So gehen Dorstener Kitas mit kranken Kindern und arbeitenden Eltern um

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Fieber, Durchfall, Hand-Fuß-Mund-Krankheit - Kitas sind ein Tummelbecken für Krankheitserreger. Doch wie gehen die Dorstener Einrichtungen mit kranken Kindern um? Wir haben uns umgehört.

Dorsten

, 08.04.2019, 16:30 Uhr / Lesedauer: 4 min

Die Hauptsaison für Kita-Krankheiten steckt gerade in den letzten Zügen. Bald wird es wärmer und Schnupfen und Co werden wieder seltener. Doch noch müssen Eltern den Spagat zwischen Arbeit und dauerkranken Kindern irgendwie meistern.

Einheitliche Regelungen gibt es in Dorsten nach unserer Recherche nicht. Dem Infektionsschutzgesetz sind natürlich alle Kitas unterstellt, aber dort geht es eher um stark ansteckende Krankheiten wie Masern oder Scharlach.

Einrichtungen erstellen eigene Richtlinien für den Umgang mit kranken Kindern

Daniela Surmann vom Referat Tageseinrichtungen für Kinder beim für Dorsten zuständigen Caritasverband für die Diözese Münster erklärt, dass jede Einrichtung die Regelungen „orientiert am Kindeswohl und in Absprache mit den Eltern“ selbst treffen würde. Ähnlich formuliert es auch der Evangelische Kirchenkreis Gladbeck-Bottrop-Dorsten.

Die Stadt Dorsten gibt ihren Kitas verschiedene Empfehlungen zum Umgang mit unter anderem Krätze, Masern, der Hand-Fuß-Mund-Krankheit sowie der Gabe von Medikamenten in der Einrichtung an die Hand. Unter den Empfehlungsschreiben, die an die Kitas weitergeleitet werden, befindet sich auch ein Vordruck für einen Aushang. Darin werden Eltern eindringlich gebeten, ein krankes Kind nicht in die Kita zu bringen.

Claudia Jägering ist Leiterin des Familienzentrums St. Agatha am Westwall. Für sie ist das Thema Krankheiten ein schwieriges. „Es gibt wenig grundlegende Regelungen und somit wenig Handhabe für uns“, sagt sie. Das Verständnis, wie lange ein Kind bei Krankheit zu Hause bleiben müsse, sei bei jedem anders.

Kinder erzählen in der Kita, dass sie morgens noch gebrochen haben

Man könne nur an die Eltern appellieren und darauf hoffen, dass sie kein krankes Kind in die Kita brächten. „Manchmal erzählt ein Kind dann im Laufe des Vormittags, dass es morgens noch gebrochen hat“, erzählt Jägering. Manchmal erreiche man auch Eltern nicht, wenn man wegen eines erkrankten Kindes anrufe, oder die Eltern könnten aufgrund ihrer Arbeit das Kind nicht spontan abholen.

Das kommt in der evangelischen Kita Wittenbrink (Im Hundel) auch häufiger vor. In dieser Zeit wird das Kind dann bis zum Abholen von einer Erzieherin an einem ruhigen Ort betreut. 24 Stunden müssen die Kinder symptomfrei sein, bis sie wieder in die Wulfener Kita dürfen.

Diskussionen und Konfrontationen mit Eltern bei dem Thema

Auch in der Elterninitiative Pippi Langstrumpf an der Barbarastraße war der Umgang mit Krankheiten gerade erst Thema. „Mit den Eltern gibt es da schon Diskussionen und Konfrontationen“, erzählt Leiterin Cornelia Neese im Gespräch mit unserer Redaktion. Aktuell habe man die Eltern darum gebeten, bei Fieber oder Durchfall die Kinder mindestens 48 Stunden nach Abklingen der Symptome zu Hause zu lassen. Einverstanden waren damit längst nicht alle Eltern.

„Wir wissen, wie schwer es manchmal für arbeitende Eltern ist, das zu organisieren. Wir wollen die Kinder nicht loswerden, wir wollen, dass es ihnen gut geht. Außerdem müssen wir auch die anderen Kinder - vor allem die unter Dreijährigen - schützen“, so Neese. Im Endeffekt hätten die Erzieher da das letzte Wort, denn sie seien für die Fürsorge des Kindes zuständig.

