Weil Mundschutzmasken fehlen: Frauen aus Dorsten lassen ehrenamtlich Nähmaschinen rattern

dzCoronavirus

Weil Mundschutzmasken in Gesundheitsberufen fehlen, lässt eine ehrenamtliche Frauen-Gruppe in Dorsten-Lembeck die Nähmaschinen rattern. Ein echtes Vorbild im Kampf gegen das Coronavirus.

Dorsten, Lembeck

, 29.03.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mundschutzmasken werden dringendst gebraucht, wo Menschen engen Kontakt zueinander haben - zum Beispiel in den Gesundheitsberufen. Aber es gibt dort erhebliche Lieferengpässe. Und so haben sich inzwischen allerorten Initiativen gegründet, die damit begonnen haben, Mundschutze selbst für andere herzustellen.

Vorbildfunktion in Dorsten

Eine Vorbildfunktion in Dorsten hat derzeit sicher eine Gruppe von zunächst neun, inzwischen aber fast 20 Frauen aus Lembeck, die unentgeltlich die Nähmaschinen rattern lassen. „Wir wollen damit die Engpässe im medizinischen Bereich und in der Pflege auffangen helfen“, sagt Birgit Micheel.

Die Schneidermeisterin ist Sprecherin der engagierten Initiative, die sich vor gut einer Woche als Teil der Dorf umspannenden „Corona-Hilfe Lembeck“ zusammengefunden hat.

Bislang mehr als 210 Mundschutzmasken

„In diesem Hilfsnetzwerk wurde ich zu der Idee angestoßen“, sagt Birgit Micheel. Die Lembeckerin nahm per WhatsApp Kontakt zu Gleichgesinnten aus ihren Näh-Projekten auf, weitere Hobby-Näherinnen meldeten sich. Und so stellen die neun Frauen, jede für sich allein zu Hause, Mundschutzmasken her, mehr als 210 waren es bis Freitag (28. März).

„Wir verwenden Baumwollstoffe, die nach jedem Gebrauch bei 60 Grad ausgewaschen und damit sterilisiert werden sollen“, erklärt die Sprecherin. Herauskommen die unterschiedlichsten Muster. „Große Stoffteile brauchen wir dazu nicht, wir verwerten Stoffreste, die jede von uns zu Hause hat.“

Mundschutzmodelle "made in Lembeck".

Mundschutzmodelle „made in Lembeck" © Privat

Da sich die Lembeckerinnen natürlich an die aktuellen Verbote halten, „läuft alles kontaktlos ab“. Heißt: Kommuniziert wird über Telefon oder WhatsApp. Die fertigen Mundschutze werden an die Haustür angehängt, eine „Abholerin“ klingelt zwischen 17 und 18 Uhr an den jeweiligen Adressen, nimmt die Schutzmasken in Empfang und bringt sie bei den Empfängern vorbei.

„Wir sind komplett ausgelastet“

Beliefert werden Pflegedienste, Arztpraxen, Seniorenheime. Die Näh-Gruppe beschränkt sich dabei auf die Ortsteile Lembeck und Rhade. „Wir sind komplett ausgelastet, derzeit können wir keine weiteren Anfragen entgegennehmen“, sagt Birgit Micheel.

Deswegen hofft die Gruppe, dass sich in allen anderen Stadtteilen Dorstens ähnliche Initiativen gründen. „Wir haben jedenfalls eine Menge positive Resonanz bekommen“, sagt die Sprecherin. „Deshalb wissen wir, dass überall in Dorsten solche Masken gefragt sind.“

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Da passt es ins Bild, dass auch das St.-Elisabeth-Krankenhaus einen Aufruf gestartet hat. „Ihr sitzt zu Hause und habt Langeweile? Dann nutzt die Zeit und tut etwas Gutes: Näht unseren Mitarbeitern einen Behelfs-Mund-Nasen-Schutz“, heißt es dort. Die fertigen Masken könnt Ihr in unserer Zentralen Aufnahme oder am Haupteingang abgeben.“

Nicht für isolierte Bereiche

Gebrauch will das Dorstener Krankenhaus von den Selfmade-Masken ausschließlich in den Bereichen machen, in denen keine isolierten Patienten liegen oder behandelt werden.

Auch die Lembecker Mundschutzmasken erfüllen nicht die strengen Hygenie-Vorschriften, wie sie für die Kliniken gelten. „Wir richten uns aber nach der offiziellen Näh-Anleitung, die die Stadt Essen für ihre Feuerwehr veröffentlicht hat.“ Birgit Micheel betont: „Beim Tragen schützt man nicht sich selbst, hilft aber mit, die Mitmenschen zu schützen.“

Denn wer eine Maske trägt, fängt seine Tröpfchen, die beim Sprechen, Husten oder Niesen entstehen, mit der Maske auf - auch wenn sie aus Stoff ist.

„Tausende Videos bei Youtube“

Übrigens ist es nach Worten der Lembecker Sprecherin nicht allzu schwer, solche Mundschutzmasken inklusive (Gummi-)Bänder zu fertigen. Im Internet finde man Tausende Youtube-Videos zu dem Thema. „Es muss nur jemand die Organisation in den Ortsteilen in die Hand nehmen.“ Ansonsten gelte: „Wer nähen kann, kann helfen.“

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