Verteidiger Dirk Wolterstädt neben dem 25-jährigen Dorstener im Essener Landgericht © Jörn Hartwich
Landgericht

Vorwurf: Schwangere Freundin in den Bauch geschlagen

Ein psychisch kranker Mann aus Dorsten soll versucht haben, sein ungeborenes Kind zu töten. Jetzt steht er in Essen vor Gericht - und bestreitet die Vorwürfe.

Es war von Anfang an eine unheilvolle Beziehung. Vor knapp einem Jahr hat ein Mann aus Dorsten in der Psychiatrie eine junge Frau kennengelernt. Wenige Wochen später war sie schwanger. Damit kam er offenbar nicht klar.

Die Staatsanwaltschaft ist davon überzeugt, dass der 25-Jährige das ungeborene Kind seiner Freundin töten wollte. Seit Donnerstag beschäftigt der Fall das Essener Landgericht.

Tritte und Schläge in den Unterleib

„Er beabsichtigte, seine Freundin derart zu verletzten, dass das Kind sterben werde“, so die Staatsanwältin. Gleich mehrfach ist von Tritten und Schlägen gegen den Bauch und in den Unterleib die Rede. Und von verstörenden Drohungen. Dass er seine schwangere Freundin die Treppe herunterstoßen würde zum Beispiel. Und dass er hoffe, dass das Kind dabei sterben werde.

Einmal soll er die werdende Mutter auch gewürgt haben. So lange, bis sie blau angelaufen sei. „Ich schlage dich kaputt“, soll er bei anderer Gelegenheit gerufen haben.

„Eine Gefahr für die Allgemeinheit“

Am 5. Juli 2020 waren schließlich gleich mehrere Passanten Zeugen, wie er seine Freundin an der Ecke Essener Straße/Gahlener Straße erst umarmt und sie dann mit der Faust ins Gesicht und in den Unterleib geschlagen haben soll.

Am Tag darauf ist der Dorstener festgenommen worden. Zurzeit befindet er sich in der geschlossenen Psychiatrie. „Er ist eine Gefahr für die Allgemeinheit“, so die Staatsanwältin.

Er selbst sieht das allerdings anders. „Ich habe den Schlag in ihr Gesicht nur angetäuscht“, sagte er den Richtern zum Prozessauftakt. Gleiches gelte für den angeblichen Schlag in den Unterleib. „Ich war halt in Rage, bin durchgedreht.”

„Bin schließlich gut erzogen“

Die Aggressivität begleitet ihn nach eigenen Angaben schon seit der Grundschulzeit. „Das ist wie ein Schalter, der umgelegt wird.“ Er sei aber eigentlich immer nur verbal aggressiv geworden. Und das auch nur in Phasen akuter Psychosen, die meist mit einem verstärkten Amphetamin-Konsum einhergingen.

Dass er seine Freundin gewürgt und einmal vor den Oberarm geschlagen hat, hat er vor Gericht allerdings zugegeben. Das seien aber absolute Ausnahmen gewesen. „Ich wollte nie jemandem etwas antun. Ich bin schließlich gut erzogen worden.“

„Ich liebe sie immer noch“

Seine Freundin habe er außerdem geliebt. „Und ich liebe sie in meinem Herzen immer noch.“ Deshalb wünsche er sich eine zweite Chance, wolle nicht – wie von der Staatsanwaltschaft angestrebt – auf unbestimmte Zeit in der geschlossenen Psychiatrie untergebracht werden. Sein Kind ist übrigens wenige Tage vor Prozessbeginn geboren worden. Das Verfahren wird fortgesetzt.

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