Thomas Baumann: „Die Herausforderungen waren sehr groß“

dzUnternehmer des Jahres

Der „Unternehmer des Jahres“ ist Thomas Baumann von der Fernmeldebau Baumann GmbH. Im Interview spricht er über die Verantwortung eines Unternehmers und seinen größten Rückhalt.

Dorsten

, 13.11.2020, 15:36 Uhr / Lesedauer: 4 min

Dass die Dorstener Fußgängerzone in diesen Tagen in neuem Glanz erscheint, ist eng mit dem Namen Thomas Baumann verbunden. Als die Stadt die Tiefbauarbeiten der Sanierung der Innenstadt ausgeschrieben hatte, tat sich lange nichts. Bis Thomas Baumann in die Bresche sprang – für seine Heimatstadt.

Unternehmen für Elektroinstallationen, Energie- und Gebäudetechnik

Für sein unternehmerisches Engagement in Dorsten und darüber hinaus wurde Thomas Baumann als „Unternehmer des Jahres“ 2020 ausgezeichnet. Der 54-jährige Dorstener ist der 16. Träger des Wirtschaftspreises, den die Dorstener Zeitung seit dem Jahr 2005 jährlich vergibt. Thomas Baumann ist geschäftsführender Gesellschafter der Fernmeldebau Baumann GmbH mit Sitz an der Schleusenstraße im Industriegebiet Dorsten-Ost. Das Unternehmen für Elektroinstallationen, Energie- und Gebäudetechnik hat heute fast 200 Mitarbeiter und agiert in der gesamten Region.

Weshalb er gemischte Gefühle über die Auszeichnung hat, die ihm am Freitag (13. November) im kleinsten möglichen Rahmen verliehen wurde, wer sein größter Rückhalt ist und warum Unternehmer in diesen Zeiten eine große Verantwortung tragen, darüber sprach Thomas Baumann mit Hendrik Bücker von der Dorstener Zeitung.

Thomas Baumann bekam die Auszeichnung „Unternehmer des Jahres“ am Freitag (13. November) im kleinsten möglichen Rahmen verliehen.

Thomas Baumann bekam die Auszeichnung „Unternehmer des Jahres“ am Freitag (13. November) im kleinsten möglichen Rahmen verliehen. © Julian Schäpertöns

Herr Baumann, wie haben Sie davon erfahren, dass Sie „Unternehmer des Jahres“ werden?

Christoph Winck (Anm. d. Red.: Verlagsleiter Dorstener Zeitung) hat mich angerufen, sich mit mir getroffen und die Entscheidung mitgeteilt.

Was war Ihre erste Reaktion?

Ich hatte gemischte Gefühle. Öffentlichkeit ist ein zweischneidiges Schwert – besonders während der Pandemie. Ich hätte am liebsten die Auszeichnung abgelehnt.

Dennoch haben Sie sich entschieden, die Auszeichnung anzunehmen.

Eine Ablehnung hätte bedeutet, dass ich sowohl der Auszeichnung, den bisherigen Preisträgern als auch der Jury mit Geringschätzung begegnet wäre. Dies lag jedoch absolut nicht in meiner Intention. Zu den unternehmerischen Pflichten zählt es eben auch, gelegentlich in der Öffentlichkeit zu stehen.

Aber ein wenig Öffentlichkeit hat doch auch etwas Gutes?

Es gibt Branchen, die von der Öffentlichkeit stärker profitieren als unsere. Außerdem stehen sowohl ich als auch meine Familie nicht gern in der Öffentlichkeit. Ich erhoffe mir von der Auszeichnung allerdings eine höhere Aufmerksamkeit am Arbeitsmarkt – wir suchen fast ständig in allen Bereichen unseres Unternehmens neue Mitarbeiter.

Im Fokus der Öffentlichkeit stehen zurzeit eher die Unternehmer, die unter den Auswirkungen der Corona-Krise leiden. Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation für Dorstens Unternehmen?

Es gibt einige Unternehmen, dazu zähle ich auch meines, die bisher nicht allzu stark von der Krise betroffen sind. Zwar sind erhöhte Anforderungen im Bereich Gesundheitsschutz umzusetzen, aber die sind für uns bisher nicht existenzgefährdend. Viel schlimmer betroffen sind die Bereiche Einzelhandel, Gastronomie, Tourismus, Veranstaltungstechnik, Fitness und Sport. Ich sehe in diesen Gewerbebereichen tiefe Einschnitte, die auf Jahre hinaus negative Konsequenzen mit sich ziehen werden. Ich befürchte, dass dies auch noch lange Einfluss auf das Erscheinungsbild von Dorsten haben wird.

Ihre Branche gilt in der Corona-Krise als „systemrelevant“. Empfinden Sie das eher als Privileg oder als eine Verantwortung?

In erster Linie ist es ein Privileg, in einer Branche tätig zu sein, in der ein Lockdown nicht so einfach umzusetzen ist. Umso schwerer wiegt die Verantwortung, die Gesundheit der Mitarbeiter zu sichern und die Leistungsfähigkeit der Firma zu erhalten.

