Einen Nachbaus des bekannten Tisa-Brunnens soll es in der Dorstener Altstadt geben, aber nicht auf dem Marktplatz. © privat
Kompromissvorschlag

Tisa-Brunnen soll neuen Platz in der Dorstener Altstadt bekommen

Überraschung in der Debatte um den Tisa-Brunnen: In der Dorstener Altstadt soll es nun doch einen Nachbau geben - allerdings an einem neuen Standort.

Es ist eigentlich nicht erlaubt, dass Zuhörer im Stadtrat Rederecht bekommen. Doch für Dr. Stephan Rüdiger unterbrach Bürgermeister Tobias Stockhoff am Mittwochabend kurzerhand die Sitzung. Denn in der Debatte um den Tisa-Brunnen hatte der Pfarrer von St. Agatha einen überraschenden Vorschlag.

„Natürlich haben wir in der Gemeinde St. Agatha die kontroverse Diskussion um den Tisa-Brunnen mitverfolgt“, sagte Stephan Rüdiger. Und mit der Zeit sei der Gedanke einer Kompromisslösung gereift: ein Nachbau des Brunnens auf dem Kirchplatz St. Agatha, zwischen Kirche und Altem Rathaus.

„Tisa von der Schulenburg hatte auch einen sehr stark kirchlichen Bezug“, erklärte der Pfarrer. Diese Dimension ließe sich auf dem Kirchplatz gut mit der Ehrenbürgerschaft der Künstlerin verbinden, außerdem wäre der Brunnen „eine gute Möglichkeit, den relativ toten Ort zu beleben“. Im Kirchenvorstand habe es nur eine Gegenstimme für diesen Vorschlag gegeben.

Kirchplatz St. Agatha
Zwischen Agathakirche und Altem Rathaus soll der Tisa-Brunnen einen neuen Platz finden. © Stefan Diebäcker © Stefan Diebäcker

Nicht ganz so eindeutig fiel das Votum im Stadtrat aus. Grüne und AfD sind gegen einen Brunnen auf dem Kirchplatz, ein SPD-Mitglied und der FDP-Vertreter enthielten sich. Der Kunstbeirat hatte sich schon vor Wochen gegen einen Nachbau des Tisa-Brunnens ausgesprochen.

Respekt im verbalen Umgang vermisst

Der Abstimmung war erneut eine längere Debatte vorausgegangen. Bernd Schwane (CDU) rechnet erneut mit Gegenwind und sprach von „einer der schwierigsten Entscheidungen in meiner langen politischen Laufbahn“. Es gehe darum, das Werk der Künstlerin wertzuschätzen, der Brunnen sei ein Mahnmal für alle Dorstener, mit dem mit Respekt umgegangen werden müsse. Respekt, den Schwane im verbalen Umgang zwischen Befürwortern und Kritikern eines Brunnennachbaus manchmal vermisst hat.

Friedhelm Fragemann machte deutlich, dass die SPD den Brunnen lieber am alten Standort auf dem Marktplatz sehen würde, mit dem Kompromiss aber leben könnte. Anders die AfD, für die der Marktplatz alternativlos ist. „Sie wollen dem Kommerz den Vorzug geben“, kritisierte Heribert Leineweber die Ratsmehrheit.

Grüne: Wasserspiel könnte an Tisa erinnern

Einen neuen Vorschlag brachten die Grünen ins Spiel: ein Wasserspiel am alten Brunnenstandort mit Tisa-Gedenktafel und Hinweis auf den geplanten Ausstellungsort der alten Reliefs. „Ein Nachbau kann nie so gut sein wie das Original“, meinte Mauritz Hagemann. Eine Mehrheit für ihren Vorschlag erhielten die Grünen aber nicht.

Die Stadtverwaltung wird nun mit der Gemeinde die Verhandlungen über einen Brunnen-Nachbau auf dem Kirchplatz aufnehmen. Doch es werden noch andere Fragen zu klären sein, deutete Bürgermeister Tobias Stockhoff an. Die Brunnentechnik befindet sich noch im Keller des alten Sparkassen-Gebäudes (jetzt C&A), es müssen also Leitungen gelegt werden. Wer das und später die laufenden Kosten bezahlt, ist noch unklar. Finanzielle Unterstützung für den Brunnenbau wird es wohl aus dem Altstadtfonds geben.

Die Altstadtschützen haben sich derweil bereit erklärt, den neuen, alten Brunnen zu pflegen, so wie sie es schon am Essener Tor machen. Und eines Tages könnte es vielleicht dann an anderer Stelle ein „Wasserspiel“ mit Romanfiguren von Cornelia Funke geben. Die SPD will ihre Idee zu einem späteren Zeitpunkt weiterverfolgen.

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Stefan Diebäcker

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