Verein zieht eigene Notbremse: Maschinenhalle bleibt geschlossen

Im Bergbauverein traut man der Wissenschaft mehr als der Politik. Deshalb bleibt die Maschinenhalle von Fürst Leopold vorerst für Besucher geschlossen. Auch, wenn sie einen Test vorlegen.
Die Maschinenhalle bleibt vorerst für Besucher geschlossen. © Archiv

Die Maschinenhalle von Fürst Leopold bleibt geschlossen. Auch mit negativem Schnelltest ist dort ein Besuch nicht möglich. „Wir vertrauen bei der aktuellen Entwicklung der Corona-Pandemie mehr der Wissenschaft als der Politik“, so begründet der Bergbauverein seine Entscheidung, von der Option, das Museum Maschinenhalle Fürst Leopold jetzt wieder öffnen zu dürfen, keinen Gebrauch machen zu wollen.

Die unverändert steigenden Inzidenzen in Kreis und Stadt seien nach nahezu einhelliger Meinung der Wissenschaft ein dringender Grund, Kontakte und damit Infektionsmöglichkeiten so weit wie nur eben möglich zu beschränken. Der Vereinsvorsitzende Gerhard Schute: „Wer sind wir, an der Richtigkeit solcher Appelle zu zweifeln?“

Verein macht „Hilfsprogramm für den Einzelhandel“ nicht mit

Das Angebot der Politik – der testbasierte Tagespass fürs Shoppen oder den Museumsbesuch als Anreiz oder Belohnung für die Bereitschaft, sich testen zu lassen – sei als Hebel gegen die zwischen Bund und Ländern vereinbarte und für NRW am vergangenen Freitag verkündete „Notbremse“ wohl vor allen Dingen ein Hilfsprogramm für den Einzelhandel.

Für den Besuch der Maschinenhalle, die üblicherweise von Ende März bis Ende Oktober an jedem Sonntag ab 13 Uhr geöffnet ist, stelle sich zudem die Frage, wo sich potentielle Besucher samstags noch am Nachmittag testen lassen könnten, um dann sonntags zur Kaffeezeit im Industriedenkmal den „Tagespass“ vorlegen zu können.

Besucher werden getestet, Mitarbeiter aber nicht?

Ein weiterer Grund für den Bergbauverein, es zunächst bei der Schließung zu belassen: Vorsorglicher Gesundheitsschutz für die Besucher, aber auch für die Mitglieder des Vereins, die gegebenenfalls den Sonntagsdienst in der Maschinenhalle versehen würden. Schute: „Was bringt den Besuchern der Tagespass, wenn sie in der Maschinenhalle von nicht getesteten Vereinsmitgliedern begrüßt werden?“ Denn eine Testpflicht gibt es für das Personal – egal ob haupt- oder ehrenamtlich – in Museen ebenso wenig wie für die Arbeitnehmer im Einzelhandel.

Gerd Schute bringt noch einen weiteren Aspekt ins Spiel. Er sagt: „Das Testen als Instrument gegen die Pandemie macht Sinn, wenn es so gelingt, Infektionsketten zu durchbrechen. Für den Dienstag zum Beispiel meldete der Kreis Recklinghausen aktuell 1.942 Infizierte. Hat das Gesundheitsamt das Personal, um dieser Vielzahl von Infektionsketten auf den Grund zu gehen?“