Ursula Schlüter verabschiedet sich vom Spielzeugladen an der Suitbertusstraße in Dorsten

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Ursula Schlüter macht Schluss: Am 5. Januar steht sie zum letzten Mal hinter dem Tresen ihres Spielzeugladens an der Suitbertusstraße. Für ihre Kunden hat sie trotzdem gute Nachrichten.

Dorsten

, 07.12.2018 / Lesedauer: 4 min

Ihr Spielzeuggeschäft ist in Dorsten die Anlaufstelle für hochwertiges Spielzeug. Zu Ursula Schlüter und ihren Mitarbeiterinnen geht man, wenn man nicht genau weiß, was man Sinnvolles verschenken kann, wenn man Beratung braucht und sich von der Menge an Spielzeugangeboten überfordert fühlt.

Doch nach 19 Jahren ist für die 62-Jährige der Zeitpunkt gekommen, sich in den Ruhestand zu verabschieden. Ganz allein hat sie die Entscheidung während der Spielwarenmesse in Nürnberg in einem Hotelzimmer getroffen. „Ich habe da einfach gemerkt, dass das nicht mehr meine Welt ist. Alles wird immer technischer und da mitzuhalten, kostet sehr viel Energie“, sagt sie.

Mehr Zeit für Mann, Familie und Freunde

Auch die zunehmende Zeit, die sie mittlerweile mit Papierkram vor dem Schreibtisch statt im Laden verbringen muss, gefällt ihr nicht. „Außerdem möchte ich endlich wieder mehr Zeit für mich und meinen Mann, meine Familie und meine Freunde haben. Ich werde bald Oma, das ist doch ein toller Übergang“, erklärt Schlüter.

Bis vor Kurzem suchte sie erfolglos nach einem Nachfolger - es sah ganz so aus, als würde es das Spielzeuggeschäft bald nicht mehr in Dorsten geben. Doch an diesem Mittwoch (5. Dezember) sitzt Ursula Schlüter in dem kleinen Lagerraum ihres Ladens, hat es sich auf einer niedrigen Trittleiter mit einem Kissen gemütlich gemacht, und verkündet gleich die guten Nachrichten: „Es gibt eine Nachfolgerin!“

Nachfolgerin übernimmt auch das Personal

Diese wird nicht nur die gesamte Einrichtung, sondern auch das komplette Personal übernehmen. Ihr Ladenlokal wird sich dann jedoch an der Recklinghäuser Straße, mitten in der Fußgängerzone, befinden. „Mehr darf ich noch nicht verraten. Der Mietvertrag ist aber schon unterschrieben, nur der Eröffnungstermin steht noch nicht“, verkündet Schlüter erleichtert. Sie freut sich sehr, dass es weiter geht, und ist sich sicher, dass ihre Nachfolgerin mit dem gleichen Sortiment sehr erfolgreich sein wird.

Nachdem das nun geklärt ist, kann die 62-jährige Mutter von zwei Kindern (32 und 34) ganz entspannt in Erinnerungen schwelgen. Die Geschichte des Spielzeugladens beginnt noch bevor Ursula Schlüter auf den Plan tritt. Vor 33 Jahren eröffnet Ursula Bösing einen winzigen Laden an der Borkener Straße. Nach einiger Zeit zieht sie in ein größeres Ladenlokal auf der gleichen Straße.

Ursula Schlüter übernahm vor 19 Jahren den Laden

Vor 19 Jahren kommt dann Ursula Schlüter ins Spiel, die den Laden damals bereits als Kundin gut kannte. „Ursula hat mich gefragt, ob ich das Geschäft übernehmen möchte. Ich hatte ein dreiviertel Jahr Zeit, wusste aber eigentlich sofort, dass ich das machen möchte“, erzählt sie.

Am 15. September 1999 sprang Ursula Schlüter ins kalte Wasser und stand von einem auf den anderen Tag plötzlich in ihrem eigenen Laden. Sie hatte sich noch gar nicht richtig sortiert, da stand schon die erste Weihnachtsbestellung an. Lachend erinnert sich die 62-Jährige daran, wie nach einer kleinen Bestellung von Murmeln plötzlich sechs riesige Pakete vor der Tür standen: „Ich hatte bei jeder Bestellung gedacht, ich gebe die Stückzahl an, dabei waren es Verpackungseinheiten.“

Spielzeugberatung für junge Eltern

Um Eltern bei der Geschenksuche zu unterstützen, begann sie bereits im Oktober 1999 Miniclub-Abende mit Spielzeugberatung anzubieten. Vor zehn Jahren trat sie dem Arbeitskreis für richtiges Spielzeug (ARS) bei. 96 Einzelhandelsgeschäfte in ganz Deutschland sind Mitglied in der Genossenschaft. Sie versuchen, genau solches Spielzeug aus der Angebotsfülle herauszufiltern, das auch Ursula Schlüter sehr am Herzen liegt.

„Spielzeug muss für mich ökologisch einwandfrei und auch aus Sicht des Umweltschutzes vertretbar sein. Es sollte Kinder dazu motivieren, selber aktiv zu werden und immer wieder etwas Neues zu kreieren“, erklärt sie. Auch wenn sie ihren Mitarbeiterinnen blind vertraut, den Einkauf hat sie in den 19 Jahren immer selbst erledigt: „So ein Geschäft braucht ein eigenes Gesicht.“ Sie rät Eltern in der Beratung, auf ihren Bauch zu hören und nicht immer mit der Masse zu schwimmen und jeden Spielzeugtrend mitzumachen.

Einbruch in der Spielzeugbranche durch das Internet

2009 zog sie an den heutigen Standort des Spielzeugladens an der Suitbertusstraße und lobt vor allem die gute Unterstützung durch die Dorstener Interessengemeinschaft Altstadt (DIA). Die Zeiten für den Spielzeughandel sind seitdem jedoch nicht einfacher geworden. „Vor rund fünf Jahren gab es durch das Internet einen unheimlichen Einbruch in der Spielzeugbranche. Das können wir nur durch gute Beratung kompensieren und dadurch, dass wir immer etwas Besonderes und das Außergewöhnliche da haben. Da muss uns dann das Internet auch nicht mehr ganz so viel Sorge bereiten.“

19 Jahre ist sie jeden Tag mit Freude in ihren Laden gegangen. Jetzt muss sie bald Abschied nehmen. „Natürlich bin ich auch traurig. Das war eine unheimliche Bereicherung für mein Leben und ich möchte keinen Moment missen. Aber ich freue mich auch auf die Zeit, die da kommt.“

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