Vergewaltigung in der Ehe? Frau gibt ihrem Gatten eine zweite Chance

dzGerichtsprozess

Die Vorwürfe gegen einen Mann aus Dorsten wogen schwer: Er soll seine Ehefrau vergewaltigt haben, die sich von einer OP erholen wollte. Doch der Prozess nahm eine unerwartete Wendung.

Dorsten

, 22.07.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 1 min

Die Mitt-Fünfzigerin wollte sich in der Wohnung in Dorsten von den Folgen einer Operation erholen. Doch ihr Ehemann habe darauf keine Rücksicht genommen, hieß es in der Sitzung des Schöffengerichts. Er habe sich dem Opfer in sexueller Absicht genähert. Und obwohl sie zu erkennen gegeben habe, dass sie das nicht wollte, sei er in sie eingedrungen.

Die Anklage: Vergewaltigung in der Ehe, dazu eine Körperverletzung, zudem soll der 56-jährige Baggerfahrer aus Holsterhausen damit gedroht haben, ein Loch auszuheben und seine Frau darin zu verbuddeln.

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Der Angeklagte schwieg sich aus. Und die Ehefrau machte vor Gericht von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch - denn sie habe sich mit dem Gatten versöhnt. In ihrer Begründung ließ sie aber durchblicken, dass damals doch etwas geschehen war: „Ich will ihm eine zweite Chance geben“, erklärte sie, aber „das sollte sich nicht wiederholen“.

In Zukunft angstfrei leben

Schöffengericht und Staatsanwaltschaft konnten dem Mann die Tat also nicht nachweisen. „Wir können nur hoffen, dass der Ehefrau so etwas nicht erneut widerfährt und sie in Zukunft angstfrei leben kann“, sagte Richterin Lisa Hinkers. In ihrem Berufsleben habe sie aber schon mehrfach das Gegenteil erlebt. Einmal habe eine Ehefrau ihrem gewalttätigen Mann verziehen - und hatte beim nächsten Gerichtstermin „nur noch ein Auge“.

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