Blacky aus dem Dorstener Tierheim sucht schon lange ein neues Zuhause. Tierschützer befürchten, dass viele sich im Lockdown unüberlegt Haustiere angeschafft haben und nun die große Abgabewelle droht. © Blende79/Tierheim Dorsten
Tierschutz

Tierschützer fürchten Abgabe-Welle nach Haustier-Boom

Haustiere waren im Lockdown stark nachgefragt. Nun gibt es auch in Dorsten erste Rückläufer im Tierheim. Die Lage ist noch vergleichsweise entspannt, weil die Tierschützer vorgesorgt haben.

In Zeiten von Lockdown und Homeoffice waren Haustiere stärker nachgefragt als sonst. Züchter konnten die Anfragen teilweise nicht mehr bewältigen und auch in den Tierheimen stieg die Nachfrage. Der Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) beobachtete diese Entwicklung im vergangenen Jahr mit Sorge und warnte davor, dass viele dem Wunsch nach Gesellschaft oder dem Drängen der Kinder auf ein Haustier unüberlegt nachgeben.

Nun sorgen sich Tierschützer, dass mit dem Abklingen der Pandemie und der Rückkehr des normalen Lebens die große Rückgabewelle auf die Tierheime zurollt. Erste Rückläufer habe es auch im Dorstener Tierheim bereits gegeben, sagt Noel Hinz, Vorsitzender des Tierschutzvereins Dorsten und die Herrlichkeit Lembeck. „Aber es hat bislang nicht überhandgenommen.“

Not in anderen Tierheimen schon größer

Von Kollegen aus umliegenden Tierheimen hat Hinz erfahren, dass die Not teilweise schon größer ist. Es gibt Medienberichte, wonach beispielsweise ein Kaninchen ins Tierheim zurückgegeben wurde mit der Begründung, die Kita öffne nun ja wieder.

Noel Hinz, hier ein Archivfoto, ist Vorsitzender des Tierschutzvereins Dorsten und die Herrlichkeit Lembeck.
Noel Hinz, hier ein Archivfoto, ist Vorsitzender des Tierschutzvereins Dorsten und die Herrlichkeit Lembeck. © Carsten Christian (A) © Carsten Christian (A)

Ganz so offensichtlich hat Noel Hinz es noch nicht erlebt. „Man hört aber teilweise die interessantesten Geschichten, warum das Tier auf einmal nicht mehr gehalten werden kann.“ An der Argumentation und der Art, wie die Begründung vorgetragen wird, kann er in der Regel erkennen, dass geflunkert wird.

Alle Tiere kann das Tierheim aufgrund begrenzter Kapazitäten ohnehin nicht aufnehmen. Es muss immer der Einzelfall bewertet werden: Um was für einen Fall handelt es sich? Wie akut ist das Ganze? Die Tiere, die das Dorstener Tierheim selbst vermittelt hat, haben grundsätzlich ein Recht auf Rückkehr. „Das sind ja unsere Schützlinge und das bleibt auch ein Leben lang so“, sagt Noel Hinz.

Bei der Vermittlung wird grundsätzlich geholfen

In anderen Fällen bietet das Tierheim grundsätzlich eine Vermittlungshilfe an. Dafür nutzt der Tierschutzverein seine Social-Media-Kanäle und sein Netzwerk. Wenn aus anderen Tierheimen bekannt ist, dass zum Beispiel jemand einen Schäferhund sucht, wird dorthin vermittelt.

Die beste Vorsorge gegen eine hohe Rückläufer-Quote ist aber immer noch Aufklärung. Auch schon vor Corona haben die Dorstener Tierschützer sich ganz genau angeschaut, wer sich da ein Haustier anschaffen möchte. Da werden Gespräche geführt, in denen die Motivation abgeklopft wird, aber auch Besuche vor Ort sind nicht unüblich, damit die Tierschützer ein Bild davon bekommen, wo und wie das Tier künftig leben soll. So gehen alle seriösen Tierschutzorganisationen vor. Aufklärung sei eben auch eine Facette von Tierschutz, so Hinz.

Über den Autor
Redakteur
Einst aus Sachsen nach Westfalen rübergemacht. Dort in Münster und Bielefeld studiert und nebenbei als Sport- und Gerichtsreporter gearbeitet. Jetzt im Ruhrpott gelandet. Seit 2016 bei Lensing Media.
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Robert Wojtasik

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