Streit zwischen SPD-Ratsherr und Bürgermeister: Typische Herablassung?

dzWahlkampf in Dorsten

SPD-Ratsherr Swen Coralic ärgert sich über den Bürgermeister. Eine Nachfrage habe „eine typische Reaktion“ heraufbeschworen. Tobias Stockhoff kritisiert indes „Stil und Art“ der Anfrage.

Dorsten

, 25.05.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

SPD-Ratsherr Swen Coralic ist in Wulfen zuhause. Von besorgten Mitbürgern sei er gefragt worden, ob in Wulfen-Barkenberg immer noch Gruppen von Schlachthof-Mitarbeitern der Firma Westfleisch in Mietswohnungen beherbergt sind. Diese Frage hat Coralic dem Bürgermeister gestellt und kassierte eine, wie er sagt, „typische Belehrung“, die im Tonfall herablassend gewesen sei.

Allerdings bekam Swen Coralic auch die gewünschte Information, dass die Mutmaßungen nicht richtig und diese Gruppierungen nicht mehr in Barkenberg wohnhaft seien. Damit hätte das Thema erledigt sein können. Doch Coralic ärgerte sich weiter: Über den Ton des Bürgermeister-Schreibens. „Ich habe es nicht anders erwartet“, sagt Swen Coralic.

„Immer dieselbe Reaktion auf kritische Sachverhalte“

Der SPD-Mann wirft Tobias Stockhoff vor, dass „dessen Reaktion bei kritischen Sachverhalten immer dieselbe ist: Er will die Probleme kleinreden und nimmt die Sorgen der Bürger nicht ernst genug“. Wahlkampf-Getöse oder eine Tonalität im politischen Diskurs in Dorsten, die sich eingeschlichen und die Fronten zwischen den Parteien, insbesondere SPD und CDU, kaum überbrückbar verhärtet hat?

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Oder liegt etwa der Bürgermeister richtig, wenn er „Stil und Art der Anfrage“ von Swen Coralic kritisiert und ihn darauf hinweist, dass er als Mitarbeiter einer kommunalen Verwaltung wissen müsse, dass „in weiten Teilen die Gesundheitsbehörde der Kreises Recklinghausen die richtige Adresse für die Anfrage gewesen wäre“ und der Ratsherr aufgrund seiner Beschäftigung und seiner Ausbildung hätte wissen müssen, dass er als Adressat der Falsche war?

Verdacht: Das war ein Wahlkampfversuch

„Bei der Art und Weise der Anfrage entsteht leider der Verdacht, dass der Ratskollege nicht nur die Notwendigkeit in der Sache gesehen hat, sondern auch der Wahlkampf mitschwingt. Dafür ist dieses Thema vollkommen ungeeignet“, sagt Tobias Stockhoff. Hinweise aus der Bürgerschaft nehme er generell ernst.

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Den Vorwurf, kritische Sachverhalte kleinreden und aus der Öffentlichkeit heraushalten zu wollen, weist der Bürgermeister zurück. Er sagt aber auch: „Für mich ist es ein Unterschied, ob ich als Ratsvertreter bestätigte Fakten oder ungefilterte Vermutungen an die Öffentlichkeit weiterleite“, so Stockhoff.

„Bin mir meiner Verantwortung bewusst“

Swen Coralic sagt, er sei sich seiner Verantwortung bewusst: „Ich bin mir darüber im Klaren, was ich wem weiterleite. Hinweise, Anregungen, Ideen der Menschen in unserer Stadt, die an mich herangetragen werden, nehme ich ernst.“ Wenigstens darüber sind sich der Bürgermeister und den Ratsherr einig.

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