend Erntearbeiten gemacht werden müssten: „Es könnte der Landwirt mit dem Trecker sein, der euch jetzt geholfen hat.“

Über den Autor
Redakteur
Einst aus Sachsen nach Westfalen rübergemacht. Dort in Münster und Bielefeld studiert und nebenbei als Sport- und Gerichtsreporter gearbeitet. Jetzt im Ruhrpott gelandet. Seit 2016 bei Lensing Media.
Zur Autorenseite
Robert Wojtasik

Der neue Lokalsport-Newsletter für Dorsten

Immer freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Dorstener Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.