Kind nach dem Stehlen gepackt - Mann wird vorsätzliche Körperverletzung vorgeworfen

dzVorsätzliche Körperverletzung

Mariusz Kolodziejczyk hat ein klauendes Kind am Kragen gepackt und festgehalten. Deshalb hat er ein Strafverfahren am Hals: wegen einfacher, vorsätzlicher Körperverletzung.

Dorsten

, 03.01.2020, 04:45 Uhr / Lesedauer: 1 min

Mariusz Kolodziejczyk ist Koch in Lembeck. Am 7. September 2019 hat er sich eine dicke Suppe eingebrockt: „Die Polizei hat mich für Freitag vorgeladen“, sagt er.

Ihm wird eine einfache, vorsätzliche Körperverletzung vorgeworfen. Bei Rossmann in Holsterhausen an der Borkener Straße hatte der Raesfelder Kinder beim Klauen beobachtet. Als sie flüchteten, hielt er eines fest und packte es am Kragen. Das Resultat: Ein Strafverfahren wegen einfacher vorsätzlicher Körperverletzung.

Vernehmung muss sein

Angehörige des Kindes zeigten Mariusz Kolodziejczyk bei der Polizei an.

„Ihre Vernehmung als Beschuldigter ist erforderlich“, hat die Polizei Mariusz Kolodziejczyk schriftlich mitgeteilt. Er möge sich deshalb auf der für ihn zuständigen Wache einfinden.

Viele Menschen reagierten empört oder mit Unverständnis, dass Mariusz Kolodziejczyk sich wegen des Zugriffs überhaupt verantworten muss: „Das ist doch bekloppt“, kommentierte einer unserer Leser nach unserer Erstberichterstattung. Andere wiederum konnten nicht nachvollziehen, dass er das Kind packte: „Das darf er nicht“, sagten sie.

Kontroverse Sichtweise der Allgemeinheit

Die kontroverse Sichtweise der Allgemeinheit spielt im Ermittlungsverfahren keine Rolle. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln nach Recht und Gesetz. Ob und wie der Jedermann-Paragraf bei Kindern überhaupt greift oder ob es andere gesetzliche Grundlagen gibt, die ein solches Verhalten eines Augenzeugen einer strafbaren Handlung eines Kindes rechtfertigen könnten, könnte vielleicht in einer Gerichtsverhandlung erörtert werden. Falls es dazu kommt. Noch ist nämlich völlig offen, wie das Ganze weitergeht.

Ermittlungen sind nicht abgeschlossen

Niclas von Hobe, Presse-Staatsanwalt Essen, sagte auf unsere Anfrage: „Jedes Verfahren wird individuell geführt.“ Die Ermittlungen im Fall von Mariusz Kolodziejczyk seien noch nicht abgeschlossen. „Die Akten sind versandt, aber zum jetzigen Zeitpunkt kann ich nicht sagen, wie der konkrete Vorgang aufgebaut ist.“

Mariusz Kolodziejczyk wird sich am Freitag (3.1.) auf jeden Fall zur Vernehmung aufmachen. „Ich habe nichts Schlimmes gemacht“, sagt er.

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