Noch nicht ganz gesunde Kinder, die zu Hause verhältnismäßig fit wirken würden, würden in der Kita oft schnell abbauen. Denn für sie sei Kita in gewisser Weise „Arbeit“ und viel anstrengender als zu Hause bei Mama oder Papa.

Wann ein Kind nach Hause geschickt werde, ist oft eine Gratwanderung

Wann ein Kind nach Hause geschickt werde, sei immer eine Gratwanderung. „Wir sind keine Ärzte, aber wir haben Erfahrung im Umgang mit den Kindern und schicken niemanden mit einem Schnupfen nach Hause, sondern wägen immer ab“, erklärt Neese. Als es vor Jahren einmal eine schlimme Krankheitswelle in der Kita Pippi Langstrumpf gab, griff Neese durch und verlangte sogar nach jeder Krankheit grundsätzlich eine „Gesundschreibung“ vom Arzt.

Ganz klar geregelt, wann ein Kind nach welcher Krankheit wann wieder in die Kita kommen darf, ist es in der evangelischen Kindertagesstätte Arche an der Hindemithstraße. Die Erzieher dort beziehen sich auf die Wiederzulassungstabelle für Gemeinschaftseinrichtungen des Robert-Koch-Instituts. Dort sind alle Krankheiten aufgelistet und dort steht auch, wann die Kinder wieder in die Kita dürfen (beispielsweise nach 24 fieberfreien Stunden beim Drei-Tage-Fieber).

„Somit unterliegt das nicht unserer Willkür, sondern ist die offizielle Empfehlung. Denn es ist ja so: Ein nicht mehr krankes Kind ist nicht unbedingt gesund“, sagt Leiterin Nadine Gelissen. Ab einer Körpertemperatur von über 38 Grad sei das Kind zudem zu krank für die Einrichtung.

Außerdem bitte man die Eltern, ansteckende Krankheiten zügig zu melden, damit man beispielsweise schwangere Mütter mit Kindern in der Kita informieren könne.

Schwangere Mütter werden über ansteckende Krankheiten informiert

In der städtischen Kita Am Kreskenhof rufen die Erzieher die Eltern bei einer Körpertemperatur ab 38,5 Grad, bei Durchfall oder Erbrechen an. „Dann muss das Kind abgeholt werden. Wenn wir nur den Eindruck haben, dass das Kind an diesem Tag besser zu Hause aufgehoben wäre, ist das Abholen kein Muss“, sagt Leiterin Katja Zouhar.

„Bei vielen Eltern ist der Druck durch die Arbeit hoch“

Generell hätten die Eltern dafür Verständnis. Schwieriger sei das beim Einhalten der Zeiten nach Fieber (28 Stunden) und Durchfall bzw. Erbrechen (48 Stunden). „Da fehlt das Verständnis manchmal. Bei vielen ist der Druck durch die Arbeit hoch“, erzählt Zouhar.

Alle befragten Kitas behalten sich vor, bei nicht abreißenden Krankheitswellen vorübergehende Maßnahmen zu treffen. Manche fordern dann ärztliche Atteste, manche appellieren an die Eltern, die Kinder länger nach Abklingen der Symptome zu Hause zu lassen.

„Das System passt nicht zu den Veränderungen in den Kitas“

Daniela Surmann vom Referat Tageseinrichtungen für Kinder beim Caritasverband für die Diözese Münster bringt das Dilemma auf den Punkt: „Das System hat sich nicht der Veränderung der Kitas angepasst. Immer jüngere Kinder gehen in die Kitas und die Kinder bleiben immer länger dort. Oft gibt es keine Großeltern in der Nähe und beide Eltern wollen oder müssen Vollzeit arbeiten gehen“, sagt sie. Eltern seien vollkommen abhängig von der Betreuung durch die Kita, diese könne das jedoch nicht in der Form leisten.

  • Die rechtliche Grundlage für den Umgang mit ansteckenden Krankheiten in Kitas bildet das Infektionsschutzgesetz (IfSG).
  • Vor allen Dingen geht es darin darum, wann und wie welche Krankheiten an das Gesundheitsamt gemeldet werden müssen.
  • Dort ist beispielsweise aber auch geregelt, dass bei hochansteckenden Krankheiten wie beispielsweise Masern, Mumps, Keuchhusten, Scharlach, Windpocken, Läusen oder Krätze das Kind die Einrichtung erst wieder besuchen darf, wenn der Arzt bestätigt, dass keine Ansteckungsgefahr mehr von ihm ausgeht
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