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Tobias Hellerberg ruft Gospelchor für an Krebs erkrankte Jugendliche ins Leben

dzKampf gegen Krebs

Die Diagnose traf Tobias Hellerberg wie ein Keulenschlag: unheilbarer Weichteilkrebs. Der Dorstener kämpft um sein Leben. Von seiner Energie sollen erkrankte Jugendliche profitieren.

Dorsten

, 14.05.2019 / Lesedauer: 4 min

Wegen einer Bagatelle suchte Tobias Hellerberg im September 2015 seinen Orthopäden auf: „Ich brauchte neue Einlagen.“ Der Facharzt ordnete ein paar Routineuntersuchungen an. Ein MRT vom Knie förderte dann zutage, womit Hellerberg im Leben nicht gerechnet hätte: „Einen großen schwarzen Fleck, der sich als Metastase entpuppte.“ Ein Weichteilkrebs in der Wade von Tobias Hellerberg hatte gestreut. „Ich bin aus der Praxis raus und habe geheult wie ein kleiner Junge“, sagt Hellerberg.

Vier Jahre sind seit der Diagnose vergangen. Der Krebs, der Hellerberg befallen hat, ist ein bei Erwachsenen sehr seltenes Sarkom. „Es macht sich erst bemerkbar, wenn es schon zu spät ist.“ Die Prognosen sind ungünstig: Vier Jahre bleiben den Erkrankten vielleicht, eine Therapie gegen diesen Krebs gibt es nicht.

„Ich habe seitdem viele Tiefpunkte überwunden“, sagt Tobias Hellerberg. Aufrecht hielten ihn seine Kinder, seine Arbeit in seinem Gartencenter Florawelt, aber auch der Gedanke, etwas für krebskranke junge Menschen tun zu können: „Wenn ich jungen Menschen im Tumorzentrum Essen begegne und mit ihnen rede, dann sehe ich, wie ihre Augen aufleuchten, wenn man mit ihnen über etwas anderes als ihre Krankheit spricht.“

Lebensfreude wecken mit Musik

Hellerberg sann in einer von vielen schlaflosen Nächten in der Universitätsklinik darüber nach, womit er die Lebensfreude und -kraft von an Krebs erkrankten Jugendlichen wecken könne. „Und das Leuchten in ihren Augen.“ „Mir fielen plötzlich die Gospels ein. Melodien und Lieder, die den hart arbeitenden versklavten Menschen Trost und Kraft spendeten“, sagt Hellerberg. Ein Gospelchor für junge Menschen zwischen 15 und 25 Jahren und ihre Freunde und Bekannten - von der Idee bis zur Umsetzung waren die Wege kurz.

„Ich habe meinem behandelnden Arzt, Prof. Sebastian Bauer, davon erzählt. Der war sofort begeistert und setzte alle Hebel in Bewegung, damit mein Plan umgesetzt werden kann.“

Gründung des Chores steht bevor

Einige Monate sind seit dem Gespräch verstrichen. Tobias Hellerberg kann jetzt davon erzählen, dass der Chor im Sommer gegründet werden soll. Mithilfe der finanziellen Unterstützung der Stiftung Universitätsmedizin Essen. Aber auch mithilfe der ärztlichen Leitung der Tumorklinik. Denn von der Heilkraft der Musik sind alle Beteiligten überzeugt.

Prof. Uta Dirksen, stellv. Direktorin der Kinderklinik III und Leiterin des Sarkomschwerpunktes am Westdeutschen Tumorzentrum, sorgt dafür, dass es in der Essener Klinik bald eine eigene Station für krebserkrankte Jugendliche geben wird, die sich dann dem Chor anschließen können. „Bislang waren die Jugendlichen zusammen mit Kindern oder mit älteren Erwachsenen auf dem Zimmer. Ich fand das für sie sehr unglücklich, da die Jugendlichen doch ganz andere Gedanken bewegen als viel ältere oder viel jüngere Krebskranke“, sagt Tobias Hellerberg.

Er ist glücklich, dass er so viele Unterstützer für seine Gospelchor-Idee gewinnen konnte. Ein alter Freund von ihm, Kirchenmusiker Ludwig Wegesin, der lange Jahre in St. Agatha tätig war, wird den Jugendchor leiten: „Er hat mir sofort zugesagt.“ Was echte Freunde von falschen unterscheidet, hat Hellerberg seine Krebserkrankung schmerzlich klar gemacht: „Es gab viele Menschen in meinem nahen Umfeld, die auf Distanz gegangen sind, vielleicht auch, weil sie mit so einer schweren Krankheit nicht umgehen können.“ Umso mehr weiß er den Preis einer echten Freundschaft zu schätzen.

Zusammen stark gegen Krebs

„Zusammen stark gegen Krebs“ heißt das Motto auf dem Flyer, der mit Hellerbergs Hilfe gestaltet wurde und jetzt verteilt wird. „Gerade Gospelmusik spiegelt eine große Hoffnung und Zuversicht wider, die wir alle so nötig haben. Lasst Euch von der Lebensfreude, die mit diesen Liedern ausgedrückt wird, anstecken und gebt der Krankheit nicht den ganzen Platz im Leben.“

Besser hätte Tobias Hellerberg seine Gedankenwelt nicht zu Papier bringen können. Er selbst bekommt zurzeit nach zahllosen Chemotherapiezyklen Bestrahlungen und Operationen eine Immuntherapie. Die sei eigentlich für eine andere Erkrankung vorgesehen. Aber sie wirke auch bei ihm. „Im Moment geht es mir richtig gut.“ Musik weckt Selbstheilungskräfte - daran glaubt auch Tobias Hellerberg.

Spendenaktion

Teil der Spenden fließt in die Forschung

Viele Menschen haben Tobias Hellerberg bereits gefragt, wann die ersten Konzerte des Gospelchores stattfinden. Es gibt noch keine Termine. Außerdem ist seine Initiative auf Spenden angewiesen. Hellerberg hat einige ihm bekannte Firmen angeschrieben und um Unterstützung gebeten. Weitere Geldspenden sind aber willkommen, denn das Geld wird gut angelegt: „Ein Drittel fließt in die Einrichtung der neuen Jugendstation im Tumorzentrum, ein weiteres Drittel geht an erkrankte Jugendliche oder deren Eltern, die finanziell nicht so gut gestellt sind und ein weiteres Drittel bekommt die Sarkomforschung von Prof. Sebastian Bauer.“ Ein Spendenkonto bei der Stiftung Universitätsmedizin wurde eingerichtet: IBAN DE 0937 0205 0005 0005 0005, BIC: BFSWDE33, Bank für Sozialwirtschaft, Stichwort „Tolu-Chor“.
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