Dr. Mike H. Baums, hier auf einem Archivfoto vor der Corona-Pandemie, ist Chefarzt in der Klinik für Chirurgie, Fachbereich Orthopädie. © G. Schmidt
Coronavirus

Wie schützt das Dorstener Krankenhaus Patienten vor einer Ansteckung?

Geplante Operationen finden im Dorstener Krankenhaus wieder statt. Aber Patienten sorgen sich vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus. Chefarzt Dr. Mike Baums erklärt Abläufe im Interview.

Die Corona-Situation im Dorstener St. Elisabeth-Krankenhaus hat sich zuletzt wieder etwas beruhigt. Alle geplanten Operationen und Eingriffe könnten nun „unter strengen Hygienerichtlinien wieder aufgenommen“ werden, teilte das Krankenhaus kürzlich mit. Das gelte für Operationen an Knie und Hüfte genau wie für Darmspiegelungen.

Aus Angst, sich mit dem Coronavirus anzustecken, meiden aber immer noch viele Patienten die Klinik und gefährden sich damit möglicherweise. Im Interview spricht Dr. Mike H. Baums unter anderem darüber, was das Krankenhaus tut, um Patienten vor einer Ansteckung zu schützen. Baums ist Chefarzt der Klinik für Chirurgie, Fachbereich Orthopädie, Unfallchirurgie und Sporttraumatologie.

Es ist ja immer von „planbaren“ oder „geplanten“ Operationen die Rede. Planbar bedeutet ja aber nicht unnötig. Um was für Eingriffe geht es konkret?

In unserem Fachgebiet sind planbare Eingriffe in erster Linie künstliche Gelenk-Ersätze, die wir bei uns an Hüfte, Knie und Schulter anbieten. Aber es gehören auch Gelenkspiegelungen und gegebenenfalls Materialentfernungen dazu, also zum Beispiel das Herausnehmen einer Platte, die jemand nach einem Knochenbruch eingesetzt bekommen hat. Auch Fußoperationen oder Eingriffe am Karpaltunnel an der Hand gehören dazu.

Welche dieser scheinbar nicht besonders dringlichen Eingriffe können nicht unendlich aufgeschoben werden?

Das gilt für den Riss des vorderen Kreuzbandes oder einen frischen Meniskusriss bei jungen Patienten genauso wie für ein künstliches Hüftgelenk: Mit zunehmendem Schmerz ist der Patient irgendwann womöglich gar nicht mehr mobil. Das ist immer noch nicht vergleichbar mit einem Knochenbruch, den man unmittelbar im Krankenhaus versorgen sollte. Aber es sind eben auch Behandlungen, die man gerne innerhalb weniger Wochen operativ abschließt.

Gab es zu irgendeinem Zeitpunkt eine Unterversorgung im Krankenhaus?

Nein, die gab es zum Glück zu keinem Zeitpunkt. Irgendwann im Frühjahr kam die Direktive von des Landesregierung, dass alle planbaren Eingriffe abgesetzt werden sollen. Daran haben wir uns natürlich gehalten und über einen gewissen Zeitraum auch keine solche Operationen gemacht. Nun machen wir sie wieder, aber es gibt immer noch Ausfälle, weil Patienten ängstlich sind und den Eingriff von sich aus hinauszögern möchten.

Was tut das Krankenhaus, um Patienten vor einer Ansteckung zu schützen?

Wir testen alle Patienten, die wir aufnehmen. Bei planbaren Operationen werden Patienten zwei Tage vor der Aufnahme getestet, sodass am Tag der Aufnahme das Testergebnis auf jeden Fall vorliegt. Bei nicht planbaren Eingriffen, wie zum Beispiel bei Knochenbrüchen, werden Patienten getestet und kommen unmittelbar auf eine räumlich klar getrennte Isolierstation. Wenn das Ergebnis dann vorliegt, meist am nächsten Tag, und der Test negativ ist, kommen die Patienten auf die normale Station.

Im St. Elisabeth-Krankenhaus in Dorsten gilt aktuell ein Besuchsverbot.
Im St. Elisabeth-Krankenhaus in Dorsten gilt aktuell ein Besuchsverbot. © Robert Wojtasik © Robert Wojtasik

Was ist mit den wirklichen Notfällen, die sofort operiert werden müssen?

Da erfolgen Eingriffe auch ohne vorliegendes Testergebnis unter entsprechenden Voraussetzungen. In der Anästhesie gibt es beispielsweise eine spezielle Vorrichtung, um auch das Infektionsrisiko für die Mitarbeiter so gering wie möglich zu halten. Der Notfall-Patient wird dann aber auch getestet und kommt auf die normale Station, sobald ein negatives Testergebnis vorliegt.

Was wird noch für die Sicherheit der Patienten getan?

Alle Mitarbeiter tragen FFP2-Masken und wir testen unser Personal bereits seit dem letzten Jahr regelmäßig. Wir haben das Besuchsverbot mit kleinen Ausnahmen, die greifen, wenn Patienten im Sterben liegen. Für externe Menschen sind wir im Prinzip geschlossen – wer reinkommt, wurde vorher auch getestet. Damit kann man das Risiko zumindest einigermaßen minimieren, ganz ausschließen kann man es nicht, das ist auch klar.

Gab es Fälle, in denen sich Patienten im Krankenhaus angesteckt haben?

Bei uns in der Abteilung zum Glück noch nicht, über die anderen Abteilungen habe ich keinen Überblick. Aber für den Fachbereich Orthopädie kann ich sagen, dass sich unser Konzept durchaus bewährt hat. Was wir aber schon häufiger hatten, sind symptomlose Patienten, die hier dann positiv getestet wurden und die dann auch nicht reingekommen sind.

Nach einer Operation geht es ja nicht immer direkt nach Hause, häufig schließt sich eine Reha an. Wie ist da der Ablauf?

Die Patienten werden direkt von hier in die Reha entlassen, sie dürfen also nicht erst nach Hause. Sie werden bei uns noch mal getestet und dann von den Reha-Kliniken übernommen. Der Großteil der Reha-Kliniken, mit denen wir zusammenarbeiten, macht dann noch einen weiteren Test bei der Aufnahme.

Über den Autor
Redakteur
Einst aus Sachsen nach Westfalen rübergemacht. Dort in Münster und Bielefeld studiert und nebenbei als Sport- und Gerichtsreporter gearbeitet. Jetzt im Ruhrpott gelandet. Seit 2016 bei Lensing Media.
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Robert Wojtasik

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