Was bedeutet es Ihnen, ein Familienbetrieb zu sein?

Es bedeutet für mich unabhängig von fremden Entscheidungsträgern zu sein und damit auch kurze Entscheidungswege zu haben. In einem Konzern könnte ich mich nicht so zuhause fühlen.

Gewähren Sie unseren Lesern einen Blick hinter die Kulissen: Wie sieht für Sie der Arbeitsalltag aus?

Er ist sehr abwechslungsreich. Ich mache das, wo ich gerade am dringendsten gebraucht werde. Das ist meistens beim Ausräumen von Problemen, Vertragsverhandlungen, Investitionsentscheidungen und Personalfragen.

Die Fernmeldebau Baumann GmbH liegt an der Schleusenstraße 20.

Die Fernmeldebau Baumann GmbH liegt an der Schleusenstraße 20. © Julian Schäpertöns

Ihr Unternehmen kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Ist das eine Verantwortung, die schwer wiegt, oder blicken Sie mit Stolz auf die Unternehmensgeschichte?

Für mich ist es beides – sowohl eine Verantwortung gegenüber der Familie und den Angestellten als auch ein Grund stolz zu sein.

Sie haben bereits in jungen Jahren die Leitung des Unternehmens übernehmen müssen. Wie beurteilen Sie das rückblickend? Hat Sie das vor große Herausforderungen gestellt?

Ja, die Herausforderungen waren sehr groß. Ich hatte wenig Zeit für meine Familie, da ich neben der Geschäftsführung noch meine Ausbildung beenden musste, um die Konzession für das Elektrohandwerk zu erlangen. Darunter hat leider sehr viel gelitten. Aus diesem Grund bin ich meiner Frau Dorothea sehr dankbar, dass sie viele meiner familiären Pflichten übernommen hat, um mir Freiraum für Angelegenheiten in unserem Unternehmen zu schaffen.

Was waren Ihre ersten Schritte als Unternehmer?

Als ich die Geschäftsführung übernommen habe, gab es zwei große Probleme: Durch die Wende gingen fast alle öffentlichen Investitionen – auch in dem Bereich der Telekommunikation – in die neuen Bundesländer. Und aus der Bundespost wurde die Telekom AG. Beides hat zu einem Einbruch der Auftragslage geführt. Ich musste die Firma umstrukturieren und neue Auftraggeber finden. Das waren dann auch meine ersten Schritte.

Nach welcher Philosophie oder welchen Prinzipien leiten Sie Ihr Unternehmen?

Erstens: Durch genaue Analyse im Team bestmögliche Ergebnisse erzielen. Zweitens und frei nach Konrad Adenauer: Man muss die Menschen nehmen, wie sie sind, es gibt keine anderen. Und zu guter Letzt: Es gibt keine Verhaltensänderungen ohne Konsequenzen – positive und negative.

Wer ist heute Ihr größter Rückhalt?

Der größte Rückhalt waren und sind nach meiner Frau die erfahrenen Mitarbeiter, denen mein volles Vertrauen gilt. Das war zum Beispiel bis zu seinem Ruhestand mein Onkel Paul Baumann und sind heute der Cousin und Prokurist Johannes Baumann, der Personalleiter Johannes Mecking und neu hinzugekommen mein Schwiegersohn und inzwischen Geschäftsführer Daniel Wahlers. An dieser Stelle wären noch viele mehr zu benennen. Ich kann und konnte stets auf ein gutes Team im Hintergrund zurückgreifen.

Auf einen Festakt für die Preisverleihung muss in diesem Jahr erstmalig aus bekannten Gründen verzichtet werden. Sind Sie deshalb enttäuscht?

In der jetzigen Zeit gibt es andere Sorgen als einen Festakt. Natürlich ist es schade, dass ich mich nicht bei einer Preisverleihung bei denen bedanken kann, die mich zu dem gemacht haben, der ich heute bin. Aber unser Augenmerk sollte bei denen liegen, die unter der Pandemie leiden.

Die Übergabe im kleinen Rahmen ist Ihnen also lieber?

Zur jetzigen Zeit ist mir eine Preisverleihung im möglichst kleinsten Rahmen am liebsten. Ich fühle mich auch ohne große Veranstaltung geehrt.

Wie planen Sie, den Tag zu verbringen? Werden Sie auf die Auszeichnung anstoßen?

Solange wir in der Pandemie leben, werden wir keine Feierlichkeiten begehen. Das hole ich später in einem anderen Rahmen nach. Ein Gläschen Rotwein mit meiner Frau halte ich aber für angebracht.

Als aktueller Preisträger dürfen Sie als Teil der Jury den „Unternehmer des Jahres“ 2021 auswählen. Haben Sie sich schon Gedanken darüber gemacht, wie Sie an diese Aufgabe herangehen wollen?

Ich werde möglichst offen an die Aufgabe herangehen. Schön fände ich, wenn wir einen Unternehmer finden würden, den man nicht nur für das würdigt, was er schon erbracht hat, sondern der durch das Öffentlichmachen seines Tuns weitere Entwicklungschancen bekommt.

Vielen Dank für das Interview.

Sehr gerne.

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