Wegen Eichenprozessionsspinnern: Besucher von Dorstener Terrierschau wütend auf Ausrichter

dzEichenprozessionsspinner

Besucher einer Terrierschau im Hervester Bruch haben Hautreizungen durch Eichenprozessionsspinner erlitten. Nun erheben sie schwere Vorwürfe gegen den Veranstalter. Der setzt sich zur Wehr.

Dorsten

, 06.07.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es sollte ein schönes Ereignis für Hund und Mensch werden, doch einige Besucher haben die Terrierausstellung des Terrierklubs Dorsten 90 am vergangenen Wochenende in keiner guten Erinnerung behalten. Eine Teilnehmerin berichtet auf Facebook, es sei „bei etlichen Ausstellern und Besuchern zu heftigen Hautreaktionen gekommen“. Der Grund: Das Gelände ist von Eichenprozessionsspinnern befallen.

Bei Facebook melden sich weitere Betroffene zu Wort. „Wir waren mit sechs Familienmitgliedern da, fünf von uns haben starken Ausschlag“, schreibt eine Mutter und postet ein Foto der von Pusteln übersäten Beine ihrer vierjährigen Tochter. Rund 200 Besucher waren zur Terrierschau auf dem Gelände.

Einige der Besucher und Aussteller erheben schwere Vorwürfe gegen den Veranstalter. Schon am Vorabend habe sie ihr Zelt unter den befallenen Bäumen aufgestellt, ohne davon zu wissen, berichtet eine Ausstellerin. Auch die Wohnmobil-Fahrer habe man zum Parken unter die Eichen geschickt. Eine Warnung habe es nicht gegeben.

„Es ist in meinen Augen unverständlich und unverantwortlich mit der Gesundheit von Mensch und Tier umzugehen“, kommentiert eine weitere Teilnehmerin. „Wenn ich weiß, dass ich Nester von Eichenprozessionsspinnern habe, dann muss ich die Aussteller doch in davon in Kenntnis setzen.“

Wegen Eichenprozessionsspinnern: Besucher von Dorstener Terrierschau wütend auf Ausrichter

Die Eichen entlang des Bahndamms direkt neben dem Hundeplatz sind stark vom Eichenprozessionsspinner befallen. © Falko Bastos

Der Veranstalter sieht sich im Recht

Ausstellungsleiter Jackie Toman, Vorsitzender der OG Dorsten 90, weist die Vorwürfe von sich. „Wir haben alles Erdenkliche getan“, sagt er. Frühzeitig habe er die Stadt informiert und auf deren Rat Warnhinweise aufgehängt und die betroffenen Flächen abgesperrt. „Das ist wie mit dem Warnhinweis auf Zigarettenschachteln. Mehr als warnen kann man nicht.“

Diese Warnungen seien aber teils ignoriert worden. „Die haben die Absperrbänder durchgerissen und sich in den Schatten unter die Bäume gestellt“, sagt er und zeigt auf die Reste des Flatterbands. Gegenüber den Betroffenen äußert er Mitgefühl: „Es tut mir unendlich leid.“

Namentlich will sich keiner der Betroffenen gegenüber unserer Redaktion äußern. „Wir Ortsgruppen untereinander sind aufeinander angewiesen. Und Schaden für eine Ortsgruppe möchte keiner“, begründet dies eine von ihnen. „Wir Züchter müssen uns schon genug rechtfertigen.“

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Wegen der Eichenprozessionsspinner finde seit zwei Wochen kein Training mehr auf dem Platz im Hervester Bruch statt, berichtet Jackie Toman. Auch die Zuchtzulassung sei extra an einen anderen Ort auf dem Gelände verlegt worden.

Eine Absage der Schau sei aber nicht infrage gekommen. „Man kann eine solche Veranstaltung nicht absagen“, sagt er.

„Da wäre eine Flut von Regressansprüchen auf uns zugekommen, wo wir kein Land mehr gesehen hätten.“ Die bereits im Vorfeld angemeldeten Teilnehmer kämen mit dem Wohnmobil aus ganz Europa. „Das sind termingeschützte Ausstellungen. Wenn die Leute schon angereist sind, ist man als Veranstalter verpflichtet, die Fahrtkosten zu erstatten.“

Wegen Eichenprozessionsspinnern: Besucher von Dorstener Terrierschau wütend auf Ausrichter

Jackie Toman zeigt das abgerissene Flatterband. Seine Warnungen vor dem Eichenprozessionsspinner seien ignoriert worden, sagt er. © Falko Bastos

Befalle Bäume auf städtischem Grundstück

„Es entscheidet der Veranstalter, ob eine Veranstaltung stattfindet oder nicht“, erklärt Stadt-Pressesprecher Ludger Böhne. Eine Absage habe die Stadt nicht empfohlen. „Wenn Besucher darauf hingewiesen werden, dass es an einem Ort einen Befall mit EPS-Raupen gibt, ist es deren eigene Entscheidung, eine Veranstaltung zu besuchen.“

Die Stadt war über den Befall informiert. Eigentümer eines stark befallenen Grundstücks neben dem Hundeplatz ist die städtische Wirtschaftsförderungsgesellschaft Windor. Die habe er auf den Befall hingewiesen, sagt Toman. „Aber die haben sich einen Dreck geschert.“ Deshalb habe der Verein zuletzt den Schnitt der Bäume übernommen.

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Warum hat die Stadt die Raupen nicht entfernt? „Im Außenbereich entfernen wir grundsätzlich nicht“, sagt Stadt-Sprecher Böhne. Das bringe an dieser Stelle auch nichts. Denn auch wenn die städtischen Eichen befreit würden, blieben noch befallene private Bäume in der Umgebung. Schließlich seien das Problem die Haare der Raupen, die vom Wind weggetragen werden. „Die Reizquelle wäre in jedem Fall noch da“, so Böhne.

Die Dorstener Ortsgruppe will nun in einer Vorstandssitzung über den Umgang mit dem Eichenprozessionsspinner und die Zukunft der Veranstaltung beraten. Die Ansiedlung von Vögeln über Nistkästen sei eine Option, so Toman. Oder auch die Verlegung der Terrierschau ins Frühjahr oder den Herbst. „Denn nichts liegt mir näher, als beste Bedingungen für Mensch und Hund zu schaffen.“

  • Im September wird die Verwaltung die aktuelle EPS-Saison aufarbeiten und über künftiges Vorgehen beraten.
  • Im Moment sehe es so aus, dass an priorisierten Stellen (Kindergärten, Grundschulen, Spielplätze) im nächsten Jahr mit chemischen oder biologischen Mitteln gespritzt werde, sagte der Technische Beigeordnete Holger Lohse unter der Woche bei der Östricher Stadtteilkonferenz.
  • An viel frequentierten Wegen, die etwa zu Schulen oder Kindergärten führen, seien Kooperationen mit privaten Anliegern, die auch Eichen besitzen, denkbar, so Lohse.
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