„Haarsträubend“: Verbraucherschützer warnen vor Corona-Wundermitteln

dzCoronavirus

Knoblauch-Wasser, Kokosöl oder Salbei-Tee - Verbraucherschützer in Dorsten warnen vor vermeintlichen Wundermitteln in der Corona-Krise. Sie haben den „haarsträubenden Unsinn“ aufgelistet.

Dorsten

, 19.04.2020, 10:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bei der Frage, wie man sich selbst am besten vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus schützen kann, gehen viele Menschen im Internet und in ihren sozialen Netzwerken auf die Suche nach hilfreichen Tipps und Mitteln. „Zum großen Teil stoßen Ratsuchende dort auf haarsträubenden Unsinn und wirkungslose Produktempfehlungen“, sagt Mechthild Clever-Schmitz.

Die „Hitliste“ der Falschinformationen

Die Leiterin der Verbraucherzentrale in Dorsten betont, dass Falschinformationen von Scharlatanen derzeit gezielt verbreitet werden, um Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen. „Es gibt derzeit kein Haus- oder Nahrungsergänzungsmittel, das eine Infektion mit dem Virus verhindern kann“, erklärt Clever-Schmitz.

Das sind ihrer Ansicht nach die größten Irrtümer:

Nahrungsergänzungsmittel und Pflanzenstoffe: Heilmittel, die Pflanzenstoffe enthalten (etwa Vitalpilze, Zistrosenextrakt, Rhodiola oder Grüntee), aber auch Bienenprodukte wie Propolis sollen vor einer Infektion mit dem Coronavirus schützen oder eine Weiterverbreitung verhindern. Da das Virus erst seit kurzer Zeit bekannt ist, gibt es keine Studien, die eine Wirksamkeit von bestimmten Pflanzen, Vitaminen oder Mineralstoffen belegen.

Ratsuchende sollten deshalb jedem Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel misstrauen, das mit dem Begriff „Corona“ wirbt. Ein Gesundheitshinweis auf solchen Produkten – etwa „schützt vor Viren“ – ist verboten.

Zwiebeln und Ingwer: „Aufgeschnittene Zwiebeln in der Wohnung verteilen, ist Humbug“, betont Mechthild Clever-Schmitz. „Die Knollen saugen keine Bakterien und Viren aus der Luft auf.“ Als regelmäßige Zutat beim Kochen sind sie bestens geeignet, aber das Virus vertreiben können sie nicht.

Mechthild Clever-Schmitz von der Dorstener Verbraucherbeartungsstelle bietet ihren Service bis auf Weiteres nur telefonisch oder per Mail an.

Mechthild Clever-Schmitz von der Dorstener Verbraucherbeartungsstelle bietet ihren Service bis auf Weiteres nur telefonisch oder per Mail an. © Bianca Glöckner (Archiv)

Verzicht auf glutenhaltige Lebensmittel: Schokolade oder Joghurt mit Keksen, Brot, Nudeln oder panierte Schnitzel können die Darmwände porös machen, weil sie vielfach den Klebestoff Gluten enthalten - was ist dran? „Das ist eine starke Behauptung, die sich im Internet und in sozialen Netzwerken hartnäckig hält“, weiß die Verbraucherschützerin aus Dorsten. Die angebliche Begründung: Da die Darmschleimhäute mit den Schleimhäuten der oberen Atemwege in Verbindung stehen, wären diese ebenfalls durch die Aufnahme glutenhaltiger Nahrungsmittel geschwächt und anfälliger für Viren. Aber: „Hierzu fehlt der Beweis.“

Virenabwehr durch Kokosöl und ayurvedische Gewürze: Morgens und abends je einen Teelöffel Kokosöl auf der Zunge zergehen lassen, diese vorbeugende Maßnahme soll helfen, Coronaviren zu vertreiben. „Unsinn! Gewürze wie Safran, Kurkuma, Zimt oder auch Zitronengras dürfen gerne ins Essen, einen Schutz oder Hilfe vor dem schlimmen Virus bieten sie nicht“, mahnt Mechthild Clever-Schmitz

Wohltuende Wirkung von Thymian- und Salbei-Tees: Diese Tees sind traditionelle Pflanzenarzneimittel bei Erkältung. Eine Infektion mit dem Coronavirus ist jedoch schwerwiegender und keine Erkältung. Die Arznei-Tees dienen der Linderung von Beschwerden bei Husten und Schnupfen und eignen sich nicht zur Vorsorge.

Reichlich heißes (Knoblauch-)Wasser trinken: Heißes Wasser (mit mehr als 60 Grad Celsius) führt eher zu Verbrennungen in Mund und Speiseröhre, bevor es Viren im Magen-Darm-Trakt erreicht. Auch das Gurgeln mit einer Essig-Salz-Lösung schützt nicht vor Infektion.

Weitere Informationen zu akuten Verbraucherthemen bietet die Dorstener Beratungsstelle der Verbraucherzentrale NRW bis auf Weiteres ausschließlich telefonisch unter (02362) 7875201 oder per Mail: dorsten@verbraucherzentrale.nrw
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