Trotz Berufsverbots wollte „falscher Professor“ in Wulfen das große Immobilien-Rad drehen

dzGerichtsprozess

Wegen Immobilienbetrugs bekam er eine lange Haftstrafe mit Berufsverbot. Dennoch ist ein „falscher Professor“ in Wulfen wieder ins Baugewerbe eingestiegen. Jetzt kam es erneut zum Prozess.

Dorsten

, 21.02.2019 / Lesedauer: 3 min

Großspurig nannte er sich auf Visitenkarten „Professor“ und „Doktor“. Er war aber nicht berechtigt, die Titel zu tragen: Sie waren ihm nie verliehen worden, er hatte sie lediglich im Internet mit dem Zusatz „h.c.“ gekauft. Trotz seines Alters und trotz seiner fortschreitenden Schwerbehinderung wollte der Angeklagte damit von Wulfen aus noch mal das große Rad im Baugewerbe drehen. Allerdings befand er sich noch in der Bewährungsphase einer fast siebenjährigen Haftstrafe wegen bandenmäßigen Immobilienbetrugs und war deswegen vom Landgericht mit einem langjährigen Berufsverbot in der Baubranche belegt worden.

Anruf eines Branchenkenners

Am Mittwoch musste sich der 67-jährige Mann vor dem Dorstener Schöffengericht dafür verantworten. Ins Rollen gebracht hatte das Verfahren ein Geschäftsmann aus Haltern, der als selbstständiger Finanzierungsvermittler tätig ist. Er bekam vor gut drei Jahren den Anruf eines Bekannten. „Der gab mir den Tipp, Kontakt zu dem Angeklagten aufzunehmen.“ Zwar verlief das erste Treffen aus Sicht des Finanzierungsvermittlers enttäuschend. „Ich hatte gehofft, dass er mir konkrete Bauprojekte vorschlägt, aber er erklärte mir nur ein abstraktes Konzept, das er umsetzen wollte.“

Doch weil der Angeklagte dabei sehr überzeugend war, ließ sich der Halterner, der nichts von dem Vorleben des Angeklagten wusste, überreden, gemeinsam mit zwei Vertrauten des Beschuldigten ein Immobilienverwaltungs-Unternehmen mit Sitz in Wulfen zu gründen. Das Geschäftsmodell: marode Mehrfamilienhäuser billig aufkaufen, sie dann sanieren und mit Gewinn weiterverkaufen.

Berater mit eigenem Schreibtisch

Der Angeklagte war kein Mitgesellschafter der neuen Firma, lediglich externer Berater mit eigenem Schreibtisch. Außerdem wohnte er zeitweilig in zwei Räumen des Firmensitzes, meldete sich aber, so ein weiterer Vorwurf der Staatsanwaltschaft, mit einer gefälschten Bescheinigung beim Amt an. Die Geschäfte liefen an. Doch schon bald überwarfen sich die Geschäftspartner. Der Angeklagte wollte zur Abwicklung eines Kaufvertrags Geld zuschießen, machte dies aber doch nicht. Beinahe wäre der Deal geplatzt. Spätestens da merkte der Halterner, dass der Angeklagte „viel verspricht, aber wenig hält“.

Viele Streitigkeiten

Es folgten Streitigkeiten mit heftigen Wortwechseln, der Halterner und ein weiterer Unternehmensmitarbeiter fühlten sich von dem Angeklagten bedroht und erpresst. Wegen eines Zwistes wegen ausbleibender Mietzahlungen musste schließlich sogar die Polizei eingreifen, es folgten zahlreiche weitere juristische Scharmützel. Der Staatsanwalt forderte zehn Monate Haft, die Bewährungszeit wäre damit hinfällig geworden. Das Gericht verhängte sechs Monate auf Bewährung: „Er hat diesmal ja niemanden um sein Vermögen gebracht.“

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