Der Schotterweg rechts entlang der Klosterstraße soll zu einem vernünftigen Geh- und Radweg ausgebaut werden. © Michael Klein
Aus dem Leben

Warum Pilger-Touristen in Dorsten für einen neuen Radweg sorgen sollen

Die Stadt Dorsten möchte an einer Nebenstraße einen Radweg bauen und begründet dies ausgerechnet mit pilgernden Radtouristen. Das scheint zunächst hanebüchen - ist aber ziemlich gewieft.

Manchmal erscheinen einem die Mitarbeiter im Dorstener Rathaus wirklich putzig. Die Stadtverwaltung informierte nämlich kürzlich die Politik darüber, dass sie auf der Hardt an der Klosterstraße zwischen Kögelweg und Fährstraße stadtauswärts einen Geh- und Radweg plant. So weit, so gut.

Sie begründete dessen dringende Notwendigkeit aber nicht etwa damit, dass dort viele Bürger aus dem Stadtteil mit dem Rad zum Einkaufen zu Aldi oder zum Kanal fahren. Oder damit, dass der derzeit an dieser Stelle existierende Schotterweg oft zugeparkt und wegen der Altglascontainer häufig übersät von Scherben ist. Oder gar damit, dass auf der Wiese, an der der Weg vorbei führt, demnächst ein Kindergarten gebaut wird und man den Kindern und Eltern eine sichere Wegstrecke bieten möchte.

Überregionaler Radweg

Nein. Als Argument wird ins Feld geführt, dass der überregionale Radwanderweg „D 7“, der von Aachen nach Flensburg führt und damit gleichzeitig Teil der europäischen Rad-Pilgerroute von Santiago de Compostela (Spanien) nach Trondheim (Norwegen) ist, seit Jahren über die Klosterstraße führt. Und lediglich auf dem kurzen Stück zwischen Kögelweg und Fährstraße wären die Radfahrer gezwungen, auf der Fahrbahn zu fahren, betont die Stadt.

Abgesehen davon, dass ich als früherer jahrelanger Kögelweg-Anwohner auf der Klosterstraße noch nie pilgernde Radtouristen gesehen habe: Ich denke, dass es zwischen Aachen und Flensburg, vor allem aber zwischen Santiago de Compostela und Trondheim, sehr viele haarige Straßenverhältnisse gibt, die Radtouristen vor mehr Probleme stellen als die paar hundert Meter auf einer Nebenstraße in einem beschaulichen Stadtteil von Dorsten.

Fördertopf aufgelegt

Doch nach etwas Internet-Recherche wird deutlich, wie gewieft der Hinweis auf die Radtouristen ist. Denn die Stadt konnte nur mit diesem Argument einen Zuschussantrag für den Geh – und Radweg beim „Bundesamt für Güterverkehr“ im Bundesverkehrsministerium stellen. Das hat nämlich einen Fördertopf aufgelegt, mit dem Lücken im überregionalen deutschen „D-Radnetz“ geschlossen werden können.

Klappt es mit dem Antrag (das Förderprogramm ist mittlerweile deutlich überzeichnet), hätte die Stadt also mit wenig eigenem Geld eine neuralgische Stelle entschärft – was Anwohner schon vor zwei Jahren auf einer Stadtteilkonferenz ausdrücklich angemahnt hatten.

Diese kritisierten damals aber auch, dass auf der anderen Straßenseite zwischen Fährstraße und Kögelweg ebenfalls Verbesserungsbedarf bestehe: Dort müssten Radfahrer den Gehweg nutzen, direkt am Aldi-Grundstückszaun entlang und würden dabei gerne von ausfahrenden Autofahrern übersehen.

Moment mal: Sind es nicht vor allem auswärtige Rad-Pilger, die da in solch gefährliche Situationen geraten?

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