Auch in Hausarztpraxen können sich Menschen jetzt gegen das Coronavirus impfen lassen. © dpa
Coronavirus

Wenig Impfstoff, einige Fragen: Impfstart bei Dorstener Hausärzten

Auch in Dorsten beginnen nun die Corona-Impfungen in den Hausarztpraxen. Die Vorbereitungen laufen nicht überall reibungslos. Eine große Idee scheitert an der geringen Impfstoffmenge.

Das Telefon steht am Dienstagmorgen in den Dorstener Hausarztpraxen nicht still. Die Ankündigung, dass die Hausärzte nun ebenfalls gegen das Coronavirus impfen dürfen, bewegt die Patienten. „Alle wollen sich informieren, aber ich kann jedem nur das Gleiche sagen“, berichtet Angelina Trommeshauser, medizinische Fachangestellte in der Praxis von Matthias Strickling.

An diesem Mittwoch geht es in dieser Praxis wie in vielen anderen los, geimpft wird aber auch bei den Hausärzten strikt nach der Prioritätsliste. „Wir impfen nur unsere eigenen Patienten und telefonieren diese nacheinander ab“, erklärt Angelina Trommeshauser das Prozedere. Zunächst werden also die Menschen, die 80 Jahre und älter sind, angerufen. Jede Woche bestellt die Praxis 50 Impfdosen, zwischen 20 und 50 werden dann je nach Verfügbarkeit geliefert. Zu Beginn können erst einmal nicht so viele Termine angeboten werden. Patienten müssen also warten, bis die Praxis sie kontaktiert.

Dr. Jan-Gerrit Voigt, Hausarzt mit Gemeinschaftspraxen in Östrich und Altendorf-Ulfkotte, hat für die ersten Impfungen ebenfalls 50 Dosen bestellt – erhalten wird die Praxis für die erste Woche nur 15. Die Bestellung erfolgt immer eine Woche im Voraus. Aber es gibt noch das ein oder andere Problem.

Bestell-Seite war blockiert

„Die Seite für die Bestellung ist blockiert, der Ansprechpartner ist telefonisch nicht zu erreichen“, erzählt Jan-Gerrit Voigt. Dabei geht es auch um den Impfstoff AstraZeneca, den seine Praxis noch nicht vorrätig hat. Zunächst werden alle mit Biontech geimpft.

Dr. Jan-Gerrit Voigt weiß noch nicht genau, welchen Impfstoff er in den kommenden Wochen in welcher Menge verimpfen kann.
Dr. Jan-Gerrit Voigt weiß noch nicht genau, welchen Impfstoff er in den kommenden Wochen in welcher Menge verimpfen kann. © Manuela Hollstegge (A) © Manuela Hollstegge (A)

„Wir telefonieren permanent. Aber was nächste Woche kommt, wissen wir nicht“, stellt der Hausarzt verwundert fest. Eigentlich sei es für die Praxismitarbeiter nicht zu leisten, alle Patienten von sich aus zu kontaktieren. Jan-Gerrit Voigt wird dabei von seiner Frau unterstützt, die sich mit den Details der Impfreihenfolge auskennt.

Noch ist für die Praxen einiges unklar

„Es ist unverantwortlich, dass die Praxen für die Umsetzung der extrem engen Priorisierungskriterien verantwortlich sind, die wenig Spielraum lassen. Seit Karfreitag telefoniere ich mir die Finger wund“, ärgert sich diese und erläutert, dass zunächst eine Liste mit allen Patienten ab 80 Jahren aufgestellt wurde. Die musste sie anschließend alle anrufen. Denn der Praxis liegen seitens des Impfzentrums keine Informationen vor, wer bereits geimpft ist. „Viele Dinge müssen berücksichtigt werden.“

Dazu zählt eine weitere Differenzierung der Patienten nach Pflegestufen. Denn besonders Pflegebedürftige (Stufe 4 und 5) dürfen zusätzlich zwei Angehörige, die sich um sie kümmern, impfen lassen. Das führe zu diversen Listen. „Aber wir wissen ja noch nicht mal, wie viel und welchen Impfstoff wir nächste Woche bekommen“, sagt die Frau des Dorstener Arztes. Erst Mitte der jeweils vorhergehenden Woche würden die Praxen darüber informiert und können dann die Termine vergeben.

Plan für Dorstener Impfzentrum verworfen

Bereits am Dienstag wurden die ersten Patienten im MVZ Glowania geimpft. Von seiner ursprünglichen Idee musste sich Alfred Glowania allerdings verabschieden. „In unseren leerstehenden Praxisräumen hätten wir ein großes Impfzentrum in Dorsten machen können“, erklärt er seinen Plan. Ein Arzt habe sich schon bereit erklärt, die Impfungen zu übernehmen.

Alfred Glowania ist etwas enttäuscht über die geringe Menge der Impfstoffdosen, die an die Hausärzte gehen.
Alfred Glowania ist etwas enttäuscht über die geringe Menge der Impfstoffdosen, die an die Hausärzte gehen. © Claudia Engel © Claudia Engel

Doch daraus wird angesichts der überschaubaren Impfstoffmenge nichts. „Die Zahl der Dosen ist sehr mickrig ausgefallen. So macht es keinen Sinn“, findet Alfred Glowania. So ruft jetzt jede Praxis (zehn impfen im MVZ) selbst ihre Patienten an und vereinbart Termine. Das sei natürlich ein zusätzlicher Aufwand. Aber Alfred Glowania macht klar: „Man sollte in Anbetracht der Pandemie alles tun, damit der Spuk vorbeigeht.“

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Bastian Becker

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