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Protest: Mehr als 2000 Kunden gegen Schließung einer Aldi-Filiale in Dorsten

dzAldi Nord

Kunden protestieren in großer Zahl gegen die Entscheidung von Aldi-Nord, die Filiale an der Alleestraße zu schließen. Der Konzern wäre unter bestimmten Bedingungen kompromissbereit.

Dorsten

, 12.03.2019 / Lesedauer: 4 min

Diese Zahl hat schon fast die Größenordnung eines Bürgerbegehrens: Mehr als 2000 Kunden aus Dorsten haben seit Mitte Februar in einer Unterschriften-Aktion den Erhalt der Aldi-Filiale an der Alleestraße gefordert.

Wie berichtet, hatte der Discounter-Konzern Ende 2018 diesen Standort in der Dorstener Altstadt zum 30. Juni dieses Jahres gekündigt. Nachdem unsere Zeitung über die geplante Filial-Schließung berichtet hatte, legte ein Aldi-Kunde Unterschriftenlisten an den Kassen der Filiale an der Alleestraße aus.

80 Listen mit jeweils 25 Unterschriften sind nach Informationen der Redaktion inzwischen per Einschreiben an die Aldi-Regional-Verwaltung nach Herten geschickt worden. Vor allem Kunden aus der Altstadt und der Feldmark protestieren gegen das drohende Aus.

„Für Senioren wichtig“

Die 73-jährige Giselheid Köpper hat am Montag ihre Unterschrift geleistet. Sie kauft dort seit 40 Jahren ein, erzählt sie. „Ich brauche nicht viel und alles, was ich benötige, bekomme ich hier.“ Sie verweist auf die Bewohner der drei Altenheime in der Nachbarschaft und die Anwohner der Altstadt.

Viele von denen hätten nicht viel Geld und wären von einem Auszug des Discounters besonders betroffen. Kaufland oder Toom seien teurer, und außerdem für viele, die zu Fuß unterwegs sind, „zu weit weg“.

„Freundliche Mitarbeiter“

Es gibt auch jüngere Kunden, die diese Filiale vermissen würden. Wie etwa Eva Kempener (29), die im gut einen Kilometer entfernten Feldmärker Wohngebiet „In der Miere“ wohnt. „Wenn ich aus der Innenstadt komme, gehe ich gerne hier rein, nicht nur für einen Großeinkauf“, sagt sie. Sie schätzt vor allem die Freundlichkeit der Angestellten: „Wenn man eine Frage hat, kümmern sich die Mitarbeiter sehr nett um ihre Kunden und gehen mit ihnen sogar zu den Regalen.“

Protest: Mehr als 2000 Kunden gegen Schließung einer Aldi-Filiale in Dorsten

Auch jüngere Kunden wie Eva Kempener haben unterschrieben. © Michael Klein

Mit Henriette Schmidt-Sueder hat sogar eine Kundin aus Borken, die hin und wieder in Dorsten einkauft, öffentlich in einer Dorstener Facebook-Gruppe zur Unterstützung der Unterschriften-Aktion aufgerufen. „Hier ist es wie in einem kleinen Tante-Emma-Laden auf dem Land“, sagt sie. Und auch der CDU-Ortsverein Altstadt/Feldmark hat sich inzwischen eingeschaltet. „Dieser Standort darf nicht geschlossen werden, solange nicht in fußläufiger Nähe ein Ersatzstandort geöffnet hat“, so die CDU.

Die Essener Unternehmenszentrale von ALDI Nord hat die Proteste in Dorsten registriert. „Wenn es uns möglich ist, zeitnah einen Alternativstandort in der Innenstadt zu finden, würden wir den Markt an der Alleestraße trotz aller Unzulänglichkeiten im operativen Betrieb bis zur Eröffnung des alternativen Standorts geöffnet lassen, um unseren Kunden einen nahtlosen Übergang bieten zu können“, heißt es.

Stadt führt Gespräche

Die Spatzen pfeifen es von den Dächern, dass Aldi sich gerne perspektivisch auf dem Gelände der Agatha-Schule am Voßkamp ansiedeln würde, die in ein paar Monaten zum neuen Standort am Nonnenkamp wechselt. Doch eine Richtungsentscheidung darüber ist von Politik und Verwaltung noch nicht gefallen. Die Stadt Dorsten bestätigt auf unsere Anfrage, dass sie mit Aldi Nord Gespräche führt über „Standorte“ für den Neubau eines Marktes: „So, wie die Stadt auch mit anderen Unternehmen Gespräche führt.“

Protest: Mehr als 2000 Kunden gegen Schließung einer Aldi-Filiale in Dorsten

Das Unternehmen Aldi-Nord hat nach 40 Jahren den Mietvertrag für den Filial-Standort an der Alleestraße gekündigt. © Michael Klein

Nach Auskunft der Stadtverwaltung erscheine es „allerdings nicht zielführend, diese Verhandlungen mit der Frage zu verbinden, ob und wie lange das Unternehmen den bestehenden Markt an der Alleestraße weiter geöffnet hält“. Dies sollte laut Stadt eine allein vom Unternehmen zu treffende Entscheidung sein und kein Anlass, Zeitdruck für die notwendigen Gespräche und Entscheidungen zu konstruieren“.

Es gibt nicht nur einen Standort

Auch SPD-Fraktionschef Friedhelm Fragemann hat diese Haltung. „Natürlich ist ein gut aufgestellter Discounter im Innenstadtbereich der richtige Ansatz“, so Fragemann, der auch Vorsitzender des zuständigen Umwelt- und Planungsausschusses ist. „Es gibt aber nicht nur einen möglichen Standort. Politik und Verwaltung dürfen sich auch nicht auf einen einzigen Betrieb fokussieren.“

Die Stadt hat Aldi nachhaltig darauf hingewiesen, dass sie daran interessiert sei, dass bis zur Eröffnung eines neuen Marktes die Nahversorgung in der Altstadt gesichert ist. Auch Johannes Beisenbusch, Grundstückseigentümer und Immobilien-Besitzer der Filiale an der Alleestraße, würde sich dem nicht verschließen.

Der Discounter ist zur Mietverlängerung bereit

„Aldi hat sich inzwischen bei mir gemeldet und angedeutet, dass sie sich vorstellen könnten, doch noch länger zu bleiben“, sagte er. „Ich wäre jedenfalls zu einer kurz- oder mittelfristigen Verlängerung des Mietvertrages bereit, denn auch ich habe Interesse an einer funktionierenden Nahversorgung in der Innenstadt.“

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