Auch in Dorstener Weihnachtspäckchen landet manchmal Schrott - und Schlimmeres

dzTafel sammelt Geschenke

Erste Tafeln kapitulieren vor dem Schrott in gespendeten Weihnachtspäckchen. In Dorsten gab’s schon Schlimmeres als unbrauchbaren Müll, die Tafel hält dennoch tapfer an ihrer Aktion fest.

Dorsten

, 19.11.2019, 15:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Wattenscheider Tafel verteilt keine Weihnachtspäckchen mehr an Bedürftige. Der Verein hat sich dazu entschlossen, weil der Inhalt der Päckchen immer häufiger aus Müll bestehe - abgetragenen Kinderschuhen zum Beispiel oder Spielzeug-Autos, die nur noch drei Räder haben.

„Kann ich bestätigen“, sagt Hedwig Schnatmann, Leiterin des Dorstener Tafel-Ladens an der Dimker Allee in Wulfen-Barkenberg. Zerfledderte Bücher, kaputtes Spielzeug, alte Turnschuhe - mancher Päckchen-Inhalt landet bei der Tafel direkt im Müll. Aber halt nur mancher. „Wir haben das bisher immer gut hingekriegt“, sagt Hedwig Schnatmann. „Deshalb machen wir auch weiter.“

Die schlimmsten Spenden kommen direkt auf den Müll

Aber vor jeder Neuauflage werde überlegt, ob die Vorteile noch immer überwiegen gegenüber unangenehmen Begleiterscheinungen, die es im übrigen immer schon gegeben habe. Traurig-ekliger Höhepunkt der „unbrauchbaren“ Spenden sei eine kotbeschmierte Unterhose gewesen, erinnert sich Hedwig Schnatmann. Die Tafel-Mitarbeiter hätten darum nicht viel Aufhebens gemacht. „Wir haben das ganze Päckchen weggeschmissen und fertig.“ Auf eine solche bewusste Beleidigung der ehrenamtlichen Helfer und der bedürftigen Empfänger reagiere man besser gar nicht, glaubt Hedwig Schnatmann.

Gedankenlosigkeit mag sie dem „Unterhosen-Spender“ allerdings nicht zugute halten. „Wer angeschlagenes Spielzeug ins Päckchen legt, glaubt dagegen vielleicht, das sei für die Empfänger besser als nichts“, vermutet Hedwig Schnatmann, räumt aber mit diesem Glauben gleich auf. Zu Weihnachten sollen sich die Tafel-Kunden und ihre Familien auch mal über etwas Besonderes freuen können.

Haltbare Lebensmittel und kleine „Luxusartikel“ sind gefragt

Haltbare Lebensmittel, wie Kaffee, Tee, Konfitüre, Nüsse, Plätzchen, Säfte und Süßigkeiten, sind in den Päckchen ebenso gern gesehen wie Shampoo, Duschgel, Seife, Deos oder Creme. Kleine Geschenke wie Stofftiere, Bilderbücher und Spielzeug und Weihnachtsschmuck stellen zusätzlich beliebte „Beigaben“ dar.

Weil die Tafeln verpflichtet sind, aus lebensmittelrechtlichen Gründen den Inhalt der Päckchen zu kontrollieren, werden die Spender gebeten, ihr Päckchen oben offen zu lassen. Den Tafel-Mitarbeitern ermöglicht diese Vorschrift nicht nur, ungeeignete Geschenke zu entdecken und Enttäuschungen zu vermeiden, sondern auch, die Päckchen möglichst passgenau weiterzugeben. Schnatmann nennt ein Beispiel: „Die muslimische Familie braucht keine Leberwurst.“ Mit dem beigefügten Weihnachtsschmuck richten die Mitarbeiter der Tafel jedes Päckchen nach der Kontrolle wieder hübsch her.

Abgesehen von manchem Schrott sei die Paketaktion eine „wunderschöne Sache“, freut sich Hedwig Schnatmann über die Spendenbereitschaft der Dorstener Mitbürger und hofft auf möglichst viele Weihnachtspäckchen, die vom 25. November bis zum 14. Dezember an zahlreichen Sammelstellen abgegeben werden können.

Weihnachtsüberraschungen für die Kinder

Neben den Päckchen verteilt die Tafel bei der Bescherung am 19. Dezember auch Dinge wie Kleidung, Spielsachen, Bücher, Weihnachtspapier und Servietten.

Da dürfen Großeltern auch ein Spielzeug fürs Enkelkind mitnehmen, damit sie an Weihnachten etwas zum Verschenken haben.

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Die Erfahrung mancher Kleiderkammern, dass immer mehr Kleidungsstücke von schlechter Ausgangsqualität in nicht mehr tragbarem Zustand abgegeben werden, die sich nicht mehr zum Weitergeben eignen, teilt Hedwig Schnatmann nicht. „Vereinzelt müssen wir mal was aussortieren“, berichtet sie. „Aber im Großen und Ganzen bekommen wir gut erhaltene Sachen, die wir guten Gewissens weiterreichen können.“ Die Regel ist einfach: An die Tafel-Kunden werde generell nur abgegeben, was die Mitarbeiter selbst auch noch tragen würden.

Sammelstellen in der ganzen Stadt

Abgabe vom 25. November bis 14. Dezember Gesamtstadt: Stadtinfo Dorsten, Recklinghäuser Straße 20, Montag bis Freitag, 9 bis 18 Uhr, Samstag, 9.30 bis 14 Uhr. Rhade: Pfarrbüro St. Urbanus, Urbanusring 19, Montag, Mittwoch und Donnerstag, 9 bis 11.30 Uhr, Freitag, 15 bis 17 Uhr; Familienzentrum St. Urbanus, Fröbelweg 4, Montag bis Donnerstag, 9 bis 16 Uhr, Freitag, 9 bis 15 Uhr. Lembeck: Pfarrbüro St. Laurentius, Am Pastorat 3, Montag, Mittwoch und Freitag, 8 bis 11.30 Uhr, Dienstag und Mittwoch, 15 bis 17 Uhr. Holsterhausen: Pfarrbüro St. Bonifatius, Annettestraße 11, Montag, Mittwoch und Freitag, 9 bis 11.30 Uhr, Donnerstag, 15 bis 17.30 Uhr. Hervest: Gemeindebüro Paul-Gerhardt-Haus, Glück-Auf-Straße 8 (Übergangsbüro), Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag, 9 bis 11 Uhr, Dienstag und Donnerstag, 15 bis 17 Uhr, Mittwoch, 12 bis 14 Uhr. Wulfen: Dorstener Tafel, Dimker Allee 20 (Handwerkshof), Dienstag und Freitag, 14 bis 17 Uhr. Altstadt: Pfarrbüro St. Agatha, An der Vehme 3, Montag bis Freitag, 10 bis 12 Uhr, Montag, 15 bis 16.30 Uhr, Donnerstag, 16 bis 18 Uhr. Altendorf-Ulfkotte: Kardinal-von-Galen-Grundschule, Im Päsken 14, Schulsekretariat, Dienstag, 8 bis 12 Uhr, Mittwoch, 8 bis 10 Uhr.
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