Dorsten soll eine Wasserstofftankstelle bekommen - zwei wären besser, da Dorsten Flächenstadt ist. Am H2-Anwenderzentrum Herten gibt es bereits eine. © privat
Klimakrise

Wasserstoff statt Nachtspeicher: Ganzer Stadtteil in Dorsten soll umgerüstet werden

Die Klimakrise lässt Zögern und Zaudern nicht zu. Die Wasserstoffregion Emscher-Lippe könnte eine Antwort sein. Dorsten liegt mit zwei klimatauglichen Projekten mittendrin.

In Dorsten soll der Ortsteil Wulfen-Barkenberg umgerüstet werden. 4.100 Haushalte heizen noch mit Nachtspeicheröfen. Der Strom wird mithilfe fossiler Brennstoffe erzeugt. Künftig soll Wasserstoff-Brennzellentechnik die Öfen „befeuern“ und den CO2-Ausstoß des Ortsteils drastisch reduzieren.

Barkenberg ist ein reizvoller Ortsteil von Dorsten mitten im Grünen - die Belvona will die Wohnqualität in ihrem Viertel deutlich erhöhen.
Barkenberg ist ein reizvoller Ortsteil von Dorsten mitten im Grünen – die Belvona will die Wohnqualität in ihrem Viertel deutlich erhöhen. © www.blossey.eu © www.blossey.eu

Wasserstoff: Das ist der Schlüssel zu einem klimaneutralen nördlichen Ruhrgebiet. Ein Bündnis aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft will mithilfe eines Milliardenzuschusses 40 Projekte anstoßen, die einen Weg aus der Klimakrise eröffnen. Zwei davon werden in Dorsten zu finden sein.

Zunächst aber findet am 4. Oktober in Dorsten ein Wasserstoffgipfel auf dem Gelände der ehemaligen Steinkohlenzeche Fürst Leopold statt. Veranstalterin ist die WiN Emscher-Lippe Gesellschaft zur Strukturverbesserung.

Sie strebt eine „grüne Zukunft der Region an“ oder wie Landrat Bodo Klimpel sagt: „Wir nutzen die vorhandenen Ressourcen und Kompetenzen, um so schneller und kostengünstiger eine Wasserstoffwirtschaft aufzubauen als andere Regionen.“

So hat das Wirtschaftsprüfungsunternehmen Ernst & Young der Emscher-Lippe-Region „beste Voraussetzungen“ zur Etablierung als Wasserstoff-Modellregion bescheinigt, wenn ein eng abgestimmtes strategisches Konzept verfolgt werde. Das Know-how ist jedenfalls hier schon angesiedelt: im Anwenderzentrum H2-Herten.

Für den Dorstener Dieter Mende sind das wirklich gute Nachrichten. Mende ist als Netzwerker für H2-Herten tätig. Er heizt seit den 1990er-Jahren die Debatte um Wasserstoff als Energieträger an. Damals wurde er noch belächelt, heute haben sich den Ansichten wegen der bedrohlichen Klimaszenarien gewandelt. Er sagt aber: „Es macht keinen Sinn, jetzt in blinden Aktionismus zu verfallen, so sehr uns die Diskussion um die Wasserstoff-Brennzellentechnik freut.“

Dieter Mende, hier mit Bundesumweltministerium Svenja Schulze, ist in Politik und Wirtschaft gut vernetzt und macht die Arbeit des Wasserstoffzentrums H2-Herten öffentlich. © GP@GPM-FOTO.DE © GP@GPM-FOTO.DE

Dieter Mende ist so etwas wie ein Strippenzieher hinter den Kulissen. Zahlreiche Referenzen, etwa von der Energieagentur NRW, der Städte Dortmund, Gelsenkirchen und Herten, weisen ihn als Mann mit Fach- und Sachverstand zur Wasserstoff-Brennstoffzellentechnik aus. Er versteht sich als Partner im Energiedialog und ist in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft hervorragend vernetzt, sorgt für die Akquise von Fördermitteln und lenkt die Aufmerksamkeit auf die Projekte.

Mende sagt zu den Aktivitäten der WiN Emscher-Lippe, dass sie Sinn machen. „Ich spreche den Projektideen einen hohen Wert zu“, sagt er. Zwei Projekte aus Dorsten sollen verwirklicht werden. Das eine ist die Speicherstadt Barkenberg, also die Umrüstung des Ortsteils von Energie aus fossilen Brennstoffen auf Wasserstofftechnik, das andere ist die Einrichtung von Wasserstofftankstellen. „Eine davon soll nach Barkenberg. Weil Dorsten aber Flächenstadt ist, müsste auch noch ein zweiter Standort gefunden werden“, so Dieter Mende. Er sieht gute Chancen darin, dass Wasserstoffbrennstoffzellen neben Batterie-Akkus in der Fahrzeugtechnik etabliert werden können: „Die Laufzeiten werden verzehnfacht“, sagt der Experte.

Anderthalb Jahre am Konzept für die grüne Region gearbeitet

Anderthalb Jahre hat die WiN nun mit anderen Akteuren am Konzept für die grüne Region nördliches Ruhrgebiet gearbeitet, über 40 Projekte sind entwickelt worden: Jetzt will ein breites Bündnis aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft einen konkreten Fahrplan für die Wasserstoffregion Emscher-Lippe vorstellen – „ein neues Dekadenprojekt, das mit einem Investitionsvolumen von ca. 1 Milliarde Euro bis 2030 umgesetzt werden soll“, wie Wasserstoff-Koordinatorin Dr. Babette Nieder (WiN) sagt.

Ziel sei es, „die industrielle Basis der Region zu sichern und neue Arbeitsplätze in zukunfts­sicheren Branchen zu schaffen“. „Nach dem blauen Himmel an der Ruhr kommt jetzt die grüne Industrie an Emscher und Lippe“, so Landrat Bodo Klimpel.

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Redaktion Dorsten
Seit 20 Jahren als Lokalredakteurin in Dorsten tätig. Immer ein offenes Ohr für die Menschen in dieser Stadt, die nicht meine Geburtsstadt ist. Das ist Essen. Ehefrau, dreifache Mutter, zweifache Oma. Konfliktfähig und meinungsfreudig. Wichtige Kriterien für meine Arbeit als Lokalreporterin. Das kommt nicht immer gut an. Muss es auch nicht. Die Leser und ihre Anliegen sind mir wichtig.
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Claudia Engel

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